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Aus der Stadt Niedersachsen lässt streunende Katzen kastrieren
Hannover Aus der Stadt Niedersachsen lässt streunende Katzen kastrieren
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00:17 13.01.2018
Verwilderte Katzen vermehren sich unkontrolliert. Diese Kätzchen hatten Glück: Sie wurden gefunden und im Tierheim aufgepeppelt.
Verwilderte Katzen vermehren sich unkontrolliert. Diese Kätzchen hatten Glück: Sie wurden gefunden und im Tierheim aufgepeppelt. Quelle: Tierheim Hannover/Hein
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Hannover

 Herrenlose Katzen kastrieren zu lassen dient dem Tierschutz, ist aber für Einrichtungen wie das Tierheim in Langenhagen ein erheblicher Kostenfaktor. Das Haus übernimmt pro Jahr die Kastration von etwa 500 verwilderter Katzen. „Das finanzieren wir alles über Spenden“, sagt Mitarbeiterin Katja Marnetté. Genau hier will Niedersachsens Landesregierung nun helfen. Um das Elend einzudämmen, startet das Land am 15. Januar ein Projekt zur Kastration herrenloser Katzen. Ehrenamtliche Betreuer von Futterstellen sowie Tierheim-Mitarbeiter können freilebende Tiere, die keinem Besitzer zuzuordnen sind, bis zum 15. März kostenlos kastrieren und registrieren lassen. 

Tiere leiden an Überpopulation

Rund 200 000 verwilderte Katzen gibt es nach Schätzungen in ganz Niedersachsen – und sie vermehren sich unkontrolliert. Nicht nur für den Menschen können sie zur Gefahr werden, etwa weil sie Krankheiten übertragen. Auch die Katzen selbst leiden an der Überpopulation. Sie sind oftmals abgemagert, leiden unter Wurmbefall, Parasiten oder Verletzungen durch Rangkämpfe. „Wir haben es hier mit einem erheblichen Tierschutzproblem zu tun“, sagte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Mittwoch. Ihr Ministerium fördert das Projekt jetzt mit 200 000 Euro. 

Die Tierärztekammer Niedersachsen übernimmt die Organisation, die Veterinäre verzichten auf 25 Euro ihrer Behandlungskosten pro Tier. Zudem steuern der Deutsche Tierschutzbund sowie sein Landesverband und die Tierschutzorganisation Tasso jeweils 15 000 Euro bei. Etwa 2600 Tiere können mit den insgesamt 245 000 Euro im Projektzeitraum kastriert und gekennzeichnet werden. Eine Kastration kostet bei weiblichen Tieren um die 140 Euro, bei männlichen rund 80 Euro. 

Zudem müssten Privatpersonen einen Ausweis vorlegen und schriftlich bestätigen, dass es sich um wilde, freilebende Tiere handelt. Das betonte der Präsident der Tierärztekammer Niedersachsen, Uwe Tiedemann. Die Kammer beschreibt auf ihrer Internet-Seite, wie die Streuner mit Lebendfallen einzufangen sind. 

Für den Professor der Tierärztlichen Hochschule Hansjoachim Hackbarth ist das Projekt allerdings „ein Tropfen auf den heißen Stein“. „Das wird das Problem nicht lösen können“, sagte der Tierschutzexperte. Vielmehr müsse eine Kastrationspflicht eingeführt und Auffangstationen eingerichtet werden. Außerdem sieht er die Besitzer der landesweit etwa 1,3 Millionen Hauskatzen in der Pflicht: „Wer ein Tier hält, das freilaufen darf, müsste es mindestens chippen lassen.“ Dies geschieht bisher, anders als bei Hunden, auf freiwilliger Basis. 

Appell an Besitzer

So sieht es auch die niedersächsische Tierschutzbeauftragte Michaela Dämmrich. „Indem Katzenbesitzer ihre Tiere per Mikrochip durch den Tierarzt kennzeichnen lassen und ihre Kater und Katzen rechtzeitig vor dem ersten Freigang kastrieren, können sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die freilebende Katzenpopulation zu regulieren“, sagte sie. Die Kastration sei auch bei allen umherstreifenden Bauernhof-Katzen im ländlichen Raum notwendig.

Von Andrea Brack Peña