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Aus der Stadt Neue Markthalle? Das denken die HAZ-Leser
Hannover Aus der Stadt Neue Markthalle? Das denken die HAZ-Leser
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00:15 04.08.2017
Im "Bauch von Hannover": Für die Markthalle Hannover gibt es verschiedene Pläne.
Im "Bauch von Hannover": Für die Markthalle Hannover gibt es verschiedene Pläne. Quelle: Schaarschmidt
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Der Inhalt entscheidet

Zu dem Artikel „Neue Markthalle“ vom 20. Juli:

Natürlich wäre eine neue Markthalle schön. Ich denke aber, der Inhalt ist entscheidend. Sollten sich in der Markthalle nur noch Systemgastronomen ansiedeln, wäre das fatal. Die Stadt besteht in großen Teilen aus Systemgastronomie und Handelsketten, das muss sich in einer Markthalle nicht fortsetzen. Zudem wäre ein gutes Veranstaltungskonzept zu begrüßen. Wer erinnert sich nicht gern an die Jazz-Abende im CCL in den Siebzigern? Falls nichts von dem umgesetzt wird, kann es so langweilig und stillos bleiben, wie es ist.

Dirk Scharfe, Hannover

Vertraute Struktur

Wie deutlich die wunderschöne Mailänder Galleria Vittorio Emanuele sich von dem Investorenvorschlag abhebt! Man spürt die Handschrift des begabten Architekten und die Zeit um das Ende des 19. Jahrhunderts! Das lässt sich nicht nach Hannover verpflanzen und nicht in unsere Zeit! Können wir nicht stolz darauf sein, dass es einen Denkmalschutz gibt und dass die klare Fassade, die mit dem wiederhergestellten Landtag korrespondiert, unserer Stadt eine vertraute Struktur gibt? Im Sommer beleben die Sitzgelegenheiten vor der Halle das Bild, durch die großen Scheiben erkennt man das lebendige Treiben im Inneren der Markthalle.

Ingrid Wittkopf-Büchner, Hemmingen

An den neuen Entwürfen für die Markthalle scheiden sich die Geister. Das sagen die Hannoveraner.

Modernisieren, nicht neu bauen

Als Professor der Innenarchitektur der Hochschule Hannover habe ich im Wintersemester 2016/2017 die Bachelorarbeit der Studierenden Laura Kettler und Jannis Block betreut, die sich mit der Modernisierung der Markthalle auseinandersetzt. In ihrem Entwurf stellen die Studierenden den großen Handlungsbedarf einer Erneuerung dar. Sie zeigen, welche spannenden Möglichkeiten sich für eine innere Neugestaltung der bestehenden Markthalle bieten und wie dringend besonders die Rückseite zum Köbelinger Markt erneuert werden müsste.

Wer also investieren will, kann durchaus sein Geld für eine „neue“ Markthalle anlegen - dann aber bitte nur sinnvoll in eine Modernisierung des Bestandes. Wir brauchen keinen pseudohistorisierenden überdimensionierten Neubau, der besser in den Modelleisenbahnkeller von Horst Seehofer passt als in eine europäische Stadt. Und erst recht nicht nach Hannover!

Prof. Kay Marlow, Architekt BDA Hannover

Es braucht eine echte Diskussion

Wie gut, dass wir in der HAZ aufgefordert wurden, zu diskutieren, wenn es um Sanierung oder Neubau der Markthalle gehen soll. Da es bislang nur diesen einen einzigen Entwurf gibt, stellt sich die Frage, wo weitere Entwürfe sind, um in eine wirkliche Diskussion zu kommen. Wie sollen wir Hannoveraner uns etwas vorstellen können, wenn uns nur als einziges Modell ein derartiges Ungetüm vorgestellt wird? Liegen die Pläne dafür etwa schon fertig in den Schubladen der Investoren?

Als die Markthalle nach dem Krieg aufgebaut werden sollte, gab es eine Ausschreibung für den Neubau, den der Architekt Erwin Töllner gewann. Nun ist das Bauwerk in die Jahre gekommen und dennoch eine beliebte Anlaufstelle für uns Hannoveraner. Zur Bauzeit der Halle gehört der Stil der Fünfzigerjahre mit Nierentischen, Cocktailsesseln und Tütenlampen, der dezente Charme ist noch immer in der Halle zu spüren. Wie wäre es mit einer Auffrischung dieser sogenannten Elemente und einer Umgestaltung der Halle in unterschiedliche Ebenen?

Dieser Aufgabe haben sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit zwei junge Architektur-Studenten aus Hannover gestellt und ein sehr überzeugendes Konzept entwickelt. Möglicherweise liegen noch weit mehr Vorschläge zur Veränderung der Markthalle in irgendwelchen Schubladen? Wenn diese ebenfalls veröffentlicht werden würden, dann könnte unter Hannoveranern eine echte Diskussion zum Thema Markthallen-Umbau entstehen!

Ingrid Töllner, Hannover; Peter Töllner, Isernhagen

Bilder der Markthalle in Hannover - früher und heute.

Kindlich-naiver Kommerz-Stil

Von der ganzseitigen Berichterstattung über ein abstruses Investoren-Projekt einer neuen „Markthalle“ (zutreffender ist „Shopping-Mall“) - als Ersatz der denkmalgeschützten Markthalle unter Einverleibung des zur Stadtentwicklung anstehenden Köbelinger Marktes - bin ich ziemlich entsetzt. Hier wird privaten Interessen ein völlig unangemessener Raum gegeben, dazu noch unkritisch und unkommentiert. Die Darstellungen zeigen einen verschrobenen, kindlich-naiven Kommerz-Event-History-Stil, der stadträumlich und städtebaulich völlig daneben ist, sodass er eigentlich keiner Zeile wert wäre.

Gerrit Schäfer, Gehrden

Im Maßstab vergriffen

Die von der HAZ veröffentlichte Planung für eine neue Markthalle ist grauenvoll. Der mit banalen Mitteln historisierende Entwurf ist in Fläche und Höhe vollkommen überzogen, der Verfasser hat sich in der Architektur- sprache und im städtebaulichen Maßstab total vergriffen. Ich halte die vorhandene Markthalle in ihrer Dimension für völlig ausreichend, zumal sie nur noch zu einem kleinen Teil als Markthalle fungiert. Sie ist mittlerweile zum klimatisierten Bauch von Hannover mutiert. Und gastronomische Angebote gibt es in Hannover reichlich. Auch als Bauwerk hat der vorhandene Bau seine Daseinsberechtigung. Zeugt er doch in seiner im positiven Sinne funktionalen Architektur der Fünfziger vom Wiederaufbau Hannovers. Sollte trotzdem Handlungsbedarf bestehen, so kommt nur ein offener Architektenwettbewerb infrage, um eine angemessene Lösung zu finden.

Thomas Hadamczik, Hannover

Diskussion ohne Tabus

Zum Kommentar „Hannover muss auch mal Neues wagen“ vom 22. Juli:

Der Kommentator hat ja so recht, aber er unterschlägt einen wichtigen Punkt: Der Verein „Stadtbaukultur“ hat sich eben beim Baudezernenten unbeliebt gemacht mit „historisierenden“ Vorschlägen. Der Dezernent bestimmt gern selbst im kleinen Kreise die städtebauliche Entwicklung. Aber da Hannover ja Teil der demokratischen Gesellschaft ist, ist die Forderung völlig richtig: Es muss diskutiert werden - ohne Tabus. Und zu diesen Tabus gehört der Denkmalschutz, der sich zu einer „Rühr-mich-nicht-an“-Käseglocke entwickelt.

Mal ehrlich: Hat die derzeitige Markthalle diesen Schutz verdient? Für den Denkmalschutz von Nachkriegsobjekten gibt’s noch die städtische Bauverwaltung! Aber Stadtentwicklung ist zur Zeit sehr dynamisch, und so sollten die Investoren ihre Versuche nicht aufgeben. Zur Not muss man die Bodemannsche Amtszeit eben abwarten!

Andreas Domberg, Hannover

Komisch, nicht zweckmäßig

Die Diskussion um eine neue Markthalle erscheint mir amüsant, weil sogenannte Fachleute mal so und mal so reden, je nachdem, welcher Fraktion sie angehören. Der Entwurf eines Neubaus, wie er jetzt vorgelegt wurde, wirkt eher komisch als zweckmäßig. Er ist nur der mangelhafte Versuch, etwas völlig anderes zu sein als das bisherige Bauwerk. Zinnen und Türmchen machen noch keinen glaubhaften und akzeptablen Baustil aus. Und die Vermischung von Marktgeschehen und Wohnen erscheint für Hannover wenig sinnvoll und glaubhaft.

Eine Frage an hannoversche Stadtväter und Architekten: Gibt es unter Hannoveranern niemanden, der einen akzeptablen Vorschlag machen kann für die Neugestaltung des Gebietes um die alte Markthalle?

Kl.-Hinrich Heeren, Hannover