Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Die Lochfrage bleibt offen
Hannover Aus der Stadt Die Lochfrage bleibt offen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:10 09.02.2015
Von Bernd Haase
Die neuen Haltestellenentwürfe sorgen bei den HAZ-Lesern für Diskussion. Quelle: Infra
Anzeige
Hannover

„Wir warnen vor Schnellschüssen, wollen aber die Möglichkeit vorsehen, dass die Dächer nachträglich verschlossen werden können“, sagt Stefan Harcke, Geschäftsführer der beim Bau federführenden Infrastrukturgesellschaft (Infra).

Die Haltestellenentwürfe sind Ergebnis eines von der Infra ausgelobten Architektenwettbewerbs und wurden bereits im vergangenen Sommer vorgestellt. Zur Begründung für die Löcher hieß es, die Dächer seien in den offenen Teilen gar nicht als Dächer geplant, sondern als Rahmenträger für spezielle Beleuchtungseffekte.

Anzeige
Seit Anfang April 1994 schmücken Hannover Bushaltestellen mit Kunstwert. Unter anderem die international renommierten Designer Gehry, Sottsass und Morrison setzten ihre Ideen für die Stadt um. Ein Überblick:

In der Jury waren seinerzeit auch Stadt und Üstra vertreten. Hochgekocht ist die Debatte um die Löcher aber erst in einer Sitzung des Bauausschusses des hannoverschen Rates, in der Michael Dette (Grüne) die auf zwei Dritteln ihrer Gesamtlänge offenen Dächer kritisiert hatte, weil sie keinen ausreichenden Witterungsschutz böten. Vonseiten der Stadtverwaltung hieß es gestern, man habe schon in der Jury angeregt, die Dächer auf Gesamtlänge zu schließen.

„Wir haben dem Architekten einen entsprechenden Prüfauftrag erteilt“, erklärt Harcke. Dessen Ergebnis sei von einem Vertreter des Büros Bünemann und Collegen Mitte Januar bei einer Sitzung des mit dem Stadtbahnbau befassten Arbeitskreises erläutert worden. Demnach ist es technisch möglich, auf die Löcher zu verzichten. Dadurch würden aber die gewünschten Lichteffekte zumindest beeinträchtigt. „Wir wollen nun den Entwurf in seiner ursprünglichen Form umsetzen, aber so, dass die Haltestellen ohne größere Probleme nachgerüstet werden können“, sagt Harcke. Das Architektenbüro werde ein Modell im Maßstab 1:100 anfertigen. Bestünden entsprechende Wünsche, werde man die Pläne und Modell in den Gremien des Rates vorstellen. Die Dächer kosten pro Stück etwa 500 000 Euro.

Üstra-Vorstand Wilhelm Lindenberg sagte am Freitag, er würde es „begrüßen, wenn nach einer Lösung für mehr Witterungsschutz gesucht werde. Geht es nach den vielen HAZ-Lesern, die sich auf einen entsprechenden Aufruf in der Zeitung hin zu diesem Thema geäußert haben, werden die Dächer über den Haltestellen geschlossen. Die große Mehrheit plädiert für Schutz vor Regen und Schnee. Weil sehr viele Zuschriften eingegangen sind, können wir an dieser Stelle nur eine Auswahl veröffentlichen. Wir bitten dafür um Verständnis.

Das meinen die HAZ-Leser

Kunst auf dem beregneten Rücken der Bürger

Wenn eine Bahnsteigüberdachung ihren ursprünglichen Zweck, nämlich ein Dach zu sein, nicht erfüllt, hat sie diesen, ihren Zweck, verfehlt. Ich bin sehr für Kunst im öffentlichen Raum, aber ästhetische Ambitionen im wahrsten Sinne des Wortes auf den beregneten Rücken der Bürger austragen zu wollen ist kein Dienst an diesen Bürgern, sondern eine Zumutung. So etwas kann sich nur ausdenken, wer nicht täglich auf die Nutzung des städtischen Stadtbahnnetzes angewiesen ist, sondern in Nobelkarossen, sei es mit oder ohne Chauffeur, trockenen Fußes (und Kopfes) alle Orte in der Stadt erreicht.

 Katrin Bosse (Hannover)

Hannover ins Guinessbuch: Kunstvollste Haltestellen mit dem geringsten Regenschutz

Der Artikel „Schöner Warten“ hat mich erst amüsiert, da ich an die Geschichten der Schildbürger denken musste. Eine „Lichtrahmenkonstruktion“ als Wetterschutz für Wartende. Bei normalem, schönem Wetter bestimmt kein Problem. Aber was ist bei Schnee, Glatteis und Regen?
Wer einmal zehn Minuten im Dauerregen auf die Bahn gewartet hat, der wird das anders sehen. Wo sollen die Mütter mit Kinderwagen, die Rollstuhlfahrer und die älteren Mitbürger sich schützend unterstellen, zumal die Hochbahnsteige ja gerade für diese Personengruppen gedacht sind?
Weiterhin werden dazu noch Haltestellen zusammengelegt, sodass die Anzahl der Wartenden sich pro Haltestelle wahrscheinlich bald verdoppeln wird. Nach meiner Meinung hat man den Architekten eine falsche Zielvorgabe gemacht. Kunst, Ästhetik, Ergonomie sowie praktische und technische Anforderungen lassen sich bestimmt anders realisieren.
An die HAZ kann ich nur meine Bitte richten, alles zu versuchen, dass nicht nur der neue Bahnsteig Münzstraße, sondern auch alle anderen Haltestellen auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft werden. Mit geringem Aufwand könnte man bestimmt alle nicht überdachten Schrägen an den Hochbahnsteigen überdachen. Das geht auch mit künstlerisch gestaltetem Glas oder Kunststoff.
Hier noch eine Anmerkung, die ich mal aus Sicht des Bekanntheitsgrades der Stadt Hannover angestellt habe: Vielleicht gelingt es ja, Hannover auf diese Weise ins „Guinessbuch der Rekorde“ zu bekommen – als Stadt mit den kunstvollsten Haltestellen, die am wenigsten für den Schutz der Wartenden sorgen. Aber auf alle Fälle wird es noch für eine Fortsetzung des Lalebuches von 1597 reichen.

Walter Reime (Hannover )

„Ich will ein Dach über meinem Kopf“

Sehr geehrte Damen und Herren, die wahrscheinlich nie im Leben mit der Nummer 10 fahren müssen. Ich fahre jeden Tag mit der Nummer 10, und ich will ein Dach über meinem Kopf. Es ist bereits jetzt schwierig, am Steintor aus dem Regen zu kommen, während man auf die Bahn wartet. Machen Sie das bitte nicht noch mal!
Das Teil in der Zeitung sieht übrigens nicht im geringsten schön oder ästhetisch aus. Es sieht äußerst unpraktisch aus, die Oberfläche so, dass der Schnee sich ganz brav über den Leuten ansammelt. Gott, wie ich wünsche, ihr würdet alles so lassen, wie es ist. Ich sehe keine Verkehrsprobleme auf der Kurt-Schumacher-Straße oder vor dem Hauptbahnhof. Alles ist bestens, wie es jetzt ist.

 Robyn K. Moore-Memis (Hannover)

Lasst das einen Baumeister machen

Dem Steuer-Ticket-Zahler einen so funktionslosen Unterstand anzubieten, ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Lasst das einen Baumeister machen und nicht einen Architekten oder Künstler.

 Dirck Töllner (Hannover)

Sozialökonomiekritisches Mahnmal?

Architektur hat den Anspruch der Funktionalität: In einem Haus soll man wohnen, in einem Büro arbeiten, unter dem Dach einer Haltestelle Schutz vor Regen finden können. Im Design gilt der Grundsatz „Form folgt Funktion“. Architektur und Design, die vergessen, dass sie vor allem der Funktion verpflichtet sind, sind am Ende weder gutes Design noch Baukunst.
Doch selbst wenn ein Architekt vergisst, welchem Zweck eine Haltestelle dient, so darf der Üstra AG das noch lange nicht passieren. Die Üstra ist zuerst und vor allem Dienstleister, und somit den Ansprüchen der Kunden, sprich Fahrgäste, verpflichtet. Oder soll die geplante Steintor-Haltestelle als „sozial-ökonomiekritisches Mahnmal“ Licht darauf werfen, dass die Gefahr von Monopolisten darin besteht, ihre Kunden im Regen stehen zu lassen? Das Haltestellen-Konzept ist dringend zu überdenken.
Hannover

Walter Hirche, Verkehrsminister a. D., FDP (Hannover)

Man hätte auch Nanas als Wetterschutz nehmen können

Unsere Volksvertreter erfreuen sich, wie von Ihnen berichtet, eher über die gelungene Ästhetik der Dachkonstruktion der Haltestellen. Anscheinend macht sich nur Herr Michael Dette plötzlich Gedanken über die „tropfnassen Bürger“, die im strömenden Regen dicht gedrängt auf einem vier Meter breiten „Lemming-Felsen“ auf die Pünktlichkeit ihrer Bahn hoffen. Eine späte Einsicht –  sind doch die Pläne für diese Skulpturen seit Juli bekannt. Man hätte auch gleich die Nanas als Wetterschutz verwenden können. Allerdings gehört Herr Dette auch zu jener grünen Fraktion, die laut Meike Schümer vom 18. Juni 2012 darauf besonders stolz ist, die verkehrssichere und absolut wetterfeste D-Tunnel-Lösung bisher verhindert zu haben! Wenige Meter unter den geplanten Designer-Dächern schlummern seit 40 Jahren mit Millionen von Steuergeldern finanzierte „Geisterstationen“ im Rohbau.  Was für eine sinnlose Verschwendung von den Bürgern erarbeiteter Steuergelder. Die sogenannte Scheelhaase-Lösung wäre bis zum Ausbau des D-Tunnels für Fahrgäste aus dem Westen der Stadt wesentlich komfortabler als die verkehrstechnisch riskante, von falscher Ästhetik getragene Planung von 10/17.

Frank Zillus (Hannover)

Lichtrahmenkonstruktion“ im strömenden Regen

„Schöner Warten“ – wunderbare Überschrift. Als Kunde möchte ich im Trockenen stehen und im strömenden Regen keine „Lichtrahmenkonstruktion“ bewundern müssen.

 Bill Bode (Hannover)

Ein Dach mit Loch ist so nützlich wie ein Kropf

Wenn kein Geld vorhanden ist für die Überdachung einer Haltestelle, ist das bedauerlich. Aber ein Dach mit Loch braucht man so dringend wie einen Kropf! Daher fordere ich ein vernünftiges Dach. Und was soll die Lichtinstallation? Das ist doch Lichtverschmutzung. So ein Unsinn.

Ronald Fischer (Wedemark )

Optisch ansprechend, aber total unpraktisch

Die Konstruktion mag ja optisch sehr ansprechend sein, sie ist aber total unpraktisch. Die Fahrgäste möchten vermutlich bei Regen, Schnee und Kälte lieber unter einem geschlossenen Dach stehen.

Gudrun Rohde (Hannover )

Offene Stellen mit Glas verkleiden

Warum nicht beides? Der Entwurf sieht doch sehr schick und modern aus. Warum kann man keine Glasflächen in den beiden noch offenen Bereichen anbringen? So wäre der Anspruch der Planer gewahrt und die tägliche Funktionalität auch.

 Christian Zimmermann (Hannover)

Die Planer nutzen die Haltestelle wohl nicht

Die Planer der Bahnsteige Steintor und Raschplatz nutzen diese vermutlich nicht selbst. Sonst wüssten sie, wie unangenehm Warten im Regen sein kann. Selbst die gläsernen Wartehäuschen bieten wenig Schutz bei Regen, Wind und gelegentlichem Schneefall.

Ingrid Hecht (Hannover )

Gelungener Bahnsteig –leicht und hell

Ich finde den neuen Bahnsteig gelungen. Er wirkt leicht und hell. Als Regenschutz kann er natürlich so nicht dienen. Ich würde in die Ausschnitte Glas einsetzen. Der Regen reinigt regelmäßig die obere Fläche, sodass wenig Erhaltungsmaßnahmen nötig sind. Nur Mut!

Alexandra Becker (Hannover )

Saskia Döhner 09.02.2015
Aus der Stadt Prunksitzung, Nordderby und Parteitag - Das ist heute in Hannover wichtig
07.02.2015
Saskia Döhner 09.02.2015