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Aus der Stadt Freundschaft in schweren Zeiten
Hannover Aus der Stadt Freundschaft in schweren Zeiten
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20:56 24.07.2014
„Immer wieder Schatten auf unserer Annäherung“: Michael Fürst (li.) und Yazid Shammout beim gemeinsamen HAZ-Interview im Jahr 2012. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

In einer gemeinsamen Erklärung haben der Vorsitzende der palästinensischen Gemeinde, Yazid Shammout, und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Hannover, Michael Fürst, am Donnerstag zu friedlichen Protesten gegen die Geschehnisse in Nahost aufgerufen. Die Ereignisse der letzten Wochen seien eine weitere Belastungsprobe für das vertrauensvolle Verhältnis beider Gemeinden. „Der in Niedersachsen gelebte offene Dialog zwischen Palästinensern und Juden ist beispiellos. Umso mehr stehen diese erschüttert dem teilweise offen gezeigten Antisemitismus in Deutschland gegenüber“, heißt es in der Erklärung.

Shammout und Fürst appellierten an die Demonstranten, die es wegen der Geschehnisse im Nahen Osten auf die Straße treibt, respektvoll und vertrauensvoll miteinander umzugehen.

Die beiden Gemeinden pflegen seit rund fünf Jahren regelmäßigen Kontakt und gelten dadurch mittlerweile auch bundesweit als Vorreiter im palästinensisch-jüdischen Miteinander. „In der Zeit ihrer Annäherung haben die Konflikte im Nahen Osten immer wieder Schatten auf den Dialog der niedersächsischen Palästinenser und Juden geworfen - blockieren oder gar beenden konnten sie diesen aber zu keiner Zeit“, heißt es in dem Text, den Shammout und Fürst gestern gemeinsam verschickten.

Gleichzeitig mahnte die Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen alle Beteiligten zu friedlichen Protesten gegen den Konflikt zwischen Israel und Palästinensern. „Wir sind besorgt über die Entwicklung bei einigen Protesten in Niedersachsen, die von Extremisten unterschiedlicher Coleur für ihre Zwecke missbraucht werden“, sagte Gewerkschaftschef Dietmar Schilff. Er forderte die Demonstranten beider Seiten zum „vollkommenen Verzicht auf jede Form von Gewalttätigkeiten, Hetze und Diskriminierung“ auf.

Auch in Hannover war es in den vergangenen Tagen zu Auseinandersetzungen zwischen pro-palästinensischen und pro-israelischen Demonstranten gekommen. Betroffen war unter anderem Sven-Christian Kindler, Bundestagsabgeordneter der Grünen. Er hatte mit einigen Mitstreitern bei einer Demonstration von Palästinensern eine Israel-Fahne entrollt. Die Gruppe wurde von einem bislang unbekannten Mann attackiert. Ein 28-Jähriger trug leichte Verletzungen davon.

Unterdessen hat der hannoversche Landtagsabgeordnete Michael Höntsch erst jetzt über einen Vorfall aus dem vergangenen Jahr berichtet, der ihn „sehr nachdenklich“ gemacht habe. Dabei hätten ihn vier Jugendliche beim Aussteigen aus der Stadtbahn an der Station Kröpcke angerempelt. „Dann haben sie von außen gegen die Scheibe geschlagen und gegen die nahe Tür getreten“, berichtet der SPD-Politiker. Einer der Jugendlichen habe ihm den ausgestreckten Zeigefinger gezeigt, ein anderer habe ihn als „Scheißjude“ beschimpft.

Erst in diesem Moment habe Höntsch bemerkt, dass er nach dem Besuch einer Synagoge die Kippa noch nicht vom Kopf genommen hatte. „Das waren offenbar keine Jugendlichen muslimischen Glaubens“, sagt Höntsch, dessen Schwiegertochter und Enkelkinder jüdischen Glaubens sind. Er habe sich in der ganzen Situation einfach nur „ohnmächtig gefühlt“.

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