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Aus der Stadt Muss Hannover Container-Quartiere bauen?
Hannover Aus der Stadt Muss Hannover Container-Quartiere bauen?
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00:15 01.10.2014
Von Bernd Haase
Flüchtlinge sitzen vor Containern in der Landesaufnahmebehörde für Asylsuchende (LAB) in Braunschweig.
Flüchtlinge sitzen vor Containern in der Landesaufnahmebehörde für Asylsuchende (LAB) in Braunschweig. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Die Probleme der Stadt mit dem aktuellen Flüchtlingsstrom nehmen immer größere Umfänge an. Weil kaum noch Unterkünfte zur Verfügung stehen, soll es nach Informationen der HAZ in den nächsten Tagen zwischen Verwaltung und Politik Gespräche mit dem Ziel geben, die festgelegten Standards in Sachen Unterbringung mindestens für einen gewissen Zeitraum anzupassen - und damit zu lockern.

Damit wären dann auch in Hannover Containersiedlungen oder Großquartiere in öffentlichen Hallen denkbar, wie es sie in anderen Städten schon gibt. Innerhalb der Verwaltung, aus der am Wochenende keine Stellungnahme zu erhalten war, ist von tragfähigen Übergangslösungen die Rede. Das Thema ist politisch heikel, weil es einen Ratsbeschluss in Sachen Unterbringung gibt, auf dessen Einhaltung die Mandatsträger von SPD und Grünen peinlich genau geachtet haben. Er sieht vor, dass Flüchtlinge nur in Wohnungen, betreuten Wohnprojekten und Heimen einquartiert werden. Letztere sollen für nicht mehr als 50 Bewohner zugeschnitten sein.

Die Standards sind zu einer Zeit festgelegt worden, als der jetzige Andrang von Hilfesuchenden noch nicht abzusehen war. Mittlerweile kommen pro Woche zwischen 50 und 60 Männer, Frauen und Kinder nach Hannover und damit doppelt so viele wie zu Beginn des Sommers. Mit einer schnellen Entspannung ist allein schon wegen der prekären Lage in Syrien und dem Nordirak nicht zu rechnen - im Gegenteil: Bisher sind alle Prognosen zur Flüchtlingszahl ziemlich rasch von der Realität über den Haufen geworfen worden.

Bei der Unterbringung muss die Stadt auch auf besondere Umstände achten. Alleinstehende Männer sollen möglichst nicht zusammen mit Familien einquartiert werden, ethnische Befindlichkeiten sind ebenso zu berücksichtigen. Trotzdem hat sie es bisher geschafft, dass kein Asylsuchender ohne Dach über dem Kopf blieb oder in ein Zelt ziehen musste. Allerdings ist schon die Turnhalle der Feuerwehr in Stöcken als Notunterkunft für 20 Flüchtlinge hergerichtet worden, auch das leerstehende Schulzentrum in Ahlem steht auf der Liste. Im Ahlemer Fall ist die Lage problematisch, weil die Sporthalle für den Vereinssport genutzt wird und die Asylsuchenden auf die dortigen sanitären Anlagen angewiesen sind.

Nach Informationen der HAZ tun sich insbesondere die Grünen noch immer schwer damit, die Standards zu lockern. Bleiben sie bestehen, kann die Stadt keine Auffangstation einrichten, in der Asylsuchende für einen Übergangszeitraum unterkommen. Auch das Aufstellen von Wohncontainern in Modulbauweise ist so nicht möglich. Über Detailvorschläge der Stadt für die Gespräche mit der Politik war nichts in Erfahrung zu bringen.

Doris Schröder-Kopf im Interview

Frau Schröder-Köpf, wenn es den Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte Hannover, dessen Schirmherrin Sie sind, nicht schon gäbe, müsste man ihn doch erfinden?

Auf jeden Fall. Die Gründung dieses Netzwerks war eine fantastische Idee, die sich über die ganze Stadt verbreitet hat. Auslöser war die Einrichtung eines Flüchtlingsheims und die damit verbundene Unruhe im Stadtteil. Die Situation änderte sich schlagartig, als man mit der Nachbarschaft in einen offenen Dialog eingetreten ist. Wenn man die Menschen persönlich kennenlernt, öffnen sich die Herzen.

In einigen Stadtteilen funktionieren die unterstützenden Nachbarschaftskreise sehr gut, in anderen hakt es noch ...

Entscheidend ist, möglichst alle wichtigen Akteure an einen Tisch zu holen, etwa Vertreter von Kirchengemeinden, Vereinen, der Wirtschaft, aus den Bezirksräten und der Polizei.

Die Kommunen bekommen angesichts wachsender Flüchtlingszahlen Schwierigkeiten, die Menschen unterzubringen. Was unternimmt das Land, um den Kommunen zu helfen und die Situation für Flüchtlinge zu verbessern?

Wir versuchen, alle Facetten an Hilfsmöglichkeiten zu beachten, aber man kann die Asylpolitik nicht in eineinhalb Jahren komplett neu aufstellen. Das Land unterstützt beispielsweise das Behandlungszentrum für traumatisierte Flüchtlinge in den nächsten Jahren mit 300.000 Euro, damit die Integration der betroffenen Menschen gelingen kann. Außerdem erhöhen wir die Kapazitäten der Landesaufnahmebehörden in Bramsche, Friedland und Braunschweig. Und wir suchen zur Entlastung der bestehenden Erstaufnahmeeinrichtungen eine zusätzliche Unterbringungsmöglichkeit für weitere Flüchtlinge. Sie soll die bereits bestehenden schnell entlasten und den Kommunen mehr Zeit zur Aufnahme der Flüchtlinge verschaffen.

Das ist ja eher die bürokratische Seite der Hilfe ...

Wir versuchen aber auch Organisationen zur Unterstützung mit ins Boot zu holen, etwa den Bund der Vertriebenen. Dessen Mitglieder haben oft noch eigene Erinnerungen daran, wie es ist, mit nur einem Koffer in der Fremde anzukommen. Die Flüchtlinge heute haben es allerdings noch schwerer, weil sie nur in den seltensten Fällen der deutschen Sprache mächtig sind.

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