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Aus der Stadt Neun Jahre Haft für Tötung der Freundin
Hannover Aus der Stadt Neun Jahre Haft für Tötung der Freundin
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08:12 17.02.2012
Von Sonja Fröhlich
Ein 45-Jähriger muss wegen Totschlags neun Jahre in Haft.
Ein 45-Jähriger muss wegen Totschlags neun Jahre in Haft. Quelle: Symbolfoto
Hannover

Der Richter beginnt seine Urteilsbegründung mit einer persönlichen Einschätzung: „Sie war die große Liebe Ihres Lebens“, sagt Wolfgang Rosenbusch zu dem Angeklagten. Warum Jürgen H. seiner ehemaligen Freundin Cindy viele Male ein Messer in die Brust rammte, sei rational nicht zu erklären. „Es handelte sich um eine klassische Affekttat“, sagt Rosenbusch. Jürgen H. wurde am Donnerstag wegen Totschlags zu neun Jahren Gefängnis verurteilt.

Nach Auffassung des Gerichts war er bei der Tat im August 2011 in erheblichem Maße vermindert steuerungsfähig – also kaum Herr seiner selbst. Rosenbusch: „In der Beziehung hatte sich über einen längeren Zeitraum ein Konflikt aufgebaut. Mit der Erkenntnis, die Beziehung nicht retten zu können, hat sich dieser Konflikt explosionsartig entladen.“

Im Laufe des Prozesses hatte es etliche Hinweise auf eine Affekttat gegeben: das Missverhältnis zwischen tatauslösendem Geschehen und der Reaktion darauf, der abrupte Tatverlauf, die Erinnerungsstörungen des Täters. Drogen spielten nach Ansicht des Gerichts in direktem Zusammenhang mit der Tat keine Rolle. Die hatte der Täter erst später genommen. Angeklagt war der 45-Jährige zunächst wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen. Im Laufe des Prozesses rückte die Staatsanwaltschaft davon ab. Mit ihrem Strafmaß folgte die Kammer der Forderung des Anklagevertreters.

Richter Rosenbusch sprach von einem Paar, das große Pläne hatte. Allerdings stand den beiden ihre Drogensucht im Weg. Die Kinder, darunter Zwillinge, waren bei Pflegefamilien untergebracht. Die Eltern hofften, sie nach Abschluss einer Therapie zu sich holen zu können. Als der Richter auf den Heiratsantrag hinweist, den die junge Frau dem Angeklagten gemacht habe, laufen diesem Tränen übers Gesicht.

Es kam nicht zur Hochzeit, weil man nur noch miteinander stritt – bis sich Cindy irgendwann trennte. Die 33-Jährige lernte bei der Methadonausgabe schließlich einen anderen Mann kennen. Am Tattag, als Jürgen H. zu Besuch in Cindys Misburger Wohnung war, erklärte die junge Frau die Beziehung für endgültig beendet. Der Angeklagte, so führte Richter Rosenbusch aus, habe sich wie von einem Peitschenschlag getroffen gefühlt, daraufhin ein kleines und ein großes Messer aus der Küche geholt und damit auf die Frau eingestochen.

In einem Brief an seinen Bruder beschrieb der Angeklagte später seine Verzweiflung nach der Tat. Wie er die Tote in das Wohnzimmer brachte, damit sie nicht im Blut liegt. Wie er ihr Gesicht mit Küssen bedeckte. Später versuchte der 45-Jährige sich umzubringen. Richter Rosenbusch glaubt, dass er seine Tat zutiefst bereut. Die Mutter und der Bruder des Angeklagten sowie zahlreiche Bekannte aus Hannovers Drogenszene verfolgten den Prozess. Auch Freundinnen des Opfers hörten, wie der Angeklagte im Schlusswort seine Liebe zu Cindy erklärte. Ihre Wut schmälerte das nicht.

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