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Aus der Stadt Modedroge Spice auf dem Vormarsch
Hannover Aus der Stadt Modedroge Spice auf dem Vormarsch
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08:24 05.05.2015
Von Tobias Morchner
„Bislang nur Einzelfälle“: Drogenberater Mirko Wollnik mit Infomaterial zum Thema Legal Highs.
„Bislang nur Einzelfälle“: Drogenberater Mirko Wollnik mit Infomaterial zum Thema Legal Highs.  Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Ärzte des Klinikums Siloah haben erstmals zwei junge Männer behandeln müssen, die zuvor eine neue, gefährliche Kräuter-Drogenmischung konsumiert hatten. Die Männer, die innerhalb der vergangenen drei Wochen in die Klinik eingeliefert worden waren, hatten den Medizinern von tagelangen Blackouts und dem Verlust des Gedächtnisses nach dem Einnehmen des legalen Rauschmittels, das unter dem Oberbegriff „Spice“ bekannt geworden ist, berichtet. Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) wird die Modedroge immer häufiger konsumiert. Zugleich warnt die Behörde vor dem Konsum des Rauschmittels. „Die Risiken sind schlicht nicht kalkulierbar“, sagt LKA-Sprecher Frank Federau.

Nach Angaben von Reinhard Brunkhorst, dem Chefarzt der Klinik für Nieren-, Hochdruck- und Gefäßkrankheiten im Klinikum Siloah, litten beide Männer nach dem Drogenkonsum unter akutem Nierenversagen. „Es ist gut möglich, dass bei beiden durch tagelanges Liegen im Rauschzustand der Zerfall der Muskulatur eingesetzt hat. Dabei werden Stoffe freigesetzt, die Nierenschäden verursachen können“, sagt Brunkhorst.

Eine synthetische Droge

Die neue Modedroge wird im Internet in kleinen Beuteln als Kräutermischung unter verschiedenen Markennamen verkauft. Nach Angaben des LKA sind die Kräuter dabei lediglich die Trägerstoffe für synthetisch hergestellte Drogen. „Sie werden auf die Kräuter aufgesprüht, die Drogen-Kräuter-Mischung wird in der Regel geraucht“, sagt LKA-Sprecher Federau. Den Konsumenten sei weder die Konzentration des Rauschmittels bekannt noch die genaue Zusammensetzung.

Auch die Mitarbeiter der Suchtberatungsstelle Drobs Hannover weisen in ihren Beratungen immer wieder auf die Gefahren der synthetischen Droge hin. „Bislang kommen allerdings nur Einzelfälle zu uns“, sagt Suchtberater Mirko Wollnik. Die Berater haben Handzettel und Broschüren erstellt, mit denen auf das Risiko des Konsums der Modedroge hingewiesen wird.

Spice ist schwer nachweisbar

Das Rauschgift Spice beschäftigt auch die Polizei. Den größten bisher bekannten Fund machten die Ermittler vor rund einem Jahr in Limmer. In einer Wohnung an der Wunstorfer Straße stießen die Drogenfahnder auf 1567 Beutel mit dem gefährlichen Inhalt. Der mutmaßliche Drogenhändler wurde vorläufig festgenommen.

Inzwischen geht es den beiden Männern, die im Klinikum Siloah behandelt wurden, wieder besser. „Einer von ihnen kann demnächst entlassen werden, seine Nierenfunktion ist aber nach wie vor eingeschränkt“, sagt Chefarzt Brunkhorst. Der junge Mann hatte wohl auch deswegen zu Spice gegriffen, weil das Rauschgift so schwer nachweisbar ist. Seinen Führerschein soll er nämlich schon wegen Alkoholmissbrauch am Steuer verloren haben.

Andreas Schinkel 08.05.2015
Andreas Schinkel 05.05.2015
05.05.2015