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Aus der Stadt Musik hilft auch beim Sprechen
Hannover Aus der Stadt Musik hilft auch beim Sprechen
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02:15 08.02.2014
Von Bärbel Hilbig
In der evangelischen Kita Nazareth dürfen die Kinder tanzen, trommeln und singen. Quelle: Thomas
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Hannover

Die Kinder galoppieren wie kleine Pferde im Kreis, sie tanzen um ein imaginäres Lagerfeuer wie die Indianer und imitieren mit ihren Armen die Bewegungen des Adlers im Flug. Dazu singen sie mit ihren Erzieherinnen, und einige Jungen und Mädchen schlagen mehr oder weniger treffsicher den Rhythmus. In der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätte Nazareth hat das Singen und Musizieren seit vergangenem Sommer noch einmal einen besonderen Schub bekommen. Musikpädagogin Alexandra Dieck von der Musikschule Hannover beschäftigt sich einmal in der Woche mit den Vier- und Fünfjährigen, außerdem bilden die Erzieherinnen sich fort.

Möglich wird die musikalische Früherziehung durch ein doppeltes Engagement. Das Land Niedersachsen stattet die Musikschulen mit einem Grundkapital von 1,9 Millionen Euro pro Jahr aus, damit sie Kooperationen mit Kitas und Grundschulen eingehen können. Diese befristeten Projekte trägt das Land zu maximal 50 Prozent. Für den Rest sind Kita-Träger, Sponsoren, Kommunen oder Eltern gefordert. Die evangelische Landeskirche nutzt das Geld vom Kultusministerium für ihr eigenes Projekt „Mit Leib und Seele – wir machen Musik“, das zwei Jahre lang in 50 der landesweit 639 evangelischen Kitas läuft. 200 hatten sich beworben. Neben der Südstädter Nazareth-Kita profitieren in Hannover vier weitere Einrichtungen.

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Die evangelische Landeskirche nutzt Gelder vom Kultusministerium für ihr Projekt „Mit Leib und Seele – wir machen Musik“, das zwei Jahre lang in 50 der landesweit 639 evangelischen Kitas läuft. Damit soll das Singen im Kindergarten gefördert werden.

Im Fall der Nazareth-Kita können 34 Kinder in zwei Gruppen mitmachen, die im Wechsel alle 14 Tage an der Reihe sind. Sie lernen bei Alexandra Dieck Bewegungsspiele, Sprechgesänge, Rhythmus und auch komplizierte Verse in Indianer-Fantasiesprache. „Die Kinder sind voller Motivation, das Erlernte weiterzugeben, und singen auch in der Krabbelgruppe vor“, berichtet Erzieherin Claudia Burlager. Hibbelige Kinder werden ruhiger, manche haben Fortschritte beim Überwinden ihrer Sprechstörungen gemacht. „Ich kann die Kinder sprachlich fördern, ohne dass sie es merken“, sagt Dieck. Musikerziehung liege in Kitas inzwischen oft brach, sagt Regina Struwe, Kita-Referentin im Diakonischen Werk Niedersachsen. „In der Erzieherausbildung ist Musik kein Unterrichtsfach mehr.“

Struwe betreut das Projekt für die Landeskirche und schätzt es sehr, weil Musik ganzheitlich auf die Entwicklung der Kinder wirkt. Dennoch kritisiert sie angesichts der vielen, aber zeitlich befristeten Angebote zu Bewegung, Forschen, Sprache und Musik und der beschränkten Zahl teilnehmender Kitas den Hang zur „Projekteritis“ in Niedersachsen. „Mehr Erzieher in jeder Kita-Gruppe würden uns wirklich weiterhelfen.“

Für das landesweite Kirchenprojekt kommen mit 80 000 Euro fast die Hälfte vom Land, 25 000 Euro von der Klosterkammer, rund 15 000 Euro von der Hanns-Lilje-Stiftung. Ihren eigenen Anteil trägt die Kirche aus Kollektengelde. Die Eltern zahlen nichts. „Es ist ein tolles Signal, wenn die Kirche als Kita-Träger und Stiftungen vor Ort sich engagieren“, lobt Klaus Bredl, Geschäftsführer des Landesverbands Niedersächsischer Musikschulen. Die Musikschulen versuchen, mit dem Landesgeld Brennpunktstadtteile zu berücksichtigen. Beim Kirchenprojekt sind aber neben einer Kita in Vahrenheide Einrichtungen in Isernhagen, Südstadt und Döhren beteiligt.

06.02.2014
Andreas Schinkel 05.02.2014