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Aus der Stadt Nach vier Jahren endlich wieder Geburtstag feiern
Hannover Aus der Stadt Nach vier Jahren endlich wieder Geburtstag feiern
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18:36 29.02.2012
Stefan Köhling wird heute 20 Jahre alt. Am 29. Februar feiert er erst zum fünften Mal. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Was haben der Schweizer Autor Martin Suter, der italienische Komponist Gioachino Rossini, Fußball-Nationalspieler Benedikt Höwedes und das TV-Model Lena Gercke gemeinsam? Alle drei haben Erfolge in ihrem Segment erzielt und feiern heute ihren verdienten Geburtstag. Es ist ein besonderer Ehrentag, denn sie sind am 29. Februar geboren, am sogenannten Schalttag, der nur alle vier Jahre stattfindet. Demnach wird Martin Suter heute nicht 64 Jahre alt, sondern erst 16. Er darf von nun an legal Zigaretten rauchen. Herzlichen Glückwunsch!

Wie Suter, Rossini und Gercke feiern heute insgesamt 355 Menschen in der Stadt Hannover ihren Geburtstag. Für die meisten von ihnen ist der 29. Februar trotz aller Kalenderberechnungen ein schöner, seltener Tag. „Heute werde ich fünf Jahre alt!“, freut sich zum Beispiel Stefan Köhling aus Döhren, der eigentlich 20 Jahre alt wird. Probleme mit dem Datum habe er nie gehabt. „Nur die Frage, wann ich denn meinen Geburtstag feiere, wenn nicht gerade Schaltjahr ist, habe ich ein paarmal zu oft gehört“, sagt er und antwortet pflichtgemäß im leichten Leierton: „Ich feiere dann am 1. März, denn am 28. Februar zu feiern, kommt nicht infrage. Das ist wie vorzeitiges Gratulieren.“

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In diesem Jahr sollen die Geburtstagsfeierlichkeiten etwas größer ausfallen. Köhling wird zum 1. April nach Bayreuth ziehen, um dort internationale Wirtschaft und Entwicklung zu studieren. „Ich habe etwa 15 Leute zu mir eingeladen.“ Es ist der Abschied von zu Hause.
Auch der Direktor des Historischen Museums, Thomas Schwark, hat seine  Erfahrungen mit dem 29. Februar. Er wird heute 56 Jahre alt, und weil er weiß, wie das ist, wenn man an diesem Datum geboren wurde, lädt er alle Geburtstagskinder zu einem kostenlosen Besuch des Museums ein. „Wir sorgen jetzt für etwas mehr Gerechtigkeit“, teilen die Museumsbetreiber im sozialen Netzwerk Facebook und auf der städtischen Internetseite mit.

Ein normaler Tag für das Standesamt

Glücklich macht der 29. Februar heute auch sieben Paare im Standesamt, die sich trauen lassen wollen. „Für das Standesamt ist es ein ganz normaler Tag“, sagt Stadtsprecher Klaus Helmer. Soll heißen: Die Zahl der Trauungen an diesem Tag ist nicht signifikant rückläufig – obwohl die Ehepaare sich darauf einstellen müssen, dass sie in Zukunft nur alle vier Jahre Hochzeitstag haben.

Keine besonderen Herausforderungen hält der Tag für Jörg Gade, leitender Oberarzt im Diakoniekrankenhaus Friederikenstift, bereit. Obwohl man vermuten darf, dass einige Eltern darauf dringen, dass der Nachwuchs eben nicht ausgerechnet am 29. Februar das Licht der Welt erblicken möge. „Wir legen keine Geburtstermine fest, wir wollen den natürlichen Geburtstermin einhalten“, betont der Mediziner. Natürlich gebe es Leute, die den Geburtstermin noch etwas herauszögern wollten. Aber Wunschtermine gebe es nicht. „Auch für einen Kaiserschnitt muss es echte, medizinisch vertretbare Gründe geben“, sagt Gade. Ein großes Problem stelle der 29. Februar aber nicht dar. „Die Leute haben eher Schwierigkeiten mit einem Geburtstag zu Weihnachten“, sagt der 49-Jährige. Einen Blumenstrauß und Schokoladenherzen bekommen die Mütter der Babys, die heute in Friederikenstift und Henriettenstiftung geboren werden, in jedem Fall.

An eine eingeleitete Geburt war auch bei Margitta Piro nicht zu denken. 1944 kurz vor der Flucht der Familie aus dem ostpreußischen Insterburg fand die Geburt zu Hause statt. „Um 17.55 Uhr bin ich zur Welt gekommen“, sagt Piro. „Das hat meine Mutter damals sorgfältig aufgeschrieben.“ Dass es ausgerechnet ein Tag war, der nur alle vier Jahre im Kalender steht, war damals egal. Auch die ersten Geburtstage waren nicht besonders. „Damals haben wir nicht so groß gefeiert“, erzählt die heute 66-Jährige, die ihren achten Geburtstag schon in Hannover beging. Im Nachkriegsdeutschland gab es andere Sorgen als Geburtstage an einem 29. Februar.

Keine Nichtgeburtstagsfeier

Die Frage nach der Feier löste Margitta Piro damals ganz pragmatisch: „Meine Oma hatte immer am 27. Februar. Wir haben uns dann einen Tag am Wochenende gesucht und zusammen gefeiert.“ Heute stört sie der angehängte Februartag mehr als in der Kindheit. Es gebe ja diesen Hasen, der bei „Alice im Wunderland“ immer seinen Nichtgeburtstag feiere, sagt Piro. „Aber ich will diesen Nichtgeburtstag nicht.“ Man denke, man habe Geburtstag, aber irgendwie habe man dann ja doch nicht. Oft sei sie daher geflohen. Entweder zu einer Freundin in die USA oder mit ihrem Mann in den Urlaub.

Dieses Jahr will die Davenstedterin endlich mal wieder so richtig feiern. „Die Jahre, in denen es einen 29. gibt, sind immer besonders schön“, sagt sie. Schon seit Montag ist sie am Backen und Vorbereiten. „Wir machen uns eine richtig schöne Party“, kündigt Piro an, die mit Freunden in der Markthalle und mit der großen Familie am Wochenende feiert. Ein Gutes hat das vierjährliche Geburtstagsfeiern auch aus ihrer Sicht: „Ich bin immer noch minderjährig“, scherzt die 66-Jährige, der denn auch einige ihrer Freunde zum 17. Geburtstag gratulieren werden.

Minderjährig ist demnach auch Jennifer Becker. „Als ich 24 Jahre alt wurde, habe ich noch eine Schultüte bekommen – quasi als zweite Einschulung“, erzählt die angehende Illustratorin. Heute feiert sie ihren 28. Geburtstag. Über das besondere Datum freut sie sich: „Niemand vergisst meinen Geburtstag“, sagt sie. Zudem hat ihr Geburtsdatum einen ganz entscheidenden Vorteil: „Alt werde ich bestimmt nicht.“ Stimmt. Rein rechnerisch darf man heute zum siebten Geburtstag gratulieren.

Alles Gute!

Jan Sedelies und Manuel Becker

Bärbel Hilbig 28.02.2012
Lars Ruzic 29.02.2012