Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Oststadt-Klinikum wird zur Massenunterkunft
Hannover Aus der Stadt Oststadt-Klinikum wird zur Massenunterkunft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:52 22.04.2015
Von Andreas Schinkel
„Besser als die Unterbringung in Turnhallen“: Bisher wohnen im ehemaligen Bettenhaus rund 500 Asylsuchende - auch Kinder.
„Besser als die Unterbringung in Turnhallen“: Bisher wohnen im ehemaligen Bettenhaus rund 500 Asylsuchende - auch Kinder.  Quelle: Alexander Körner
Anzeige
Hannover

Die Stadt Hannover gerät bei der Unterbringung von Flüchtlingen erneut an die Grenzen ihrer Kapazität. Eigentlich sollten längst Wohncontainer bereitstehen, um 1300 Menschen ein provisorisches Dach über den Kopf zu geben. Doch vergaberechtlich ist die Stadt gezwungen, europaweite Angebote einzuholen; die Aufstellung der Wohnmodule verzögert sich also. Nach Informationen der HAZ stehen die Container erst im Herbst bereit. Noch immer kommen bis zu 80 Menschen pro Woche nach Hannover und bitten um Unterkunft. Jetzt sucht die Stadt händeringend nach Übergangslösungen. Dabei spielt das ehemalige Oststadtkrankenhaus in Groß-Buchholz eine zentrale Rolle.

Die leer stehenden Klinikgebäude könnten zur Massenunterkunft für bis zu 800 Flüchtlinge werden. Hinter vorgehaltener Hand spricht man in der Ratspolitik sogar von 1000 Menschen, die zwischen Podbielskistraße und Pasteurallee einquartiert werden sollen. Bisher wohnen im ehemaligen Bettenhaus rund 500 Asylsuchende, ursprünglich war die Notunterkunft für 300 Flüchtlinge vorgesehen.

Stadt sucht nach Wohnungen für Flüchtlinge

Die Stadt bestätigt offiziell, dass man die Unterbringungsmöglichkeiten in anderen Gebäuden auf dem Klinikgelände prüfe. Das beeinträchtige aber nicht die Bauvorhaben für das Klinikgelände, heißt es weiter. Tatsächlich will die Stadt so schnell wie möglich dafür sorgen, dass auf dem Grundstück neue Wohnungen entstehen. Der Wohnungsmarkt in Hannover ist angespannt, und die Stadt sucht verstärkt nach Wohnungen für Flüchtlinge. Bereits im Frühjahr 2016 sollen erste Gebäude im nördlichen Bereich des Klinikgeländes abgerissen werden.

In der Ratspolitik betrachtet man die Einrichtung einer Massenunterkunft mit gemischten Gefühlen. „Je mehr Menschen unter einem Dach wohnen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Reibereien kommt“, sagt Henning Hofmann, SPD-Ratsherr und Bezirksbürgermeister von Groß-Buchholz. Derzeit funktioniere das Zusammenleben der Flüchtlinge im ehemaligen Bettenhaus sehr gut, vor allem dank des ehrenamtlichen Engagements im Stadtteil. „Wenn die Zahl der Menschen aber deutlich steigt, brauchen wir mehr Sozialarbeiter“, sagt Hofmann.

„Wir können fast nichts mehr ausschließen“

Eine Konzentration von vielen Flüchtlingen auf wenige Gebäude empfinden die Grünen grundsätzlich als problematisch. „Dennoch ist das besser als die Unterbringung in Turnhallen“, sagt Grünen-Fraktionschefin Freya Markowis. Derzeit wohnen Asylsuchende in drei Sporthallen der Stadt. So bald wie möglich sollen die Hallen wieder freigeräumt werden, kündigte Oberbürgermeister Stefan Schostok kürzlich an.

Wie man es auch dreht und wendet, Hannover hat kaum noch freie Kapazitäten. Selbst in den Reihen von SPD und Grünen wird inzwischen der Aufbau von Zelten als allerletztes Mittel nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. „Wir können fast nichts mehr ausschließen“, sagt Markowis. Die Stadt betont, dass der Aufbau von Zelten nicht zur Diskussion stehe.

Dem Vernehmen nach verhandeln Stadt und Land darüber, ob die Zuteilung von Flüchtlingen „flexibler“ gehandhabt werden könne. Das bedeutet, dass Kommunen mit mehr Kapazitäten bevorzugt werden. „Wir achten schon jetzt darauf, dass die Kommunen einen Vorlauf bekommen und besser planen können“, sagt Matthias Eichler, Pressesprecher des niedersächsischen Innenministeriums. Aber die Auffanglager des Landes seien ebenfalls ausgelastet. Im Grunde reicht man also die Engpässe an die Kommunen weiter. „Wir suchen jetzt nach drei weiteren Standorten, an denen wir neue Auffanglager errichten“, sagt Eichler.

Mehr zum Thema

Das Land Niedersachsen und die Arbeitsagentur wollen Flüchtlinge schneller in den Arbeitsmarkt vermitteln. Helfen soll ein Pilotprojekt, für das das Wirtschaftsministerium eine Million Euro bereitstellt. Es soll die Flüchtlinge unterstützen, aber auch ein Mittel gegen den Fachkräftemangel sein.

Heiko Randermann 25.04.2015
Aus der Stadt Demonstration am Hauptbahnhof - Hannover trauert um tote Flüchtlinge

Rund 300 Menschen haben am Dienstag vor dem Hauptbahnhof um die ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer getrauert. Aufgerufen zu der Mahnwache hatte die linksalternative Gruppe „Fast Forward Hannover“.

19.10.2015

Die Bundesregierung soll die Kosten für Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge übernehmen, die in zunehmender Zahl nach Deutschland kommen - und dies soll bis zum Sommer geklärt werden. Eine entsprechende Resolution zur Flüchtlingsproblematik hat der Parteitag des SPD-Unterbezirks Region Hannover am Wochenende ohne Gegenstimmen verabschiedet.

Michael Zgoll 22.04.2015
Aus der Stadt Haltestelle Herrenhäuser Gärten - Sanierung des Hochbahnsteigs wird noch teurer
Conrad von Meding 22.04.2015
Heiko Randermann 22.04.2015
Aus der Stadt Freimaurer in Hannover - Brüder mit großen Namen
Simon Benne 22.04.2015