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Aus der Stadt Neustart im Neubau
Hannover Aus der Stadt Neustart im Neubau
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00:15 12.04.2015
Von Saskia Döhner
Links der Neubau, rechts die große, alte IGS. Quelle: Alexander Körner
Hannover

„Einmal Luftholen und Durchatmen“ – so definiert Michael Bax, Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Mühlenberg den Zwischenstand auf Hannovers größter Baustelle. Der erste Abschnitt des Neubaus ist jetzt abgeschlossen – nur ein halbes Jahr, nachdem Richtfest in den vier Schulhäusern und einer von zwei Sporthallen gefeiert worden war. Noch laufen Handwerker und Reinigungskräfte durch die bunten Gänge, noch graben Gärtner draußen auf den Höfen die Erde um, überprüfen Dekra-Fachleute und Architekten die Sicherheitsstandards, noch stehen überall Umzugskartons. Zu Spitzenzeiten haben auf der Baustelle bis zu 500 Personen gearbeitet. Jetzt sind es deutlich weniger, aber wuselig ist es immer noch.

Hannovers größte Baustelle, die IGS Mühlenberg, geht in eine neue Bauetappe. Nachdem der Neubau nun steht, wird das alte Schulgebäude abgerissen. Ein Blick in Alt- und Neubau.

Am nächsten Montag startet der Schulbetrieb im Neubau – zunächst mit einer Lehrerrallye für die knapp 200 Pädagogen. Die 1850 Kindern kommen erst am Mittwoch und sollen – in Abstimmung mit dem Kultusministerium und der Landesschulbehörde – die ersten beiden Tage nach den Osterferien zu Hause lernen.

„Die Lehrer müssen das Gebäude erstmal kennen lernen“, sagt Schulleiter Bax. „Sie wissen ja gar nicht, wo die Lichtschalter, Toiletten oder Umkleideräume sind“. Vieles ist neu in dem lichtdurchflutetem Gebäude, das im Stil eines Passivhauses errichtet worden ist. Es gibt jetzt schalldichte Übungskabinen für Musiker, elektrisch verstellbare Tore und Basketballkörbe in der Turnhalle und höhenverstellbare Tische und Stühle für die Fünft- und Sechstklässler. „In diesen Jahrgängen kann man schon mal bis zu 40 Zentimeter Größenunterschied zwischen den einzelnen Kindern haben“, sagt Bax. In den Räumen für die Naturwissenschaften sind Tische und Stühle mit Rollen versehen und die Elektroanschlüsse an den Wänden so montiert, dass Experimente flexibel in ganz unterschiedlichen Sitzordnungen möglich werden.

Altbau wird bald abgerissen

Der Chemielehrer kann seine Versuche an einer Glassäule vorführen, die mitten im Raum steht, sodass alle Schüler einen guten Blick darauf haben. „Außer an der IGS List gibt es so etwas in der Region nur noch am Gymnasium Mellendorf“, betont Bax sichtlich stolz. Ein paar Räume weiter sortiert Martin Pfaab, Leiter des Fachbereichs Naturwissenschaften gerade die Schulsammlung ein. „In den Ferien war ich jeden Tag hier“, berichtet er.

An den Zimmern stehen die Raumnummern jeweils auch in Braille-Blindenschrift zu lesen, auch an den Handläufen im Treppenhaus gibt es entsprechende Verweise. Die IGS Mühlenberg ist die größte Gesamtschule in Niedersachsen. Als das alte Gebäude vor 40 Jahren im Stil einer „Lernfabrik“ errichtet wurde, war mehr Unterricht für mehr Schüler das Ziel, unabhängig von deren sozialer Herkunft. Das alte Ziel bleibt, auch wenn der Altbau abgerissen wird. Acht Klassen pro Jahrgang hat die Mammutschule heute. Im Stadtteil ist sie nicht nur eine Schule, in dem Altbau waren auch ein Freizeitzentrum, eine Bücherei, ein theaterpädagogisches Zentrum, der Seniorenservice und die Familienberatung untergebracht. Während der Bauarbeiten mussten sie Ausweichquartiere beziehen. In den nächsten Monaten wird der Altbau, der nur sechs Meter neben dem Neubau steht, abgerissen, dann entsteht dort der nächste Bauabschnitt mit einer zweiten Sporthalle, einer Aula mit 700 Sitzplätzen und eine neue Mensa. Bis dahin essen Schüler und Lehrer in Containern.

Die Jalousien an den Fenstern fahren bei Sonneneinstrahlung automatisch herunter. Das Licht reagiert über Bewegungsmelder. Als Bax neulich in seinem Büro Kartons ausräumte, saß er plötzlich im Dunkeln. „Sie haben sich wohl nicht genügend bewegt“, flachst ein Mitarbeiter der Gesellschaft für Bauen und Wohnen (GBH) im Vorbeigehen. Die städtische Tochter hat den Neubau geplant und jetzt an die Stadt übergeben. Im Herbst 2016 soll alles fertig sein, verspricht GBH-Projektleiter Michael Vogelei. Bislang seien alle Terminvorgaben eingehalten worden, betont Architekt Ulrich Scheer. Schulleiter Bax hat seinen Bauhelm auch ins neue Büro mitgenommen.     

Mehr Bildung für alle

Die Idee lebt weiter: Als die Schule am Mühlenberger Markt vor gut 40 Jahren entstand, war sie revolutionär. Mehr Bildung für mehr Schüler, ganz egal aus welcher sozialen Schicht sie kommen, war das Ziel. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Zur Schulverpflegung zählt Rektor Michael Bax beispielsweise nicht nur das Mittagessen, das der Caterer Sodexo für rund 120 Schüler täglich anliefert, sondern auch das kostenlose Frühstück, das im Schülercafé an vier Vormittagen angeboten wird, die Müsli­bar, die Salate und belegten Brötchen, die es im Bistro gibt. Den Lehrern sei aufgefallen, dass viele Kinder hungrig in die Schule gekommen seien, sagt Bax.

In die IGS gehen Schüler aus mehr als 40 Nationen, in der neuen Eingangshallen sollen sie in ebenso vielen Sprachen willkommen geheißen werden. Es gibt Sprachlernklassen für Flüchtlingskinder, Förderprogramme für Schüler mit Rechtschreib- oder Mathematikschwächen, eine Sommerschule in den Ferien. In einer Immobilienanzeige würde er seine Schule so bewerben, sagt Bax: „Ein Grundstück in bester Lage mit Blick auf den Deister, inklusiv und schülerorientiert, ein prall gefülltes kreatives Haus.“ Er lobt vor allem die enge Abstimmung mit den Architekten. Die Planer hätten immer wieder auf die Ideen der Pädagogen gehört, auch wenn beide Seiten nicht immer dieselbe Sprache sprächen. Auch die Nachbarn hatte die GBH immer wieder zu Informationsveranstaltungen eingeladen. „Sieht viele schöner aus als der Altbau“, kommentiert eine Mitfünzigerin von einem Café aus den Neubau.

Ein ÖÖP-Projekt

Erst Verkauf, dann Vermietung: Die Sanierung der IGS Mühlenberg läuft nach dem Verfahren einer öffentlich-öffentlichen Partnerschaft (ÖPP). Die städtische Tochter Gesellschaft für Bauen und Wohnen (GBH), die in Hannover rund 13.500 Wohnungen unterhält, hat 2012 von der Stadt das Grundstück und das Schulgebäude für 6,9 Millionen Euro gekauft und rund 63 Millionen Euro in den Abriss des Alt- und die Errichtung des Neubaus investiert. Später schließt die Stadt mit der GBH einen Mietvertrag über 30 Jahre ab und zahlt dafür vermutlich ab 2016 eine Jahresmiete von 4,7 Millionen Euro plus Nebenkosten.

Bei dieser Kooperation sind beide Seiten öffentliche, nicht private Anbieter. Auch die Stadt Hamburg setzt bei Schulsanierungen zunehmend auf ÖÖP-Projekte. Das Gebäude oder Grundstück wird erst an die eine Seite verkauft, die investiert dann in den Neu- oder Umbau, der vom ursprünglichen Verkäufer dann wiederum gemietet oder gepachtet wird. Daneben gibt es auch Kooperationen mit einem privaten Investor (ÖPP-Projekte). Lange war überlegt worden, den 40 Jahre alten Betonklotz der IGS Mühlenberg zu sanieren, doch Abriss und Neubau erschienen am Ende als bessere Variante. Eine Baustelle während des Schulbetriebs ist laut Architekt Ulrich Scheer nicht nur logistisch eine große Herausforderung: „In der Rangordnung der Architekten kommt dies gleich nach dem Neubau eines Krankenhauses.“

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