Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Motiv für Messerstiche bleibt unklar
Hannover Aus der Stadt Motiv für Messerstiche bleibt unklar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:47 28.08.2012
Von Sonja Fröhlich
Das Landgericht Hannover muss beurteilen, ob der Angeklagte Gökhan M. (Foto) einen versuchten Mord oder einen versuchten Totschlag begangen hat. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Er soll die hübsche junge Türkin bloß angelächelt haben. Mehr nicht. Doch eben dieses Lächeln soll es gewesen sein, das Lars H. beinahe tödliche Verletzungen einbrachte. Der 27-Jährige war im vergangenen Februar vor dem Steintorklub „Havanna“ niedergestochen worden. Der Täter, Gökhan M., hatte mit einem Messer sein Herz durchbohrt, das hat er bereits gestanden. Zu den Umständen der Tat gibt es allerdings widersprüchliche Aussagen. M. sagt, er sei von Lars H. und dessen Freund provoziert worden. Andere Zeugen sagen das Gegenteil. So oder so macht der Prozess vor dem Landgericht Hannover deutlich, wie schnell ein Klubgast im nächtlichen Gedränge Opfer eines brutalen Angriffs werden kann.

Ausgelöst hatte den Wutausbruch des Angeklagten offenbar eine banale Szene, bei der es um eine junge Frau ging. Die 29-jährige Türkin sagte gestern als Zeugin aus, die Einzelhandelskauffrau war aus München angereist. Nur auf beständige Nachfragen des Gerichts machte sie überhaupt eine zusammenhängende Aussage.

Sie sei mit einer Freundin im Steintorviertel gewesen, um ihren Geburtstag nachzufeiern. Dort sei sie auf den Bekannten ihres Ex-Freundes, Gökhan M. gestoßen. Mit ihm habe sie sich auf dem Flur des Klubs unterhalten. Währenddessen habe ein junger Deutscher in der Nähe gestanden – das spätere Opfer, wie sich herausstellte. „Er lächelte mich an, vielleicht hat er auch ,Hallo’ gesagt. Ich habe zurückgelächelt. Das war es schon“, sagt die 29-Jährige. Ihr Gesprächspartner habe gereizt reagiert, der jungen Frau zufolge forderte M. den Besucher mehrfach auf weiterzugehen. Zögerlich räumt sie ein: „Dabei wirkte er irgendwie genervt.“

Der Angeklagte will nach seiner eigenen Aussage im Gedränge einen Schlag auf den Kopf verspürt haben. Ob das stimmt, kann die Zeugin nur vage bestätigen. Zumindest sei M. dann aus dem Klub gelaufen. „Ich habe versucht, ihn festzuhalten. Aber er war trotzdem weg.“ Ob er rannte oder ging – darauf will sich die Zeugin nicht festlegen. Der Angeklagte selbst hatte angegeben, den Klub nur verlassen zu haben, um sich Zigaretten zu holen. Er sei auf dem Weg zum Kiosk zufällig auf Lars H. und dessen Freund gestoßen. Er habe sich von den beiden angegriffen gefühlt und dann nach dem Messer gegriffen. Ein weiterer Zeuge hatte dagegen gesehen, wie M. den beiden Freunden gezielt hinterhergerannt sei und Lars H. an der Schulter herumgerissen habe – kurze Zeit später sei dieser blutend zusammengebrochen. Seiner Aussage zufolge soll auch die Frau mehr von der Tat mitbekommen haben, als sie aussagt. Die 29-Jährige gibt vor Gericht aber immer wieder an, sich nicht mehr erinnern zu können – sie sei angetrunken gewesen, beteuert die Zeugin, die sich immerzu durch die blondierten Haare fährt und fast maskenhaft lächelt.

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch, der für gewöhnlich nicht aus der Ruhe zu bringen ist, hat wenig Verständnis: „Sie können mich anstrahlen wie Sie wollen, ich glaube Ihnen nicht“, sagt er. „Ich erwarte, dass Sie sich Mühe geben.“ Er wisse aus Erfahrung, dass sich Zeugen von Tötungsdelikten nur zu gut an Einzelheiten erinnern könnten – auch wenn diese viel Alkohol getrunken haben. „Oder bei wie vielen Tötungsdelikten waren Sie schon dabei?“

Immerhin muss Rosenbuschs Kammer am Ende darüber urteilen, ob der 28-jährige Immobilenmakler einen versuchten Mord oder einen versuchten Totschlag begangen hat. Beim versuchten Totschlag liegt der Strafrahmen zwischen zwei und 15 Jahren, bei versuchtem Mord könnte ihm sogar eine lebenslange Freiheitsstrafe drohen.

Möglicherweise will die Zeugin den Angeklagten schützen, oder sie spielt doch eine größere Rolle in dem Streit, als sie zugibt. Schließlich räumt die 29-Jährige doch noch ein, während der Tat vor der Tür gewesen zu sein. Dort habe ihr der Angeklagte einen Beutel mit Kokain übergeben, bevor er von der Polizei festgenommen wurde. Das Messer, das Gökhan M. seinem Opfer mitten ins Herz gestochen hatte, ist jedoch seit der Tat spurlos verschwunden. Möglich ist, dass der Angeklagte auch dieses einem Freund oder einer Freundin übergeben hatte – und der- oder diejenige würde sich wegen Strafvereitelung strafbar machen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Eine Wohnungseigentümerin in Nachbarschaft des Mittellandkanals hat Besuch von bis zu 100 Nacht­seglern bekommen. Selbst ein Tierrettungseinsatz der Feuerwehr konnte nicht vollständig Abhilfe schaffen. Experten raten zur Vorsicht bei geöffnetem Fenster in der Wohnung.

28.08.2012

In unserer Reihe „Sommerinterview“ fragen wir ganz normale Menschen nach ihrer speziellen Sichtder Dinge. Heute: Eva Pritzl, Leiterin  der Jugendherberge Hannover.

27.08.2012

227 unbesetzte Lehrstellen melden die Handwerks- und die Handelskammer in Hannover. Überrascht ist man über die freien Ausbildungsplätze etwa bei den Kfz-Mechatronikern – eigentlich ein Lieblingsberuf von jungen Männern.

30.08.2012