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Aus der Stadt Gesucht: Eine Frau für die Stadtwerke
Hannover Aus der Stadt Gesucht: Eine Frau für die Stadtwerke
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06:34 20.01.2015
Von Jens Heitmann
Michael Feist geht Ende März 2016 in Rente, Aufsichtsrat und Ratspolitik wollen den Chefposten an eine Frau vergeben - vielleicht Claudia Kemfert? Quelle: NICO HERZOG
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Hannover

Feist geht Ende März 2016 in Rente. Es gibt nur ein Problem - außerhalb der Grünen stößt dieser Personalvorschlag auf harsche Ablehnung. Einer von Feists Vorstandskollegen hat für den Fall der Fälle bereits seine sofortige Demission angekündigt.

Für die rot-grüne Ratsmehrheit ist die Personalie nicht nur deshalb heikel. Vor drei Jahren haben die Koalitionäre „die Erhöhung des Frauenanteils in Unternehmen mit städtischer Beteiligung, insbesondere auf den verschiedenen Führungsebenen“ zum Ziel erklärt. Weit gekommen sind sie damit bisher nicht: Mit Kornelia Hülter steht beim Abfallwirtschaftsverband Aha nur eine Frau an der Spitze eines der 17 städtischen Unternehmen - und ausgerechnet sie will man bei der Region loswerden.

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Dass bei der Sparkasse nach Walter Kleines nicht ganz freiwilligem Ausscheiden inzwischen zwei Frauen im Vorstand sitzen, kann sich die Landeshauptstadt nicht als Erfolg anrechnen - denn Träger der Sparkasse ist die Region. Weil sich auf den Chefetagen so wenig tut, hat der Gleichstellungsausschuss des Rates zuletzt zweimal hintereinander darauf verzichtet, dass der erst 2011 beschlossene jährliche Bericht der Verwaltung zum Thema Frauen in Führungspositionen auch tatsächlich vorgelegt wird.

„Eine Frau an der Spitze der Stadtwerke wäre deshalb schon schön“, bekennt ein Aufsichtsrat. „Aber wir brauchen jemanden, der das Unternehmen auch wirklich führt, und keine Politikerin.“ Letzteres ist als Spitze gegen Kemfert gedacht, die 2012 als Schattenenergieministerin für die CDU in Nordrhein-Westfalen in den Wahlkampf gezogen ist und ein Jahr später in gleicher Funktion für die SPD in Hessen - und beide Male verlor. „Außerdem hat sie keine Ahnung von Betriebswirtschaft“, sagt ein Sozialdemokrat.

Wenn der allgemein geteilte Wunsch nach Frauenförderung auf die konkrete Stellenbeschreibung trifft, stehen die Beteiligten des Öfteren vor einem Dilemma: In bestimmten Branchen ist die Zahl der geeigneten Kandidatinnen deutlich geringer als die männlicher Aspiranten. Zuletzt haben Stadt und Land das bei der Neubesetzung des Messe-Vorstandes akzeptieren müssen - alle vier Posten gingen an Männer.

Eine solche Blöße wollen sich Rote und Grüne bei den Stadtwerken nicht noch einmal geben. Die Zeit aber drängt: Nur ein Jahr nach Vorstandschef Feist scheidet Arbeitsdirektor Jochen Westerholz altersbedingt aus, Ende März 2018 geht auch Technik-Vorstand Harald Noske. „Wir haben hier ein gewisses Klumpenrisiko“, sagt ein Ratspolitiker. Soll heißen: Das neue Führungstrio muss gut harmonieren, um alle Energien auf die Herausforderung im Kerngeschäft konzentrieren zu können.

Um die offene Frauenfrage an der Spitze zu beantworten, will der Aufsichtsrat der Stadtwerke Anfang Februar eine Findungskommission berufen. Diese werde dann einen Headhunter engagieren, der geeignete Kandidat(inn)en aufspüren solle, verlautet aus dem Gremium. Die Grünen im Rat möchten bei Enercity gern eine Vorstandsvorsitzende sehen - auf jeden Fall aber zwei der drei Vorstandsposten weiblich besetzen. Von Aufsichtsratschef Marc Hansmann und der SPD ist bekannt, dass sie mindestens eine Frau mit an die Spitze befördern möchten.

Leicht zu erreichen sind diese Ziele jedoch nicht: In den Führungsetagen der 1400 Mitglieder des Stadtwerke-Verbandes VKU ist derzeit nur jeder zehnte Topjob mit einer Frau besetzt - branchenfremden Bewerbungen stehen die Aufsichtsräte eher skeptisch gegenüber. Deshalb richten sich die Blicke auch auf mögliche Kandidatinnen aus dem eigenen Haus. Zwei Hauptabteilungsleiterinnen hätten eine gute Chance in die engere Wahl zu kommen, heißt es - so sie es denn wollten.

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