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Aus der Stadt Oktoberfest-Attentat: Spur führt nach Hannover
Hannover Aus der Stadt Oktoberfest-Attentat: Spur führt nach Hannover
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20:38 04.02.2015
Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest wird der Fall neu untersucht.
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Hannover

Laut eines aktuellen Berichts des "Bayerischen Rundfunks (BR)" arbeitete die neue Zeugin damals im Oststadtkrankenhaus in Hannover. Demnach erinnert sich die damalige Krankenschwester an einen im September 1980 eingelieferten Patienten, dem eine Hand abgetrennt wurde. Der blutige Zusammenhang zu den Geschehnissen in München: Dort wurde am Anschlagsort eine Hand gefunden, die weder dem Täter noch einem der Opfer zugeordnet werden konnte.

In der TV-Dokumentation berichtete die ehemalige Krankenschwester Ute von L. von einem Mann, der kurz nach dem Anschlag auf der Theresienwiese mit einem zerfetzten Unterarm in der Klinik für plastische Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Oststadtkrankenhauses aufgetaucht sei. Wie es zu der schweren Verletzung, bei der er die Hand verloren hatte, gekommen sei, habe der Mann nicht sagen wollen. Allerdings habe er etwas von Sprengstoff angedeutet. „Er hat regelmäßig Besuch gehabt, es waren immer ein paar Männer bei ihm“, sagt Ute von L. in dem Bericht. Eines Tages sei der Mann dann einfach verschwunden.

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Patientenakten müssen 30 Jahre aufbewahrt werden. Möglicherweise könne auch die Akte des mysteriösen Patienten von 1980 noch gefunden werden, sagte Bernhard Koch, Sprecher des Klinikums Hannover, zu dem das ehemalige Oststadtkrankenhaus gehörte.

Abgetrennte Hand gibt Rätsel auf

Die auf dem Oktoberfest gefundene Hand ist nicht mehr vorhanden. Jedoch soll weiter ermittelt werden, ob sie eventuell einem Helfer des Haupttäters Gundolf Köhler gehören könnte, und dieser sich damals beim Explodieren der Bombe derart verletzt haben könnte.

Das Oktoberfest-Attentat war der schwerste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Damals wurden 13 Menschen getötet, mehr als 200 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Unter den Toten war auch der Attentäter, der 21-jährige Gundolf Köhler, Anhänger der rechtsextremen „Wehrsportgruppe Hoffmann“. 

Bereits kurz nach dem Anschlag führten Spuren nach Niedersachsen. In einem Waldstück bei Uelzen entdeckte die Polizei in mehr als 30 Erdverstecken 88   Kisten mit Waffen, Sprengstoff und Munition. Der Forstwirt und Rechtsextremist Heinz Lembke hatte diese geheimen Depots angelegt. Die Behörden vermuteten damals, dass Lembke mit dem Münchener Attentäter in Kontakt gestanden haben könnte. Doch bevor die Ermittlungen gegen ihn richtig angelaufen waren, erhängte er sich in seiner Gefängniszelle.

Generalbundesanwalt rollte Fall neu auf

Bereits Ende 2014 hatte es neue Hinweise gegeben: Demnach gibt es verschiedene Hinweise darauf, dass der Bombenanschlag keineswegs die Tat eines labilen Einzelnen gewesen ist. Eine Zeugin soll am Tag nach dem Anschlag Flugblätter mit einem Nachruf auf Köhler gefunden haben – noch bevor dessen Name öffentlich bekannt war. Das spricht gegen die Einzeltäterthese. Im Dezember wurden die Ermittlungen dann auf Anweisung von Generalbundesanwalt Harald Range wieder aufgenommen. „Mord verjährt nicht“, kommentierte er die Entscheidung trocken. „Wir werden allen Ansatzpunkten erneut und umfassend nachgehen.“

mic/tm

Rüdiger Meise 06.02.2015
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