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Aus der Stadt Mönninghoff droht Anwohnern mit Abzug der Stadtverwaltung
Hannover Aus der Stadt Mönninghoff droht Anwohnern mit Abzug der Stadtverwaltung
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21:02 24.06.2010
Von Juliane Kaune
Verbleib der Stadtverwaltung im Ihme-Zentrum hängt von den Wohnungsbesitzern ab.
Verbleib der Stadtverwaltung im Ihme-Zentrum hängt von den Wohnungsbesitzern ab. Quelle: Handout
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„Wir stehen voll hinter dem Sanierungskonzept der Landesbank Berlin – aber wenn die Wohnungsbesitzer dieses nicht mittragen, wird es keine Verlängerung der Mietverträge für unsere Ämter geben“, erklärte er gegenüber der HAZ. Noch laufen die Kontrakte für die Abteilungen mit 800 städtischen Mitarbeitern bis 2017 und 2020.

Laut Mönninghoff machen auch die Stadtwerke ihren langfristigen Verbleib im Ihme-Zentrum davon abhängig, dass die 550 Wohnungsbesitzer der von der Landesbank (LBB) vorgeschlagenen Änderung der Gemeinschaftsordnung zustimmen. Anders als die städtischen Verträge seien die bis 2020 laufenden Mietkontrakte für die 600 Stadtwerke-Mitarbeiter durch Abschlagszahlungen vorzeitig kündbar, sagte der Dezernent. Bei den Stadtwerken wollte man das nicht bestätigen: „Wir werden unsere Verträge erfüllen“, hieß es.

Wie berichtet, hatte die LBB, Hauptgläubigerin im Ihme-Zentrum, die Neustrukturierung der Besitzverhältnisse zwischen Wohn- und Gewerbeeigentum als einzig gangbaren Weg dargestellt, um die brachliegende Immobilie für Investoren wieder interessant zu machen. Zurzeit bürdet die Rechtsordnung allen Besitzern von Gewerbe- und Wohnflächen eine gemeinsame Verantwortung auf – und gesteht entsprechende Einspruchsrechte zu. Das bedeutet, dass für bauliche Änderungen in Gemeinschaftsflächen stets ein aufwendiges Zustimmungsverfahren gestartet werden muss, obwohl 83 Prozent der Grundstücke in der Hand des Institutszwangsverwalters sind, der nach der Insolvenz der Fondsgesellschaften des US-Investors Carlyle eingesetzt wurde.

Seine Sicht der Dinge hatte Mönninghoff am Mittwochabend auch bei einer nicht öffentlichen Eigentümerversammlung mit 300 Teilnehmern dargestellt. Wie einige von ihnen berichten, habe er „donnernden Applaus“ für seine Worte bekommen. Andere fühlten sich düpiert: „Mit Drohungen ist keinem gedient“, sagte eine Eignerin.

Grundsätzlich ist die Bereitschaft der Eigentümer, die Änderung der Gemeinschaftsordnung mitzutragen, offenbar vorhanden. Übereinstimmend erklärten Teilnehmer der Versammlung, nur eine kleine Minderheit habe Vorbehalte. Die Tücken stecken im Detail: Die Wohnungsbesitzer haben einen Anwalt beauftragt – Ziel ist es, bis zum Jahresende die von der LBB vorgelegten, hochkomplexen Verträge von allen 550 Eignern gegenzeichnen zu lassen. „Das ist ein ambitionierter Zeitplan“, sagte Anwalt Claus Carsten Winckelmann. Sollten Einzelne die Unterschrift verweigern, gebe es gute Chancen, dass die Mehrheit diese per Klage verpflichtet – vorausgesetzt, die Richter sind von dem Vertragswerk überzeugt.

Selbst dann ist die Zukunft des Ihme-Zentrums nicht gesichert: Mit der gezielten Suche nach Investoren will die LBB im Juni 2011 beginnen. Bis dahin ist ein Projektentwickler mit der Akquise von Gewerbemietern beauftragt.