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Aus der Stadt Nach Schneefall herrscht Chaos am Hauptbahnhof Hannover
Hannover Aus der Stadt Nach Schneefall herrscht Chaos am Hauptbahnhof Hannover
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21:28 19.12.2010
Schneefall am Wochenende führte zu Verspätungen und Unregelmäßigkeiten im Bahnverkehr. Quelle: Nico Herzog
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Den ganzen Sonntag lang fuhren nahezu alle Züge mit Verspätung. Als häufigsten Grund dafür nannte die Deutsche Bahn „witterungsbedingte Störungen“.

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Viele Reisende hatten dadurch erhebliche Schwierigkeiten, an ihr Ziel zu gelangen. Die 32-jährige Ludmina Sarancov etwa war mit ihren beiden Kindern Alex (7) und Nico (5) von Hameln auf dem Weg nach Alzey in Rheinhessen. „Fast eine Stunde stehen wir hier schon und warten, meine Kinder frieren“, sagte sie. Sarancov hatte vergebens auf einen Sitzplatz im ICE Richtung Süden gehofft. Doch als der Zug mit mehr als einer Stunde Verspätung am Bahnsteig einrollte, war er längst überfüllt. In den Gängen standen die Fahrgäste bereits dicht an dicht, beim Ein- und Aussteigen kam es zu dichtem Gedränge. Nicht alle Wartenden durften schließlich einsteigen. „Hier sind zu viele Menschen drin, das ist aus Sicherheitsgründen verboten“, sagte ein Zugbegleiter. „Hier passt keiner mehr rein.“

Eine Sprecherin der Bahn wollte am Sonntag nicht von Chaos sprechen. „Es gibt Zugverspätungen und Zugausfälle“, sagte sie. Das Unternehmen habe den normalen Wochenendverkehr bewältigen müssen, dazu kämen noch die zusätzlichen Fahrgäste, die wegen ausgefallener Flüge und der winterlichen Straßenverhältnisse auf die Bahn umgestiegen seien.

Wegen starker Schneeverwehungen hatte der Flughafen am Sonntagmorgen erneut seine Start- und Landebahnen zwischen 9.30 und 10 Uhr gesperrt – bereits am Donnerstag war der Flugbetrieb für zweieinhalb Stunden eingestellt worden. Nach Angaben von Flughafensprecher Sönke Jacobsen fielen am Sonntag insgesamt 20 Flugzeuge aus, die in Langenhagen starten oder landen sollten. So ziemlich alle Maschinen, die enteist werden mussten, seien mit Verspätung abgeflogen. Bereits in der Nacht waren drei Maschinen mit 800 Fluggästen aus New York und Neu-Delhi in Langenhagen zwischengelandet, weil der Flughafen in London gesperrt war. Sie wurden zunächst in Hotels untergebracht.

Auch bei der Üstra gab es am Sonntagmorgen schneebedingt Probleme: Wegen einer vereisten Weiche, die sich nicht mehr bewegen ließ, kam es an der Bothmerstraße in Döhren zwischen 8.30 bis 9 Uhr zum Stillstand auf der Strecke in Richtung Messe-Nord und Laatzen. Auf der Clausewitzstraße im Zooviertel blieb eine Stadtbahn im dichten Schnee stecken und musste von einem Arbeitsfahrzeug angeschoben werden. Aufgrund des Wetters habe es generell Verspätungen gegeben, räumte Üstra-Sprecher Udo Iwannek ein.

Angesichts der Salzknappheit bei den Straßenmeistereien hat der ADAC scharfe Kritik an der Vorratshaltung der Straßenmeistereien im Umland geübt. „Das ist sehr merkwürdig“, sagte ADAC-Sprecherin Christine Rettig. „Wir hätten gedacht, dass man aus den Erfahrungen des vergangenen Winters dazugelernt hat“, meinte sie. Es hätte deutlich mehr Streusalz eingelagert sein müssen. Positiv hob sie in diesem Zusammenhang den Abfallwirtschaftsbetrieb aha hervor, der für den Winterdienst in der Landeshauptstadt zuständig ist. Dort habe die Bevorratung mit Streusalz vorbildlich funktioniert. Rettig forderte angesichts der Lage Kommunen und Betriebe zu einem Austausch von Streusalz auf. Beispielsweise seien die Lager von aha mit rund 3000 Tonnen weitgehend gefüllt, während die Straßenmeistereien derzeit auf Nachschub warteten. „Der eine kann doch dem anderen helfen“, sagte sie.

Zwei Verletzte bei Wildunfall

Ein betrunkener Fahranfänger, der auf einer schneebedeckten Fahrbahn ein die Straße kreuzendes Wildtier übersah, hat am frühen Sonnabendmorgen in Hemmingen-Devese einen folgenschweren Unfall verursacht. Der 23-jährige Fahrer und seine 17-jährige Beifahrerin wurden bei dem Zusammenstoß verletzt.

Nach Angaben der Polizei fuhr der 23-Jährige mit seiner Begleitung gegen 2 Uhr auf der mit Eis und Neuschnee bedeckten Kreisstraße 225 von Ohlendorf nach Devese. Etwa 500 Meter vor dem Ortseingang soll ein Wildtier auf der Straße gestanden haben, wie der 23-Jährige, der noch den Führerschein auf Probe hat, angab. Beim Bremsen sei sein Wagen außer Kontrolle geraten. Der Opel schleuderte über die Gegenfahrbahn. Er prallte zunächst gegen eine Grabenwand und dann mit dem Heck gegen einen Baum, anschließend überschlug er sich. Beide Insassen konnten sich selbst aus dem zerstörten Fahrzeug befreien, sie kamen in Krankenhäuser.

Die Polizei stellte später fest, dass der 23-Jährige stark alkoholisiert war und leitete ein Strafverfahren ein. Während der Bergung wurde die Kreisstraße voll gesperrt. Anhand der im Schnee gefundenen Spuren vermutete ein Jäger, dass es sich bei dem Wildtier um ein Reh gehandelt haben muss, das bei dem Zusammenstoß verletzt wurde. Feuerwehrleute suchten die Umgebung ab, wurden aber nicht fündig.

Mathias Klein und Sonja Fröhlich

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