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Aus der Stadt Nach Steinwürfen: Liberale Juden fordern Konsequenzen
Hannover Aus der Stadt Nach Steinwürfen: Liberale Juden fordern Konsequenzen
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14:58 29.06.2010
Von Thorsten Fuchs
Hier war es zum antisemitischen Übergriff während eines Stadtteilfests im Sahlkamp gekommen. Quelle: Rainer Surrey
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Nach den Steinwürfen auf eine jüdische Tanzgruppe auf dem Sahlkamp Platz vvor zehn Tagen in Hannover haben liberale Juden Konsequenzen gefordert „Es geht nicht, dass antisemitische Schimpfwörter von Sozialpädagogen als bloße ‚Sprüche‘ veharmlost werden“, heißt es in einer Erklärung des Vorstands. Zudem sei es ein Fehler gewesen, das Fest nach dem Vorfall fortzusetzen.

Die Gemeinde bezieht sich auf einen antisemitischen Übergriff während eines Stadtteilfests im Sahlkamp. Dabei hatten überwiegend arabischstämmige Kinder und Jugendliche Steine auf eine jüdische Tanzgruppe geworfen und antijüdische Parolen gerufen. Die Polizei hat inzwischen neun Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 19 Jahren ermittelt.

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Die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde, Ingrid Wettberg, zeigte sich am Montag besorgt angesichts verstärkter antisemitischer Tendenzen. Eine Verschlimmerung der Lage im Nahen Osten könnte die Stimmung hier zusätzlich anheizen. „Es steht zu befürchten, dass es heftiger wird“, sagte sie. Nach Auffassung der Liberalen Jüden Gemeinde „müssten die Mitarbeiter der Stadt für den Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und ethnisch motivierten Straftaten geschult werden“, damit sie energisch gegen Störer bei öffentlichen Veranstaltungen vorgingen. Außerdem mahnte Wettberg einen kritischeren Dialog der Stadt mit den muslimischen Gemeinden an. Vom Land fordert die Gemeinde, im Schulunterricht einen Schwerpunkt auf die wechselseitige Anerkennung verschiedener Religionen zu legen.

Dass das Fest fortgesetzt und nicht sofort die Polizei gerufen wurde, hatte auch Oberbürgermeister Stephan Weil nach dem Vorfall bereits als Fehler bezeichnet. Der Sozialarbeiter habe mit seinen Äußerungen antisemitische Tendenzen nicht verharmlosen, sondern lediglich Ausdrucksformen von Jugendlichen beschreiben wollen. Diese seien sich der Tragweite ihrer Äußerungen oft nicht bewusst.

Auch die Union progressiver Juden hat gestern Konsequenzen bei der religiösen und schulischen Erziehung gefordert. Der Angriff sei besonders bedauerlich, „weil von den Steinwürfen jüdische Zuwanderer aus der früheren UdSSR getroffen wurden, die in Deutschland Schutz vor Antisemitismus gesucht haben“, erklärte der UPJ-Vorsitzende Jan Mühlstein.

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