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Aus der Stadt Opfer zur Unterschrift gezwungen
Hannover Aus der Stadt Opfer zur Unterschrift gezwungen
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07:20 28.11.2012
Von Michael Zgoll
Wegen räuberischer Erpressung und Betrug sind zwei junge Männer aus Burgdorf angeklagt. Quelle: Symbolbild
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Hannover

Einen solchen Fall verhandelt seit dem gestrigen Dienstag die 1. Strafkammer am Landgericht Hildesheim. Wegen räuberischer Erpressung und Betrug angeklagt sind zwei junge Männer aus Burgdorf, heute 29 und 27 Jahre alt.

Die beiden türkischstämmigen Männer bewegten sich zum Tatzeitpunkt im Herbst 2009 in Kreisen, in denen Abhängen, Feiern, Trinken und Drogenkonsum zum Alltag gehörten. Geldknappheit war an der Tagesordnung, und so verfielen die - teilweise geständigen - Angeklagten Erdal B. und Delil T. auf eine ungewöhnliche Idee. Sie zwangen andere junge Männer aus ihrem Bekanntenkreis, in Handyshops und Unterhaltungselektronikgeschäften in Lehrte, Burgdorf und Hannover sogenannte Barauszahlungs-Handyverträge abzuschließen. Schon jahrelange Praxis der Verkaufsstrategen von T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus ist es, potenzielle Kunden mit Ein-Euro-Handys zum Abschluss von Zweijahresverträgen zu bewegen. Jüngeren Datums ist die Idee, Interessenten zusätzlich zu einem Telefon oder statt eines Smartphones Bargeld anzubieten - gedacht für diejenigen, die mit ihrem alten Apparat noch zufrieden sind. Im Internet findet man unter dem Stichwort Barauszahlungsverträge allerlei Angebote, die Summen bis zu 1000 Euro versprechen. Dass die monatlichen Raten so exorbitant hoch sind, dass die Telefonanbieter immer noch auf ihre Kosten kommen, ist naheliegend.

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Offenbar verstanden die zwei Burgdorfer den Abschluss solcher Handyverträge als Methode, andere für sie eine Art Kreditvertrag abschließen zu lassen - unter Androhung von Gewalt. Ob die jeweils betroffenen Läden beim gebotenen Einholen der Schufa-Auskünfte - zur Überprüfung der Bonität - etwas lax vorgegangen sind, oder ob die Opfer tatsächlich kreditwürdig waren, muss das weitere Verfahren unter Vorsitz von Richter Ulrich Pohl zeigen.

Die Staatsanwaltschaft legt dem bereits vorbestraften Hauptangeklagten insgesamt acht Einzeltaten zur Last. So soll er seine Opfer gezwungen haben, mithilfe derartiger Verträge an mehr als zehn Handys und Bargeld in vierstelliger Höhe zu kommen. Auch der kreditfinanzierte Kauf einer Fernsehanlage inklusive Satellitenschüssel ist Verhandlungsgegenstand.

Den Angeklagten drohen empfindliche Strafen zwischen zwölf Monaten und 15 Jahren Freiheitsentzug.

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