Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Verschimmelte Ware? Neue Vorwürfe gegen Primark
Hannover Aus der Stadt Verschimmelte Ware? Neue Vorwürfe gegen Primark
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:19 25.01.2015
Von Felix Harbart
Schwere Vorwürfe: Textildiscounter Primark soll in Hannover mehrfach verschimmelte Ware zum Verkauf angeboten haben. Quelle: Archiv
Anzeige
Hannover

Ein ehemaliger Mitarbeiter, der als Supervisor bei Primark beschäftigt war, berichtet davon, dass sein Vorgesetzter ihn trotz seiner Zweifel angewiesen habe, die Ware zum Verkauf freizugeben. „Raus auf die Fläche“, habe er gesagt. In einer Stellungnahme spricht Primark von „bedauerlichen Einzelfällen“.

Zuvor hatten Mitarbeiter des Modehauses auch gegenüber der HAZ über schlechte Arbeitsbedingungen geklagt. Sie berichteten von Hautausschlägen, die sie infolge des täglichen Umgangs mit der Kleidung bekommen hätten. Manche Kleidungsstücke hätten „gestunken“. Damit konfrontiert habe der Arbeitgeber ihnen Handschuhe angeboten.

Anzeige

Nach Kritik an der hohen Zahl von Überwachungskameras in der Filiale in Hannover setzt sich das Unternehmen derzeit mit Betriebsrat, Gewerkschaft Verdi und Datenschützern über eine Reduzierung der Überwachung auseinander. Im vergangenen Sommer war bekannt geworden, dass in der Filiale insgesamt 130 Kameras installiert waren – sowohl im Verkaufsraum als auch im Mitarbeiterbereich.

Bezahlung okay, Arbeitsbedingungen nicht

Immerhin mit der Bezahlung sind viele der Primark-Mitarbeiter zufrieden. Laut Verdi zahlt die Kette ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von 9,48 Euro pro Stunde als Verkaufskraft. Allerdings kritisiert Verdi, dass Primark nicht nach Tarif bezahlt. Das wirkt sich auf Urlaubs- und Zuschlagsregelungen sowie auf Lohnsteigerungen aus.

Zuletzt war Primark in die Schlagzeilen geraten, weil das Unternehmen 132 seiner 500 Mitarbeiter in Hannover entließ. Primark teilte daraufhin mit, man habe „angepasst an den Bedarf eine Anzahl von Mitarbeitern gezielt für das Weihnachtsgeschäft eingestellt“. 70 Mitarbeiter hätten befristete Verträge gehabt, die in diesem Zeitraum ausgelaufen seien. Auf der anderen Seite habe Primark die Verträge von insgesamt 29 Mitarbeitern entfristet.

Primark ist eine Tochterfirma des Nahrungsmittelkonzerns Associated British Foods (ABF) mit Sitz im irischen Dublin. Ihr Umsatz soll mehr als 3 Milliarden Euro betragen. Seit einiger Zeit bemüht sich Primark um Imageverbesserung. Während das Unternehmen in einigen Filialen die Mitarbeiterkantinen verschönert, teilte es jetzt mit, man werde ab kommenden August in Hannover vier Ausbildungsplätze im Bereich Einzelhandel anbieten. Man wolle jungen Talenten mit einer fundierten Ausbildung und einer entsprechenden Weiterbildung die Möglichkeit geben, auf nationaler oder auch internationaler Ebene Karriere zu machen, heißt es vom Unternehmen.

Mehr zum Thema
Aus der Stadt Textil-Discounter in der Kritik - Wie krank macht Primark wirklich?

Kopfschmerzen, Ausschlag, Kameras: Primark ist in die Kritik geraten. Jetzt berichten Angestellte aus der Filiale in Hannover, wie es ist bei einem Textil-Discounter zu arbeiten, der wegen niedriger Preise bei Zehntausenden so beliebt ist – und gleichzeitig bei Gewerkschaften im Fokus steht.

Gunnar Menkens 19.01.2015

Weil die Modekette Primark befristete Verträge von Mitarbeitern nicht verlängert hat, haben sich die Arbeitsbedingungen nach Angaben von Verdi weiter verschlechtert. Schon mit 500 Mitarbeitern in der Filiale sei die Arbeit für die einzelnen Beschäftigten ein Knochenjob gewesen, berichtet Julia Fuchs von der Gewerkschaft.

Mathias Klein 12.01.2015

Die Modekette Primark soll 132 der gut 500 Beschäftigten ihrer Filiale in Hannover entlassen haben. Die meisten Betroffenen sind Minijobber, die die 450 Euro im Monat zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts brauchen. Aber auch Vollzeit- und Teilzeitkräfte sollen entlassen worden seien. 

Saskia Döhner 14.01.2015
26.01.2015
Mathias Klein 28.01.2015