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Aus der Stadt Ermittler bitten Klinikum der Region um Hilfe
Hannover Aus der Stadt Ermittler bitten Klinikum der Region um Hilfe
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21:01 09.02.2015
Von Tobias Morchner
Nach den Hinweisen der Krankenschwester Ute von L. haben die Ermittler des bayerischen LKA ein formelles Ersuchen an das Klinikum Region Hannover geschickt, um alte Krankenakten einsehen zu können. Quelle: Archiv
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Hannover

Die Aussage der ehemaligen Krankenschwester Ute von L. aus Hannover, einer der Mittäter des blutigen Oktoberfestattentats vom September 1980 in München könnte nach der Tat im Oststadtkrankenhaus behandelt worden sein, hat jetzt das bayerische Landeskriminalamt auf den Plan gerufen. Die Fahnder vom LKA schickten ein formelles Ersuchen zum Klinikum Region Hannover. „Wir sind darum gebeten worden, nachzusehen, ob es noch alte Akten aus der Zeit bei uns gibt“, sagt Klinikumssprecher Bernhard Koch. Normalerweise können Krankenakten nach 30 Jahren vernichtet werden. „Es gibt aber dennoch drei Stellen, an denen noch weitaus ältere Dokumente aufbewahrt werden, wenn auch nicht nach der üblichen Systematik geordnet“, sagt Koch.

Die damals 20-jährige von L. hatte in einem Fernsehbeitrag des Bayerischen Rundfunks, der vor einer knappen Woche in der ARD zu sehen gewesen ist, erklärt, damals sei ein bis heute unbekannter Mann mit einem zerfetzten Arm in die Klinik an der Podbielskistraße gekommen. Wie er sich die schwere Verletzung zugefügt hatte, bei der ihm eine Hand abgerissen worden war, wollte er nicht preisgeben. Er habe lediglich etwas von Sprengstoff angedeutet. Während seines kurzen Aufenthaltes habe er sich seltsam benommen, erinnerte sich die Zeugin. Er habe trotz der schweren Verletzung keinerlei Trost haben wollen, habe stattdessen geradezu gut gelaunt in seinem Krankenbett gesessen. Zudem habe er regelmäßig Besuch von mehreren Männern gehabt. Nach fünf oder sechs Tagen sei er aus der Klinik verschwunden, obwohl die Behandlung längst nicht abgeschlossen war. Ute von L. kann sich eigenen Angaben zufolge deshalb so gut an den Mann erinnern, weil er einer ihrer ersten Patienten war, kurz nachdem sie Anfang September 1980 ihre Krankenschwesterprüfung abgelegt hatte.

Die Aussagen der ehemaligen Krankenschwester stimmen mit Recherchen von Fernsehreporter Ulrich Chaussy überein, der den Fall seit knapp 35 Jahren begleitet. Am Tatort auf der Theresienwiese sei eine Hand gefunden worden, die keinem der insgesamt 13 Opfer, darunter der mutmaßliche Attentäter, zugeordnet werden konnte. Möglicherweise ist das Körperteil einem Komplizen des Täter bei der Explosion der Bombe abgerissen worden. Ihm könnte es gelungen sein, sich trotzt der schweren Verletzung bis nach Hannover durchzuschlagen, um sich dort ärztlich versorgen zu lassen.

Das Klinikum Region Hannover hat jetzt ein Foto von Ute von L. aus dem Jahr 1980 im Intranet veröffentlicht, um weitere Mitarbeiter von damals auf den Fall aufmerksam zu machen. Denn bislang haben sich keine weiteren Ärzte, Schwestern oder Pfleger gemeldet, die sich ebenfalls an den rätselhaften Patienten ohne Hand erinnern können.

Mathias Klein 12.02.2015
Michael Zgoll 12.02.2015
Michael Zgoll 12.02.2015