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Aus der Stadt Noam Bar ist in der Musik zu Hause
Hannover Aus der Stadt Noam Bar ist in der Musik zu Hause
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08:28 07.03.2017
Von Linda Tonn
„Gerade kann ich mir keinen besseren Ort als Hannover vorstellen“: Die israelische Sängerin und Songwriterin Noam Bar lebt in Linden-Nord. Quelle: Villegas
Hannover

Ein Regentag in Hannover erinnert Noam Bar an den Winter in Israel - der ist genauso nass, grau und stürmisch. Allerdings folgt in Tel Aviv auf kalte Tage auch schnell wieder die Sonne: „In Deutschland bleibt das Wetter oft wochenlang so“, weiß die Musikerin inzwischen. Einen Regenschirm hat sie trotzdem nicht, für den Spaziergang mit der HAZ hat sich die 31-Jährige einen ausgeliehen.

In Linden soll der Rundgang mit der Musikerin mit den israelischen Wurzeln starten. Hier fühlt sich die Künstlerin zu Hause. Mit ihren blond gefärbten Locken, der Baskenmütze, einem bunten Schwalben-Tattoo auf dem Unterarm und einem dezenten Ring in der Nase fügt sie sich nahtlos in den kreativen Stadtteil ein. „Die meisten meiner Freunde leben hier. Es gibt kleine Clubs, in denen Livemusik gespielt wird. Das ist alles, was ich brauche.“ Während sich auf der Limmerstraße vereinzelte Passanten gegen den Sturm stemmen, erzählt Noam Bar, wie sie die Liebe vor vier Jahren nach Hannover führte. Eigentlich war Berlin das Ziel - die verlockende Hauptstadt, in der es in den Erzählungen ihrer Freunde nur so vor internationalen Musikern wimmelte.

Dass daraus nichts wurde, hat sich mittlerweile als Glücksfall entpuppt: Ihr damaliger Freund ist mittlerweile der Ex, doch die temperamentvolle Sängerin ist geblieben. „Fremd und unübersichtlich“ habe sie Hannover am Anfang gefunden. Doch zwischen Künstlern und Musikern - das seien ihre besten Freunde - hat sie eine Heimat gefunden. Ihr erstes Konzert im Kulturpalast Linden organisierte ein Bekannter.

Wie fühlt sich eine Weltenbummlerin, die das immer sonnige Miami kennt, jahrelang in Madrid lebte und die trubelige Innenstadt von Tel Aviv ihr Zuhause nennt, in Hannover? „Ich kann mir gerade keinen besseren Ort vorstellen“, sagt Bar. Trotz des Regens und der Kälte.

Ihre Wohnung liegt in Linden. Die Lieblingsorte erreicht sie fußläufig: das Bronco’s am Schwarzen Bär, den Kulturpalast und das Faust-Gelände. Auf den Bühnen dort lebt die 31-Jährige zusammen mit ihrer Band den Traum von der Musik. Was mit 13 Jahren, einer Gitarre und vier Akkorden in Tel Aviv begann, füllt heute Bars kompletten Alltag: Komponieren, Proben, Auftritte in Clubs und bei Firmenfeiern. Die Buchhaltung macht die Israelin selbst.

Von der nassen Straße führt der Weg in ein Café in der Limmerstraße. Den Cappuccino vor sich kann die Musikerin auf Englisch, Hebräisch, Deutsch oder Spanisch bestellen. Die Texte für ihre Lieder schreibt Bar aber auf Englisch - weil es sich am besten anhört. „Auf Hebräisch zu singen klingt für mich nicht natürlich“, sagt sie. Denn die Worte drückten nicht das aus, was sie fühle. In ihrer Musik mischen sich Jazz, Soul, R&B, Rap mit ihrer klaren Stimme. In vielen ihrer Songs wie „Sittin’ on Gold“ oder „Cigarettes, Wine and You“ geht es um Liebe und Beziehungen. Leidenschaftlich erzählt die Sängerin, dass das Schreiben für sie eine Art Ventil sei. So könne sie die Gedanken ordnen.

Bars Band besteht aus Studenten der Musikhochschule. „Hier gibt es so viel Kultur und viele talentierte Sänger und Musiker“, erzählt sie, während sie ihre Gitarre auf den Rücken schnallt: Bandprobe für das nächste Konzert. Die erste Platte finanzieren die Künstler per Crowdfunding. Knapp 2000 Euro sind bereits zusammengekommen. Ein wenig Stolz schwingt mit, wenn Bar erzählt, dass sie manchmal sogar auf der Straße angesprochen werde.

In einem Probenraum am Weidendamm bastelt die Sängerin an neuen Songs. An trockenen Tagen radelt sie dorthin, heute steigt sie an der Glocksee in den Bus. Ob sie sich vorstellen kann, Hannover wieder zu verlassen? „Gerade nicht“, sagt Bar. „Ich finde immer wieder neue Orte, an denen ich mich wohlfühle.“

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