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Aus der Stadt Was von der WM kleben bleibt
Hannover Aus der Stadt Was von der WM kleben bleibt
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20:43 11.07.2014
Von Gunnar Menkens
Fast voll: Angelika Kaiser von der Klickmühle blättert durch ihr Panini-Album. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Menschen gibt es, deren Namen bleiben ein Leben lang im Gedächtnis. Fremde Leute, die man nie gekannt hat, nie gehört und nie gesprochen. Einer heißt: Mathias Schipper. Fußballer, Verteidiger, Profi von 1976 bis 1979 und dann noch einmal ab 1982 bei Schalke 04. Sein Beruf brachte es mit sich, als Foto für Tütchen gedruckt zu werden, die junge wie alte Sammler kauften, um leere Alben vollkleben zu können. Der Spieler Schipper war die Pest, inflationär vertreten, heute würde man sagen, er war gefühlt in jeder Tüte.

Schipper wurde ohne eigenes Verschulden auf manchen Schulhöfen zum meistgehassten Mann. Gerade hatte man ganze Groschen seines Taschengeldes im Tante-Emma-Laden um die Ecke investiert; kam aber Schipper ans Licht, waren sie verloren. Sein materieller Wert ging gegen Null, Schipper war wie ein Witz, den schon alle kannten. Junge Sammler lernten eine Regel des Wirtschaftslebens: Das Seltene hat seinen Preis. Und sie lernten zu zweifeln. Konnte das mit Schipper noch Zufall sein?

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Kurz vor dem WM-Finale sieht die Lage bei Panini-Sammelstickern in einschlägigen Foren in Hannover zum Beispiel so aus: „Suche: 30, 311, 403, 579. Biete: 55, 56, 61, 62, 63, 64, 67, 72, 74, 82, 87, 92“. Und so weiter. Und so fort. Denn manche Sammler müssen über den Endspieltag am Sonntag hinaus vervollständigen.

Man kann das zum Beispiel bei Angelika Kaiser tun. Die Wirtin der Klickmühle gegenüber der Markthalle sammelt selbst, wenn auch in besonders komfortabler Form: Andere tragen die Bildchen für sie zusammen und kleben sie ins Album. Ihr Mann. Besucher. Oder die freundliche Oma, die immer Bilder mitbringt, die ihre Enkel doppelt und dreifach haben. Vier Fotos noch, und die WM in Brasilien ist unter Dach und Fach, die deutschen Spieler sind schon alle da. „Manchem Gast fehlen immer noch 50 Bilder“, sagt Frau Kaiser. Sie leiden das Schicksal jedes Sammlers: Am Anfang geht es zügig, später wird es immer teurer, die fehlenden Ergänzungsspieler zu finden.

Als sich die Brüder Panini aus dem italienischen Modena das Geschäftsmodell mit Sammelbildchen ausdachten, soll eine humanistische Idee dahinter gestanden haben: Alle Menschen sind gleich. Jeder Kicker bekommt seither im Album nur einen Platz und nur ein Bild. Ein Neuer, ein Zieler. Ein Beckenbauer, ein Schipper. Aber der Schalker war dann doch irgendwie gleicher als die anderen, weil es ihn eben so oft gab.

Über die Jahrzehnte sind so Zeitdokumente entstanden und Frisurenschauen. Von verbreiteter Langhaarigkeit hin zum Vokuhila mit Schnauzer bis zum Undercut moderner Prägung: die Schläfen rasiert, oben irgendwas drauf, Tolle oder Vogelnest. Gefühlte Tattoodichte: 100 Prozent. Für Sammler, die noch nicht alle Frisuren haben: Bei Angelika Kaiser geht die Weltmeisterschaft ein bisschen weiter. Die Tauschbörse findet bis zum 26. Juli jeden Sonnabend von 14 Uhr an in der Kneipe Klickmühle statt.

Es gibt Alternativen zur WM. Schon im vergangenen Jahr ins Spiel gebracht von einem Verlag in Lehrte. Eine Mitarbeiterin stellte damals die Frage: „Warum immer nur Fußballbilder kleben? Es gibt jede Menge spannende Landtechnik, die auch ihre Fans hat.“ Das erste Panini-Sammelalbum für Landtechnik kam auf den Markt. Eine Erfolgsgeschichte. Panini verkauft das Album seit März nicht allein in Niedersachsen, sondern auch in Schleswig-Holstein. Die Rubrik „Acker-Giganten“ soll nicht nach dem Pattenser Mertes-Acker benannt sein.

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