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Aus der Stadt Nobelpreis: Forscher aus Hannover gehen leer aus
Hannover Aus der Stadt Nobelpreis: Forscher aus Hannover gehen leer aus
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22:23 03.10.2017
Hier fiebern die Forscher aus Hannover der Verleihung entgegen.  Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Der Nobelpreis für die Physik geht in diesem Jahr an die drei US-Forscher Rainer Weiss, Kip Thorne und Barry Barish. Sie werden damit für ihren Nachweis von Gravitationswellen im All geehrt, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag mitteilte. Die Auszeichnung ist mit neun Millionen Schwedischen Kronen (rund 935.000 Euro) dotiert. Der in Berlin geborene Weiss erhält einen Teil des Preises, die beiden anderen Wissenschaftler teilen sich die andere Hälfte.

Die Forscher aus Hannover gehen leer aus. Karsten Danzmann hat maßgeblich das Lasermessverfahren entwickelt, mit dem der Nachweis der Existenz von Schwerkraftwellen gelang. Der Forscher verfolgt die Verkündung des Physik-Nobelpreises per Live-Übertragung inmitten von rund 100 Mitarbeitern, Kollegen und Gästen im Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Hannover

Die Gravitationswellenforschung wird auch am Albert-Einstein-Institut Hannover an der Leibniz-Uni betrieben. Es kooperiert mit dem Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik. Ein Einblick in das Institut in Ruthe.

So half Hannover, Einstein zu beweisen

Schon eine Stunde vor der Verkündung war die Spannung im Saal zu spüren: Dann trödelt die Akademie in Stockholm auch noch ein wenig. „Ich bin nervös“, verrät Bruce Allen, geschäftsführender MPI-Direktor. Schließlich war fast das ganze Institut beteiligt an der spektakulären ersten Messung von Schwerkraftwellen.

Doch auch wenn es mit dem großen Preis nicht klappt: Es fällt mit der Entscheidung auch Glanz auf Hannover. Die Gesichter strahlen, der Applaus ist kräftig, aber nicht überbordend. Nach der Übertragung ist Danzmann schon keine Enttäuschung mehr anzumerken. „Es ist auch unser Preis“, sagt der 62-Jährige ohne eine Spur von Bitterkeit. Barry Barish, der dritte Preisträger, wurde als wissenschaftlicher Leiter der internationalen Ligo-Kooperation geehrt, an der Hannover so großen Anteil hat. Barry Barish stehe stellvertretend für die rund tausend weltweit beteiligten Wissenschaftler, erklärt Danzmann. „Wir sind alle Barry.“

Gratulation von allen Seiten

Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic lässt sich in ihrer Unterstützung für den Forschungszweig nicht davon irritieren, dass Europas Beitrag beim Nobelkomitee keine Erwähnung findet. „Wir haben allen Grund zu feiern. Ohne die Forschung in Hannover wäre die Entdeckung schlicht nicht möglich gewesen“, sagt sie. Danzmann und Allen seien wichtige Mitspieler in der Ligo-Kooperation, der Nobelpreis damit auch eine große Anerkennung für ihr Team. „Es ist schon Ehrung genug, als aussichtsreicher Kandidat gehandelt zu werden.“ (Das komplette Interview finden Sie hier.)

Das Land hat über die Jahre 32 Millionen Euro in die Gravitationswellenforschung gesteckt, besonders in den Wellen-Detektor in Ruthe bei Sarstedt, der als Ideenschmiede für die internationale Forschergemeinde funktioniert. „Solche Forschung braucht Zeit“, betont die Ministerin. Max-Planck-Gesellschaft, Leibniz-Universität und VW-Stiftung haben ebenfalls an das einst obskur erscheinende Feld geglaubt.

Karsten Danzmann hat maßgeblich das Lasermessverfahren entwickelt, mit dem der Nachweis der Existenz von Schwerkraftwellen gelang. Der Forscher verfolgt die Verkündung des Physik-Nobelpreises per Live-Übertragung inmitten von Mitarbeitern, Kollegen und Gästen im Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Hannover. Leider gehen die Forscher leer aus – freuen sich aber trotzdem für ihre Kollegen.

Schon in den Achtzigern hatten die Forscher versucht, vom damaligen Bundesforschungsministerium in Bonn 150 Millionen D-Mark für eine Messanlage im großen Stil zu bekommen. Mit der Wiedervereinigung war aber Geld für Grundlagenforschung plötzlich knapp, erzählt Hermann Schunck, späterer Ministerialdirektor, der jetzt eigens aus Bonn angereist war. Danzmann habe dann eine kleinere Anlage für ein Zehntel des Geldes vorgeschlagen. Der 77-jährige Schunck klingt immer noch anerkennend. „Das habe ich noch nie bei einem Wissenschaftler erlebt.“ Doch das Bundesministerium gab auch dafür kein Geld. „Das ist auch eine Geschichte der verpassten Gelegenheit.“

„Wir sind hier, um Physik zu feiern.“    

Dennoch erfüllt die Anlage in Ruthe ihre Aufgabe. Auch Danzmanns Vorgänger Herbert Welling betont die Schlüsselrolle der Technologie made in Hannover. Allein auf Danzmann seien fünf wichtige Neuerungen zurückzuführen. Die US-Amerikaner hätten bei Nobelpreisen einen Vorteil, sagt Wolfgang Ertmer, Vorstand des Laserzentrums Hannover und Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. „Sie schlagen gemeinsam einen Kandidaten vor, während in Europa leider noch gewisse nationale Interessen durchscheinen.“

Das Video von der Konferenz

Der erste Nachweis von Schwerkraftwellen gelang am 14. September 2015, verkündet wurde er am 11. Februar 2016. Die Ligo-Detektoren, die die Signale aufzeichneten, stehen in den USA. Ohne das extrem empfindliche Lasermessverfahren, das Danzmann mit seinem Team in Hannover entwickelt hat, wäre der Erfolg aber wohl kaum gelungen. Und die beiden Ersten, die das entscheidende Signal erkannten, waren zwei junge Datenanalytiker in Hannover. Denn auch die Datenspezialisten des MPI spielen bei Ligo eine wichtige Rolle. Einstein behauptete in seinen Theorien die Existenz von Schwerkraftwellen, ihre Entdeckung war der letzte ausstehende Beweis seines Gedankengebäudes.

Oberbürgermeister Stefan Schostok und Regionspräsident Hauke Jagau gratulierten jetzt auch den MPI-Forschern in Hannover und Potsdam. Und Danzmann lud zum Umtrunk. „Wir sind hier, um Physik zu feiern.“    

Was sind Gravitationswellen?

Gravitationswellen sind eine Vorhersage von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie. Ihre Entdeckung ein Jahrhundert nach Einsteins Prognose öffnet ein neues Beobachtungsfenster ins Universum und ist nach einhelliger Meinung von Experten einen Nobelpreis wert. Hier finden Sie eine ausführliche Erklärung.

Blaue LEDs, Götterteilchen und die Entdeckung der beschleunigten Ausdehnung des Universums: Diese Wissenschaftler haben mit ihren Beobachtungen und Entwicklungen die Physik der letzten Jahrzehnte geprägt – und dafür von 2010 bis 2016 den Nobelpreis erhalten. 

Eine der wichtigsten Entdeckungen

Der erdnächste Planet, künstliche Intelligenz, Gravitationswellen, Designer-Proteine und Neues zur Geschichte der Menschheit: Das Wissenschaftsmagazin „Science“ fasst die zehn bedeutendsten Durchbrüche 2016 zusammen.

dpa/ewo/bil

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