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Aus der Stadt Mörder litt unter religiösem Wahn
Hannover Aus der Stadt Mörder litt unter religiösem Wahn
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13:02 18.03.2014
Von Michael Zgoll
Quelle: Archiv (Symbolbild)
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Hannover

Der Mann, der sich derzeit vor dem Schwurgericht Hannover wegen Mordes an einer 39-jährigen Frau aus Badenstedt verantworten muss, hat wahrscheinlich in religiösem Wahn gehandelt. Ein psychiatrischer Sachverständiger des Landeskrankenhauses Wunstorf erklärte in der gestrigen Verhandlung, dass der Angeklagte Oleg C. unter paranoider Schizophrenie leidet und dass er die Mutter eines 13-jährigen Sohnes nach eigener Darstellung getötet habe, um „das Reich Gottes vor der Frau zu schützen“. Für eine psychische Erkrankung des 32-jährigen Russlanddeutschen spricht auch, dass er im September 2013 versucht hatte, sich kurz nach dem Verbrechen in der Untersuchungshaft die Zunge mit einem Rasiermesser herauszuschneiden: Gott habe ihm befohlen zu schweigen, und er habe diesem Befehl unwiderruflich nachkommen wollen.

Der bereits mehrfach wegen Diebstahls, Raubes und Drogendelikten vorbestrafte Oleg C. war laut Anklage am helllichten Tag über seine Ex-Freundin hergefallen. In ihrer Wohnung in der ehemaligen Arbeitersiedlung Körtingsdorf starb Heike Z. laut einem Gerichtsmediziner an mehr als 20 Stichen und Schnitten; diese trafen sie in Herz und Lunge, am Kopf und in den Rücken. Nachbarn hatten noch Hilfeschreie gehört, konnten aber nicht mehr eingreifen. Eine Botin des Hermesversands, die an der Wohnungstür klopfte und ein Paket abgeben wollte, stand unverhofft C. gegenüber. Dieser hatte ein blutiges Küchenmesser, etwa 30 Zentimeter lang, in der Hand und sah sie ihrer Erinnerung nach an, als ob er sie „fressen“ wolle. Wenig später stand der 32-Jährige in einem benachbarten Lädchen und eröffnete dem Inhaber, dass etwas Schlimmes passiert sei und dieser die Polizei verständigen solle. Auch bei seiner Festnahme machte C. einen völlig verstörten, abwesenden Eindruck. In der Wohnung stießen die Ermittler neben der Leiche von Heike Z. auf den Schäferhund-Mischling der 39-Jährigen, den ebenfalls mehrere Messerstiche getroffen hatten; anders als sein Frauchen überlebte „Cäsar“ die blutige Attacke.

Die Chefin eines erotischen Massagestudios in Bornum, wo das Opfer stundenweise am Empfang und als Telefonistin arbeitete, hatte noch kurz vor der Tat Kontakt mit ihrer Mitarbeiterin. Diese sei normalerweise sehr zuverlässig gewesen, sagte die Zeugin aus. An jenem 4. September aber habe ihr die Frau kurzfristig per Handy-Textnachricht mitgeteilt, dass sie gerade Probleme habe und erst später komme. Die Zeugin beschrieb die Beziehung zwischen dem mutmaßlichen Täter und Heike Z. als sehr wechselhaft; kurz vor ihrem Tod habe sich ihre Mitarbeiterin aber entschlossen gezeigt, sich endgültig von C. zu trennen.

Wie Chefarzt Andreas Tänzer vom Landeskrankenhaus erläuterte, war der Angeklagte kurz nach seiner versuchten Zungenverstümmelung in die Psychiatrie verlegt worden. Dort habe er ihm erzählt, dass er ein Engel sei, der Gottes Botschaften umsetzen müsse. Er habe auch „schlechte Stimmen“ gehört, die ihn zum Selbstmord aufgefordert hätten; tatsächlich versuchte C., sich in Wunstorf mit einer Nadel eine Vene zu öffnen und – kurze Zeit später – mit einer Schnur seiner Trainingshose zu erhängen. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Wolfgang Rosenbusch, ob der Angeklagte seine Psychose nur simuliere, antwortete der Gutachter mit einem klaren Nein.

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