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Aus der Stadt Das ist die Sturmbilanz nach Orkan "Friederike"
Hannover Aus der Stadt Das ist die Sturmbilanz nach Orkan "Friederike"
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00:17 22.01.2018
Aufräumarbeiten am Tag danach: Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.  Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

  Der Orkan Friederike hat am Donnerstag in der Region doch mehrere Verletzte gefordert. Wie die Polizei erst am Freitag mitteilte, wurde auf der Bundesstraße 443 ein 63-jähriger Autofahrer schwer und drei weitere Insassen eines anderen Wagens leicht verletzt. Der 63-Jährige war gegen 15.30 Uhr mit seinem Volvo auf der Rethener Straße von Sehnde-Wassel in Richtung Laatzen unterwegs. Zwischen der Müllinger Straße und der Autobahn 7 wurde sein Fahrzeug plötzlich von einem umstürzenden Baum getroffen. Der 63-Jährige geriet mit seinem Volvo in den Gegenverkehr. Dort rammte der Wagen einen Audi A 3. Anschließend prallte der Volvo  frontal gegen einen Baum am Straßenrand. Der 63-Jährige kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus. Die drei Insassen des Audi trugen leichte Verletzungen davon, mussten aber ebenfalls in einem Krankenhaus versorgt werden. Die Bundesstraße war wegen des Unfalls teilweise gesperrt. Die Polizei beziffert den Schaden insgesamt auf rund 16.000 Euro.

Am 18. Januar 2018 ist das Sturmtief "Friederike" über Hannover gezogen und hat seine Spuren hinterlassen.

Die Helfer der Feuerwehr waren auch am Freitag noch im Einsatz, um die Schäden durch den Orkan zu beseitigen. Am Morgen kam der Feuerwehrkran in der Straße Am Lohgraben in Badenstedt zum Einsatz, weil dort ein Baum auf ein Mehrfamilienhaus zu fallen drohte. Insgesamt verzeichneten die 410 Helfer 315 sturmbedingte Einsätze. Zu Spitzenzeiten waren alle 17 Ortsfeuerwehren und alle fünf Rettungswachen der Berufsfeuerwehr im Einsatz. Selbst die Kollegen, die eigentlich dienstfrei gehabt hätten, wurden alarmiert. Feuerwehr-Chef Claus Lange bedankte sich bei allen Helfern für die engagierte Arbeit und den reibungslosen Ablauf.

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Die Lage am Hauptbahnhof, wo rund 200 Reisende die Nacht in einem bereitgestellten Zug verbracht hatten, entspannte sich am Freitag nur allmählich. Lange Schlangen bildeten sich erneut vor dem Infoschalter in der Haupthalle. Die Anzeigetafeln zeigten bis in den Nachmittag hinein noch viele verspätete und abgesagte Zugverbindungen vor allem nach Nordrhein-Westfalen und Bayern. „Ich habe die Schnauze voll“, sagt Martin Achamann aus Regensburg. Seit Donnerstag versuche er nach München zu kommen. „Heute haben wir schon siebenmal das Gleis gewechselt. Züge sind aber keine gefahren.“ Tatsächlich waren die ersten Zugverbindungen in Richtung Süden hoffnungslos überfüllt. Dennoch versuchten alle Betroffenen, noch einen Platz zu ergattern. Mitarbeiter der Bahn mussten die Reisenden bitten, den überfüllten Zug wieder zu verlassen, weil er sonst nicht losfahren könne. Weil sich nicht alle einsichtig zeigten, drohte die Stimmung  am Gleis 4 zu kippen. Die Bundespolizei schickte vorsorglich eine Streife. „Die Beamten mussten aber nicht eingreifen“, sagt Bundespolizeisprecher Martin Ackert. Der Zug Richtung München, der eigentlich um 11.40 Uhr Hannover verlassen sollte, startete deshalb erst mit rund einer Stunde Verspätung. „Wenn man so lange zusammengepfercht ist, dann werden einige aggressiv“, erklärt es ein Reisender aus Hamburg. Er ist seit sieben Stunden unterwegs. „Ich sollte vor 24 Stunden zu Hause angekommen sein. Jetzt scheint es aber eine Verbindung zu geben“, sagt eine wartende Frau.

Die Stadt hat am Freitag den Stadtpark, den Großen Garten und den Berggarten in Hererenhausen und den Tiergarten, die alle wegen des Sturms geschlossen waren, wieder frei gegeben. Gesperrt bleibt am Wochenende allerdings der Stadtfriedhof Ricklingen und alle zu dessen Verwaltung gehörende Friedhöfe im Südwesten und Westen Hannovers, unter anderem die Friedhöfe in Badenstedt, Wettbergen und Limmer.  „Dort sind rund 50 Bäume durch den Orkan beschädigt worden. Die Schäden werden am Wochenende beseitigt“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix

Am Donnerstag zieht das Sturmtief „Friederike“ über Niedersachsen.

Auch die städtischen Wälder und Landschaften, die Eileriede, der Wald in Marienwerder oder der Kronsberg, sind von Friederike stark in Mitleidenschaft gezogen worden. „Insgesamt sind dort rund 400 Bäume beschädigt“, sagt Dennis Dix. Die Mitarbeiter des Grünflächenamtes hätten zwar den ganzen Freitag versucht, die Verkehrssicherheit in den städtischen Wäldern wieder herzustellen. „Einige Wege bleiben aber noch gesperrt“, sagt der Stadtsprecher. Wann alle Spuren des jüngsten Orkans endgültigt beseitigt sein werden, ist ungewiss. Denn die städtischen Mitarbeiter sind immer noch mit den Schäden befasst, die Sturm Xavier im Oktober hinterlassen hatte. „Es ist für uns eine große Herausforderung“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix.

Von Andrea Brack und Tobias Morchner