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Aus der Stadt Neue Polizeianalysen beunruhigen Datenschützer
Hannover Aus der Stadt Neue Polizeianalysen beunruhigen Datenschützer
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00:24 07.05.2015
Von Tobias Morchner
Symbolbild Quelle: dpa/Symbolfoto
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Hannover

Die Nachricht von den Versuchen des Landeskriminalamts und der Zentralen Polizeidirektion, in Hannover Straftaten mit einem Computerprogramm vorherzusagen, hat sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. So forderte Landesdatenschutzbeauftragte Barbara Thiel die Behörden auf, ihr die Ergebnisse der Softwareerprobung so schnell wie möglich vorzustellen. Sie befürchtet eine Stigmatisierung bestimmter Wohngebiete und deren Einwohner durch die neue Technologie. Die Landesdatenschutzbeauftragte war bislang nicht in die Tests mit der neuen Technologie einbezogen worden.

Hannover in 5166 Feldern

Für die neue SoftwareSPSS Modeler“, die von IBM entwickelt wurde, haben die Behörden das Stadtgebiet von Hannover in 5166 Felder unterteilt. Jedes Feld hatte eine Größe von 150 mal 150 Metern. Die Ermittler füttern das Computerprogramm mit vielfältigen Daten – beispielsweise mit der Zahl der Einbrüche in den vergangenen Jahren in dem jeweiligen Planquadrat, mit Informationen über die Vorgehensweise der Täter, die Tatzeit und die Beute, aber auch mit Daten zur Bevölkerungsstruktur. Aus diesen Daten errechnet das Programm anschließend die Wahrscheinlichkeit, mit der in einem bestimmten Gebiet bald wieder ein Einbruch geschehen wird.

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Die Software basiert auf der Annahme, dass Verbrecher stets nach ähnlichem Muster vorgehen. Tatsächlich beobachtet die Polizei, dass Straftäter regelmäßig in die gleiche Gegend zurückkehren. Demzufolge ließe sich Kriminalität mit einem Algorithmus berechnen. Die Polizei würde dann in den Gebieten verstärkt Streife fahren, für die der Computer eine hohe Wahrscheinlichkeit für Straftaten berechnet hat.

So transparent wie möglich

Auch Niedersachsens Gewerkschaft der Polizei forderte eine umgehende Einbeziehung der Landesdatenschutzbeauftragten. „Gerade aufgrund derzeitiger Vorkommnisse um die Geheimdienste ist es notwendig, das Pilotprojekt auch gegenüber der Bevölkerung so transparent wie möglich darzustellen“, sagt Landeschef Dietmar Schilff.

Die CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag dagegen begrüßt das neue Projekt grundsätzlich. „Es darf aber nicht zu zusätzlichen Belastungen bei den Beamten führen“, sagt der Abgeordnete Thomas Adasch. Er fordert das Innenministerium auf, den zuständigen Innenausschuss so schnell wie möglich über die Ergebnisse zu informieren. Zudem müsse auch in der Bevölkerung Aufklärungsarbeit zu den neuen Möglichkeiten der Verbrechensbekämpfung geleistet werden.

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