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Aus der Stadt Gymnasien so voll wie nie, Klassen werden größer
Hannover Aus der Stadt Gymnasien so voll wie nie, Klassen werden größer
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00:15 19.06.2017
Von Saskia Döhner
Abiturprüfung in der Integrierten Gesamtschule (IGS) Roderbruch. In Zukunft wird es in den niedersächsischen Klassenzimmern enger werden. (Archiv) Quelle: Holger Hollemann/dpa
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Hannover

An den Gymnasien in Niedersachsen wird es zunehmend enger. In Hannover ist der Andrang von Fünftklässlern inzwischen so groß, dass sich Schulleiter und Landesschulbehörde darauf geeinigt haben, die Klassenstärken noch einmal zu erhöhen. Statt maximal 30 Kindern dürfen jetzt bis zu 32 Mädchen und Jungen in einer Klasse sitzen. Zehn der 17 städtischen Gymnasien wollen von dieser Regelung Gebrauch machen, an den übrigen Gymnasien werden oft schon 31 Schüler in einer Klasse unterrichtet. Einige Schulen lassen mehr Klassen zu, als die räumlichen Kapazitäten hergeben.

52 Prozent der Schüler gehen aufs Gymnasium

Im Schnitt melden etwas mehr als die Hälfte der Familien mit angehenden Fünftklässlern ihre Kinder an einem Gymnasium an. Im vergangenen Schuljahr waren es 52 Prozent, das sind deutlich mehr als im Landesschnitt (43 Prozent). Der Stadtelternrat warnt seit Jahren vor der zunehmenden Platznot an den Gymnasien. Die Situation verschärfe sich, weil bereits in den Vorjahren immer wieder 31 statt 30 Kinder in einer Klasse aufgenommen worden seien. Zudem müssten die Gymnasien durch die Umstellung auf das Abitur nach neun Jahren (statt bislang acht) einen Jahrgang mehr unterbringen.

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Bildungsexperten mahnen, dass man in großen Klassen schlechter lerne. Silvia Klingenburg-Pülm, Schulexpertin der Grünen im Stadtrat Hannover, wies darauf hin, dass immer mehr Kinder die fünfte Klasse am Gymnasium nicht schafften und sie wiederholen müssten. Mittlerweile gebe es in Hannover 150 solcher Sitzenbleiber. Die neuen fünften Klassen, die diese Schüler jetzt aufnehmen, sind aber sogar voller als die im Vorjahr.

Ohne die Wiederholer hätte die Zahl der Gymnasialplätze in Hannover ausgereicht. Sitzenbleiber seien schulorganisatorisch aber genauso zu beachten wie die Wünsche der Eltern für die weiterführende Schule nach der Grundschule, sagt Hannovers Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski.

Immer wieder ist die Enttäuschung groß, wenn Familien keine Zusage von der Wunschschule bekommen. Eine Mutter aus Hannover sagt, ihr Sohn habe zunächst an keinem der fünf von ihnen genannten Gymnasien einen Platz erhalten. Die Leibnizschule in Hannover musste 81 Bewerber ablehnen, die Bismarck- und die Käthe-Kollwitz-Schule jeweils 21. In Peine musste das Gymnasium Am Silberkamp 15 Bewerber abweisen, und auch in Lüneburg gibt es Unmut, weil viele Eltern ihre Kinder nicht an dem von ihnen ausgesuchten Gymnasium unterbringen konnten.

Keine Laufbahnempfehlung, kein Turbo-Abi

Durch die Abschaffung des Turbo-Abiturs wird das Gymnasium auch für die Familien attraktiv, die meinen, dass ihre Kinder etwas länger Zeit zum Lernen brauchen. Die schriftliche Laufbahnempfehlung durch die Lehrer nach der vierten Klasse hatte die rot-grüne Landesregierung abgeschafft. Ob es dadurch einen zusätzlichen Andrang an den Gymnasien gibt, lässt sich nicht belegen. In Hannover waren zuletzt immer zwischen 51 und 54 Prozent der Fünftklässler am Gymnasium angemeldet worden.

Eltern kritisieren, dass die Stadt nicht vorausschauend handelt, sondern die Klassen bis über die Obergrenze hinaus füllt und dabei die Gefahr einer hohen Zahl von Sitzenbleibern einkalkuliert. Zwar plant die Stadt, vorhandene Standorte auszubauen oder gleich ein neues 18. Gymnasium zu errichten. „Aber aktuell hilft dies den Kindern in den vollen Klassen nichts“, sagt Michael Balke, Elternvertreter im Schulausschuss.

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