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Aus der Stadt Müllmänner sollen Auto zerkratzt haben
Hannover Aus der Stadt Müllmänner sollen Auto zerkratzt haben
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07:20 11.11.2015
Von Michael Zgoll
Ein BMW-Fahrer klagt gegen zwei Müllmänner von aha. Sie sollen seinem Wagen mit einem Papiercontainer hässliche Kratzer verpasst haben. Quelle: Zgoll
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Hannover

Haben zwei Müllmänner des Abfallwirtschaftsbetriebs Aha ein Auto beschädigt? Einem BMW 318 i mit einem Papiercontainer hässliche blaue Kratzer verpasst? Mit dieser Frage hat sich Amtsrichterin Catharina Schwind schon zwei Verhandlungstage befasst und bereits zehn Zeugen vernommen.

Seit Dienstag steht fest: Weil der wichtigste Augenzeuge - der Mitarbeiter eines Ladens - unentschuldigt fehlte, ist noch ein dritter Termin vonnöten. Die Männer von Aha weisen alle Schuld weit von sich, die Angaben der Beteiligten sind nicht widerspruchsfrei - und der Autobesitzer hat offenbar schlechte Karten, seinen Schaden von 2770 Euro ersetzt zu bekommen.

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Der Kläger hatte seinen BMW an einem Januarmorgen 2014 in der Escherstraße (Steintorviertel) abgestellt. Gemeinsam mit seinem Vater stattete er einem nahen Konsulat einen Besuch ab. Sein Fahrzeug hatte er allerdings - unzulässigerweise - auf dem Bürgersteig unmittelbar neben einem türkischen Geschäft geparkt.

Am nächsten Tag fielen dem Autobesitzer auf der rechten Seite seines BMW etliche Schrammen ins Auge, teilweise gepaart mit blauen Farbspuren. Ein Kratzer reichte von vorne bis hinten. An den Radkästen fanden sich flächige Schleifspuren, auch am Türgriff gab’s eine Macke. Der Mann fuhr wieder in die Escherstraße, rief die Polizei.

In den Folgewochen taten die Beamten, was ihre Pflicht ist: Sie ermittelten. Befragten die Beteiligten und vermaßen die Höhe der Schleifspuren am BMW. Sie stellten fest, dass der Papiercontainer - Korpus schwarz, Deckel blau - die Schäden nur dann hätte verursachen können, wenn die Klappe während des Rangierens geöffnet gewesen wäre; die Passage Richtung Hinterhof ist jedenfalls recht eng.

Das Schieben mit offener Luke ist den Leuten von Aha zwar verboten, kann im Eifer eines hektischen Arbeitsalltags aber schon mal passieren. War die Schuldfrage damit geklärt?

Dummerweise gab es unterschiedliche Zeugenaussagen, ob das Auto am vermuteten Tattag nur vormittags, noch ein zweites Mal nachmittags oder den ganzen Tag auf dem Stellplatz stand. Auch stehen die bisherigen Angaben des Ladenmitarbeiters, der den besten Einblick hatte, auf schwankendem Grund: Dass er den Vorfall direkt beobachtet hat, erscheint zweifelhaft, welche Schäden er wann registrierte, ist unklar.

Die Richterin machte dem Kläger deutlich, dass er klipp und klar beweisen müsse, dass die Männer von Aha sein Auto beschädigt haben. „Hier geht es nicht um Wahrscheinlichkeiten, sondern um beweiskräftige Fakten“, sagte Schwind. Theoretisch könnten die blauen Schrammen auch von einem anderen Container stammen, theoretisch hätten auch der Verkäufer oder ein unbekannter Dritter das Blech zerkratzen können. Jetzt wird der Zeuge aus dem Laden ein weiteres Mal geladen - dass er alles aufklären kann, darf bezweifelt werden.

Mathias Klein 14.11.2015
11.11.2015