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Aus der Stadt Neuer Laser-Scanner: Polizei untersucht Tatorte in 3D
Hannover Aus der Stadt Neuer Laser-Scanner: Polizei untersucht Tatorte in 3D
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00:18 29.11.2017
Kriminaltechniker Jan Hagemann steuert den Scanner über ein Tablet.  Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

  Der Kasten ist graublau, etwa 13 Kilogramm schwer und auf den ersten Blick etwas unscheinbar: Doch der Imager 5010X revolutioniert die Arbeit der Kriminaltechniker. Der 3-D-Scanner analysiert Unfall- und Tatorte millimetergenau – früher musste alles per Hand vermessen und in Skizzen eingezeichnet werden. „Die Arbeit, die ich vorher in einer Woche geschafft habe, erledige ich nun an einem Vormittag“, sagt Harald Rusch, Leiter der Auswertungsstelle bei der Zentralen Polizeidirektion (ZPD) in Hannover. In der Region ist das Gerät eineinhalb Jahre lang getestet worden, nun endete die Probezeit.

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Test“, sagt Rusch. Das Gerät wurde von der ZPD beschafft, die Beamten analysieren alle gesammelten Daten. In der Praxis wechseln sich aber der Verkehrsunfalldienst (VUD) und der Kriminaldauerdienst (KDD) bei der Benutzung des Geräts ab. Die dortigen Kriminaltechniker nehmen den 3-D-Scanner mit zu den Einsatzorten, alle zwei Monate wird gewechselt – es sei denn, das Gerät wird in der Zwischenzeit dringend beim jeweils anderen benötigt. „In der Regel wird der Scanner auf jeden Fall bei Schussdelikten und komplizierten beziehungsweise unübersichtlichen Unfällen eingesetzt“, sagt Nina Graupner, Kriminaltechnikerin vom KDD.

Zollstock und Kreide sind Vergangenheit: Die Polizei Hannover nutzt an Tatorten und bei komplizierten Unfällen einen 3-D-Scanner, um alles zu erfassen. Am Computer wird das Panorama dann analysiert.

Der 3-D-Scanner wurde im Januar 2016 angeschafft. Unter anderem half der graue Kasten den Ermittlern im Arnumer Freibad, als im Juli vergangenen Jahres ein zweijähriges Mädchen in einen Schacht gefallen und ertrunken war. „Wir konnten sofort den Kanal scannen und kannten alle Maße“, sagt ZPD-Analytikerin Julia Menzel. Der große Vorteil des Geräts: „Wir stellen es in der Mitte des Tatorts auf und es friert den Moment ein“, sagt Kriminaltechnikerin Graupner. Die manchmal minimalen Spuren an Tatorten würden nicht unnötig durch Beamte zerstört, die sonst hindurchlaufen und Abstände vermessen müssten. Gleichzeitig sei das neue System deutlich unanfälliger für Messfehler. „Die Zeiten, in denen wir mit dem Zollstock umhergingen, sind vorbei“, sagt Graupners Kollege Jan Hagemann

57 Unfälle und 22 Tatorte gescannt

Auch Wochen oder Monate später können so die Daten vom Tat- oder Unfalltag per Mausklick wieder aufgerufen werden. „Früher mussten wir womöglich erneut hinfahren und nachmessen, wenn beispielsweise ein Abstand fehlte“, sagt Rusch. Bisweilen sei es vorgekommen, dass Situation dann bereits ganz anders aussah als zur Tatzeit. Seit dem Teststart im Januar 2016 kam der Laserscanner bei insgesamt 57 Verkehrsunfällen und an 22 Tatorten in der Region Hannover zum Einsatz.

Die Experten bauten den Scanner unter anderem im März nach der tödlichen Schießerei am Bredero-Hochhaus und nach dem Absturz eines Ultraleichtflugzeugs in der Wedemark mit zwei Toten Anfang April auf. „Dank des 3-D-Scanners können wir unter anderem sagen, in welcher Höhe Stromleitungen hängen“, sagt Auswerterin Menzel, „das war früher nicht so einfach möglich.“ Mit einer Million Laserpunkten pro Sekunde kartografiert der Imager 5010X seine komplette Umgebung millimetergenau, sogar kleinste Glassplitter sind später erkennbar. Zugleich fertigt das Gerät ein 360-Grad-Foto seiner Umgebung, das dann über den Laserscan gelegt wird und für die Farbe sorgt.

Da die Laserstrahlen – wie das menschliche Auge auch – nur das sehen, was nicht verdeckt ist, muss der Scanner am Einsatzort an verschiedenen Stellen aufgebaut werden. Pro Aufnahme benötigt er siebeneinhalb Minuten. Selbst bei einem relativ übersichtlichen Unfall mit nur zwei Fahrzeugen können so sieben und mehr Scans nötig sein. „Vor Ort ist die Zeitersparnis nicht so groß, dafür aber später in der Analyse“, sagt Harald Rusch von der ZPD. Am Computer werden die Aufnahmen automatisch zu einem großen, virtuellen Panorama zusammengerechnet, in dem sich die Ermittler nahezu frei bewegen können. So lässt sich dann beispielsweise der Blickwinkel eines Zeugen genau nachstellen.

„Hohes technisches und zukunftsfähiges Niveau“

Für die Zukunft hoffen die Ermittler, die Daten des Scanners gleich für die Tätersuche nutzen zu können. Da das Gerät beispielsweise auch den Aufprallwinkel von Blutstropfen festhält, könnte das bald bei der Größenbestimmung von Tätern und Opfern helfen. Auch im Landesinnenministerium ist man vom Test-Scanner begeistert. Im Vergleich zum bisherigen Analyseverfahren gebe es einen „deutlichen Zeitgewinn in der Auswertung bei gleichzeitig immens gesteigerter Detailtiefe“, sagt Ministeriumssprecher Bastian Lückfeldt. Der 3-D-Scanner habe die Arbeit der Polizei „auf ein hohes technisches und zukunftsfähiges Niveau gestellt“. Das Ministerium prüft derzeit, ob weitere 3-D-Messsysteme gekauft werden.

Der 3-D-Scanner in Zahlen

Der 3-D-Scanner Z+F Imager 5010X misst mit mehr als einer Million Laserstrahlen pro Sekunde. Die Polizei fertigt alle zehn Meter eine neue Aufnahme, damit die Details erhalten bleiben. Theoretisch kann der Scanner auf eine Entfernung von bis zu 187 Meter messen.

Das farbige 360-Grad-Foto ist bloß ein Nebenprodukt des 3-D-Scanners. Es dient hauptsächlich dazu, die Messdaten bunt und visuell für den Menschen aufzubereiten. Der Scanner kostet etwa 65 000 Euro.

Der Vorgänger ist das Phidias-System – kurz für Photogrammetrisches Interaktives Digitales Auswerte-System. Seit 1999 werden Fotoaufnahmen und per Maßband erzielte Messwerte von den Auswertern mit spezieller Software analysiert. Bei unkomplizierten Unfällen kommt Phidias noch immer zum Einsatz.

 

Von Peer Hellerling

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