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Aus der Stadt Neuer Ärger um Netrada-Ansiedlung
Hannover Aus der Stadt Neuer Ärger um Netrada-Ansiedlung
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06:15 10.09.2012
Von Andreas Schinkel
Foto: Um die Kosten für die Leitungsarbeiten für die Netrada-Ansiedlung am Messgelände gibt es Streit.
Um die Kosten für die Leitungsarbeiten für die Netrada-Ansiedlung am Messgelände gibt es Streit. Quelle: Gabriel Poblete Young (Archiv)
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Hannover

Kommende Woche sollen Bezirksräte und Ratsgremien über den Ansiedlungsvertrag zwischen der Stadt Hannover und der Firma Netrada entscheiden. In dem vertraulichen Papier, das der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ vorliegt, finden sich jedoch Unwägbarkeiten. So könnte die Stadt auf einer Summe von 260.000 Euro sitzenbleiben, weil die Telekom nicht für das Verlegen ihrer Kabel aufkommen will. Die Stadt hatte Anfang des Jahres veranlasst, Kabel und Leitungen nahe der Cousteaustraße umzulegen, um das Grundstück auf dem Messegelände für die Ansiedlung herzurichten. Mit der Telekom könne es jetzt „möglicherweise eine rechtliche Auseinandersetzung geben“, heißt es in dem Papier der Stadtverwaltung.

Ursprünglich hatte die Stadt das mehr als 100.000 Quadratmeter große Grundstück für den Internet-Versandhandelsriesen Amazon vorbereitet. Doch der US-amerikanische Konzern hielt sich viele Monate bedeckt, bekannte sich nicht zum Standort Hannover und wollte nicht einmal als Interessent in der Öffentlichkeit erscheinen. So zog sich die Stadt zurück und gab der Firma Netrada den Zuschlag. Netrada organisiert den Internethandel für renommierte Bekleidungsfirmen, etwa Lacoste und Hugo Boss. In mehreren Bauabschnitten will das Unternehmen eine Lagerhalle und später eine Verwaltungszentrale auf dem Grundstück errichten. Bis zu 1800 Arbeitsplätze könnten dadurch geschaffen werden.

Im Streit um das Verlegen der Kabel schaltet die Telekom bisher auf stur. Die Kostenübernahme sehe man eindeutig beim Verursacher, also bei der Stadt, sagt Telekom-Sprecherin Stefanie Halle. Klage habe man aber noch nicht eingereicht, und das sei auch nicht vorgesehen. Aus Rathauskreisen ist zu hören, dass sich aber durchaus Juristen auf beiden Seiten mit dem Thema beschäftigen.

Sollte es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen, ist man sich im Rathaus sicher, im Recht zu sein. Denn wenn Leitungen und Kabel aufgrund einer Baumaßnahme verlegt werden müssen, seien die Leitungsträger „folgepflichtig“. Das bedeutet, das sie die Kosten übernehmen müssen. Die Stadtwerke sind dieser Pflicht bereits nachgekommen und zahlen 1,6 Millionen Euro für das Umlegen ihrer Strom-, Gas- und Wasserleitungen. Gleiches gilt für die Stadtentwässerung und andere IT-Unternehmen, die dort Leitungen verlegt haben.

Wie aus dem vertraulichen Papier ebenfalls hervorgeht, hat sich Netrada ein Rücktrittsrecht auserbeten für den Fall, dass im Erdreich des Grundstücks Altlasten lagern, die aufwendig entsorgt werden müssen. Sollten dadurch die Gesamtbaukosten um zehn Prozent steigen, hätte Netrada die Möglichkeit, vom Kaufvertrag zurückzutreten. Im Rathaus geht man aber fest davon aus, dass der Boden keine Überraschungen bereithält. Die Bürgerinitiative Pro Kronsberg, die sich gegen die Ansiedlung stemmt, argwöhnt, dass in der nahe am Baugrund gelegenen ehemaligen Mülldeponie noch etliche Giftstoffe lagern. Die Initiative fordert daher eine genaue Bodenuntersuchung.

Heike Schmidt 06.09.2012
Andreas Schinkel 09.09.2012
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