Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Forschung an der Wunderwaffe
Hannover Aus der Stadt Forschung an der Wunderwaffe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
00:16 21.11.2013
Von Simon Benne
„Keine Nichtarier im Senat“: Feier anlässlich der Rektoratsübergabe am 19. Juni 1933 in der Turnhalle der TH Hannover. Quelle: Carl Thies Nachf./Universitätsarchiv
Anzeige
Hannover

Sein Glaube an den „Endsieg“ war ungebrochen: Noch Ende Januar 1945 schickte Walter Osenberg ein Schreiben an Hitler persönlich. Er habe da einen Plan, um „die Luftkriegslage fast schlagartig zu verändern“, behauptete der Leiter des Instituts für Werkzeugmaschinen der Technischen Hochschule Hannover. In „einer längeren persönlichen Aussprache“ habe ihm Heinrich Himmler schon jede Unterstützung beim Bau und Einsatz seiner „Flakrakete Planet“ durch die Waffen-SS zugesagt. Die Rakete, bestehend aus einem „Muttergeschoss“ und 24 „Tochtergeschossen“, könne selbst große Kampfverbände vernichten.

Panzertechnik aus Hannover

Es wurde nichts mit der Wunderwaffe aus Hannover – der Krieg war zu Ende, ehe diese gebaut werden konnte. Gleichwohl wirft die Episode ein Schlaglicht auf die Technische Hochschule in der NS-Zeit: Auf breiter Front arbeiteten deren Institute der Rüstungsindustrie zu. Hannoversche Wissenschaftler beschäftigten sich mit Panzertechnik, Torpedokurven und der Aerodynamik von Kampfflugzeugen. Der spätere Physiknobelpreisträger Johannes Jensen war seit 1941 offenbar sogar am deutschen Atomprogramm beteiligt; er arbeitete in Celle an der Isotopentrennung von Uran 235 mit.

Der Historiker Michael Jung hat jetzt die bislang umfangreichste Arbeit über die Technische Hochschule in der NS-Zeit überhaupt vorgelegt. Seine Dissertation „Voll Begeisterung schlagen unsere Herzen zum Führer“ (376 Seiten, 36,90 Euro) arbeitet sehr detailliert und mit hohem wissenschaftlichen Anspruch ein dunkles Kapitel in der Geschichte der heutigen Leibniz Universität auf.

Dozenten wurden gechasst

Diese führte schon 1933 das „Führerprinzip“ ein. Missliebige Dozenten wurden geschasst. Unter anderem wurde der Mechanikprofessor Otto Flachsbart in den Ruhestand versetzt – seine Frau war Jüdin. Hugo Kulka, ein renommierter Experte für Eisenbau, stellte seinen Lehrauftrag angeblich aus gesundheitlichen Gründen selbst zur Verfügung. Zuvor war er wegen seiner jüdischen Herkunft angefeindet worden. Insgesamt wurden in der NS-Zeit sechs von 124 Dozenten aus dem Lehrkörper gedrängt – deutlich weniger als an anderen Hochschulen. Doch das spricht nicht für die TH: Die Professoren hatten einfach schon vor der Machtübernahme darauf geachtet, eine „rein deutsche Hochschule“ zu führen, wie der neue Rektor Otto Franzius 1934 stolz erklärte. Der Senat konnte daher schon im April desselben Jahres feststellen, dass „in seinem Kreis keine Nichtarier und marxistisch eingestellte Mitglieder“ säßen.

Der Rektor, nach dem der Franziusweg in Herrenhausen benannt ist, stellte 1934 in einem Aufsatz Hitler auf eine Stufe mit dem „größten Ethiker aller Zeiten“, dem „großen Kungtse“. In den Jahren darauf achtete die Hochschule bei Stellenbesetzungen ganz genau auf arische Abstammung und politische Linientreue der Bewerber: Von 30 Lehrstuhlinhabern, die zwischen 1933 und 1945 ins Amt kamen, waren 22 Mitglied der NSDAP.

„Rassenhygiene" als Lehrauftrag

Auch ihr wissenschaftliches Profil passte die Hochschule schnell der neuen Zeit an: Im Sommer 1935 wurde „Rassenhygiene“ als neuer Lehrauftrag eingeführt. Als „Koloniale Zusatzausbildung“ konnten sich Studenten von 1941 an in „Tropenhygiene“ weiterbilden, und im Jahr darauf gab es Planungen, ein Institut für Kautschukforschung einzurichten: „Die Schlagadern der modernen Kriegführung sind Eisen, Öl und Kautschuk“, hieß es damals.

In einer Gedenkveranstaltung will die Leibniz Uni jetzt an jene Akademiker erinnern, denen im Dritten Reich die Titel entzogen wurden. Der Historiker Wolfgang Benz wird dabei sprechen, die Namen der Geschassten werden verlesen. Einstimmig hat der Senat inzwischen alle „NS-bedingten Beeinträchtigungen“ von Studenten und Dozenten an der Hochschule verurteilt. Er hatte allen Anlass dazu: „Die Professoren“, sagt Historiker Jung, „waren damals mit dem Nationalsozialismus eng verquickt“.

Die Gedenkveranstaltung beginnt am morgigen Mittwoch um 15.30 Uhr im Lichthof des Welfenschlosses.

Aus der Stadt Ansturm auf Integrationskurse - Honorar für Sprachlehrer ist zu gering

Der Ansturm auf Integrationskurse für Ausländer hat zur Folge, dass in Hannover zunehmend Dozenten fehlen, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten. Erschwerend komme hinzu, dass die Sprachlehrer schlecht bezahlt werden, heißt es jetzt vonseiten eines Kursanbieters.

Andreas Schinkel 19.11.2013
Aus der Stadt 67-Jähriger räumt Sparfächer in Kneipe - Rentner zockt Sparer ab

Eine Südstädter Kneipenrunde zahlt 17.500 Euro in Sparfächer ein – doch am Auszahlungstag ist alles weg. Der Täter: Rentner Hans-Jürgen I. Das Amtsgericht Hannover verurteilte den 67-Jährigen wegen gewerbsmäßiger Untreue in 46 Fällen zu einer Bewährungsstrafe.

Michael Zgoll 21.11.2013

Der ehemalige Oberbürgermeister-Kandidat der CDU, Matthias Waldraff, hat keine Ambitionen mehr, sich in die Stadtpolitik einzubringen. „Ich bin jetzt im Gespräch mit Menschen wie David McAllister und Ulf Thiele“, sagt Waldraff.

Andreas Schinkel 21.11.2013