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Aus der Stadt Polizeifunk: Kein Empfang in hohen Häusern
Hannover Aus der Stadt Polizeifunk: Kein Empfang in hohen Häusern
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06:54 06.03.2014
Von Tobias Morchner
Foto: Viele Fehler im System: Das neue digitale Funknetz der Polizei.
Viele Fehler im System: Das neue digitale Funknetz der Polizei. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Die Behörde ist landesweit für die Einführung des digitalen Polizeifunks zuständig. Insbesondere in hohen Gebäuden, etwa Krankenhäusern, sowie Tiefgaragen oder in den Tunnelsystemen der Üstra sei derzeit der Austausch von Nachrichten über die neuen digitalen Empfangsgeräte nur eingeschränkt möglich, so die ZPD-Sprecherin weiter. Derzeit wird geprüft, an welchen Stellen das Netz nachgerüstet werden muss, um den flächendeckenden digitalen Funkverkehr für die Polizei zu gewährleisten.

Experten hatten bereits vor der Einführung des neuen Funks vor den jetzt aufgetretenen Schwierigkeiten gewarnt. „Es kann derzeit passieren, dass sich der Beamte drei Schritte weit in ein Gebäude hinein begibt und der Funkkontakt mit seinen Kollegen schlagartig abreißt“, sagt Ulrich Skubsch, der als Sachverständiger für Video- und Funktechnik tätig ist. In so einem Fall müsse sich der Beamte wieder neu im System anmelden. Dieser Vorgang könne unter Umständen mehrere Minuten in Anspruch nehmen - ein Zeitverlust, der bei einem laufenden Einsatz nicht akzeptabel ist.

Systemfehler könnten bis zu 18 Monate dauern

Auch bei den Beamten der Polizeidirektion stößt die neue Kommunikationsmöglichkeit derzeit auf wenig Gegenliebe. Beamte, die namentlich nicht genannt werden wollen, berichten davon, dass sie beim Betreten eines Gebäudes stets ein Fenster öffnen, um besseren Funkempfang zu haben. Wieder andere lassen im Ernstfall ihre Digitalgeräte im Streifenwagen und greifen lieber zu den alten, analogen Funkempfängern. „Uns sind die Sorgen und Nöte der Kollegen durchaus bekannt“, sagt ZPD-Sprecherin Hoffmann.

Um Abhilfe zu schaffen, lässt die Behörde derzeit prüfen, an welchen Stellen der Stadt zusätzliche Basisstationen errichtet werden müssen, um künftig die Lücken im digitalen Funknetz schließen zu können. Derzeit gibt es im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Hannover 30 solcher digitaler Funkstationen. Die Analyse und die Behebung des Problems wird nach Angaben der ZPD bis zu 18 Monate dauern. Zumindest solange müssen sich die Polizisten im Einsatz weiter mit den Widrigkeiten des neuen Systems abfinden.

Auch Firmen und Privatleute müssen nach der Niedersächsischen Bauordnung dafür sorgen, dass der Funkverkehr der Polizisten reibungslos verlaufen kann. „Bei einer Unterversorgung in ihren Gebäuden müssen sie sogenannte Versorgungsanlagen errichten“, sagt Sabine Hoffmann. Dabei handelt es sich um Verstärker, die dafür sorgen, dass digitaler Funkverkehr auch in den unteren Stockwerken möglich ist. Die Kosten dafür tragen die Eigentümer der Gebäude. Die Üstra lässt derzeit ihr gesamtes Tunnelsystem mit derartigen Versorgungsanlagen für den Funk versehen. Im Sommer sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Rund eine Million Euro gibt das Unternehmen für die Aufrüstung aus. „Es ist für uns eine Investition in die Zukunft, denn ab 2017 wollen wir auch auf Digitalfunk umstellen und können dann die Anlagen dafür nutzen“, sagt Üstra-Sprecher Udo Iwannek.

Andreas Schinkel 05.03.2014
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