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Aus der Stadt Nach „Street View“ nun „Streetside“
Hannover Aus der Stadt Nach „Street View“ nun „Streetside“
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21:56 02.11.2011
Ein Jahr nach dem Start des Internetdienstes „Google Street View“ macht sich das nächste Unternehmen bereit, Hannovers Straßen für ein vergleichbares Angebot durchzufotografieren.
Ein Jahr nach dem Start des Internetdienstes „Google Street View“ macht sich das nächste Unternehmen bereit, Hannovers Straßen für ein vergleichbares Angebot durchzufotografieren. Quelle: dpa
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Hannover

In München, Frankfurt oder Stuttgart hat der US-Computerriese Microsoft für seinen Dienst „Bing Streetside“ die sogenannten Kamerafahrten schon absolviert. Demnächst stehen neben Berlin auch Städte im Ruhrgebiet und im Rheinland an. Bis zum kommenden Sommer will Microsoft seine Autos auch durch Hannover geschickt haben – wann genau das passieren wird, ist noch nicht klar.

Für Hauseigentümer oder Mieter, die ihre Häuser nicht per 360-Grad-Panoramaansicht im Internet sehen möchten, bedeutet das, dass sie erneut Widerspruch einlegen müssen. Diese Möglichkeit gewährt Microsoft auch – allerdings erst nach der Veröffentlichung der Ansichten. Diese nachträgliche Möglichkeit ist für Michael Knaps, Sprecher des niedersächsischen Datenschutzbeauftragten, „ein Witz“. Denn für Knaps steht fest: „Was einmal im Internet war, bleibt auch da.“

Vor einem Jahr hatte die Einführung des Google-Dienstes „Street View“ in Deutschland für heftigen Widerstand gesorgt. Datenschützer liefen gegen das Angebot Sturm, das neben den bekannten Bildern aus der Vogelperspektive nun auch Straßenansichten zeigte. Am Ende rang Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Casper dem Konzern 13 Zugeständnisse ab – unter anderem das, Vorabwidersprüche gegen die Veröffentlichung der Aufnahmen zu ermöglichen. Laut Google gingen bundesweit 244 237 Anträge auf Unkenntlichmachung von Häusern ein, was 2,89 Prozent der Haushalte entspreche.

Datenschutz-Sprecher Knaps zufolge hatte Google alle Regionen Deutschlands flächendeckend fotografieren lassen, aber nur die Bilder der 20 größten deutschen Städte veröffentlicht. Durch sie kann man nun bei Google virtuell hindurchspazieren. Derzeit seien keine weiteren Veröffentlichungen geplant, teilt das Unternehmen mit. Weltweit sind „Street View“-Bilder mittlerweile aus 26 Ländern zu sehen. In Deutschland sei die Resonanz auf „Street View“ so groß und positiv wie in keinem anderen Land, sagt Google.

Den Wirbel beim Konkurrenten Google bedenkend hat Microsoft im Vorfeld der Arbeiten zu „Streetside“ bereits verschiedene Zugeständnisse zum Datenschutz gemacht. So machte der Konzern auch einen Vorabwiderspruch möglich – allerdings nur von August bis September dieses Jahres. Diese Frist aber verstrich in den meisten Städten weitgehend unbemerkt. Glaubt man Knaps, werden sich die deutschen Datenschützer mit dem Verfahren nicht zufriedengeben.

Unterdessen hat Google in den USA damit begonnen, Innenansichten von Läden und Geschäften bei „Street View“ zu zeigen. Das sei an sich kein Problem, sagt Knaps, „solange keine Menschen darauf zu sehen sind“. Google aber schicke sich an, Kameras in den Geschäften anzubringen, die durchgehend Livebilder ausstrahlten. Das wiederum lehnen deutsche Datenschützer vehement ab. „Dagegen wird man sich sicher wehren“, sagt Knaps.

Felix Harbart