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Aus der Stadt Panzerdivision rückt aus Hannover ab
Hannover Aus der Stadt Panzerdivision rückt aus Hannover ab
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16:55 12.10.2011
Im August reisten Soldaten der 1. Panzerdivision von Hannover aus nach Afghanistan ab. 
Bald soll der Stab 
der Division nach Oldenburg umziehen.
Im August reisten Soldaten der 1. Panzerdivision von Hannover aus nach Afghanistan ab. 
Bald soll der Stab 
der Division nach Oldenburg umziehen. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Für seine Ansprache auf dem Sommerbiwak der 1. Panzerdivision wählte Oberbürgermeister Stephan Weil im Juli klare Worte: „Lassen Sie der 1. Panzerdivision ihre Heimat. Und die ist Hannover“, sagte er vor 5500 Gästen – und die Menge applaudierte. Unter den Besuchern des Gartenfests war an diesem Abend auch der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey (CDU). Er lauschte aufmerksam den Worten des Oberbürgermeisters und war sichtlich bemüht, einen neutralen Gesichtsausdruck zu wahren. Womöglich wusste er schon zu diesem Zeitpunkt, dass daraus nichts werden würde: Die 1. Panzerdivision soll zukünftig in Kossendeys Wahlkreis Oldenburg beheimatet sein.

Aus der Bundeshauptstadt verlautete am Montag, der Stab der 1. Panzerdivision solle so schnell wie möglich nach Oldenburg verlegt werden. Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht, erst am 26. Oktober will Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière bekannt geben, welche Standorte im Zuge des Bundeswehrreform geschlossen oder verlegt werden.

Klar ist, dass die Bundeswehrreform an Hannover nicht spurlos vorbeigehen wird. Rund 2600 Soldaten und zivile Bundeswehrangehörige arbeiten an den sieben hannoverschen Standorten; durch die Reform könnten Hunderte Stellen verloren gehen. Die Informationen, die nun zur Zukunft der 1. Panzerdivision durchsickerten, sorgten im hannoverschen Rathaus für Erstaunen. „Für die Landeshauptstadt ist es nur schwer vorstellbar, dass eine Verlagerung der 1. Panzerdivision tatsächlich vorbereitet wird“, ließ Oberbürgermeister Weil mitteilen. Seitens der Bundeswehr sei immer hervorgehoben worden, von welch großer Bedeutung die zentrale Lage des Standorts Hannover für die 1. Panzerdivision sei.

Mit rund 22.000 Soldaten ist sie der größte von insgesamt fünf Großverbänden des deutschen Heeres. Seit 1956 hat der Stab – also die Führung der Division – seinen Sitz in der Kurt-Schumacher-Kaserne an der Hans-Böckler-Allee. Die zwölf Standorte der Division sind auf fünf Bundesländer verteilt. Auch deshalb galt Hannover seither als besonders geeigneter Dienstsitz für den Kommandeur: Die Lage ist zentral, die Standorte der Division sind zügig erreichbar.

Bundestagsabgeordnete kündigten am Dienstag an, sich für den Verbleib der 1. Panzerdivision in Hannover einsetzen zu wollen. Mathias Miersch (SPD) sprach von einer „vermurksten Reform, deren Folgen jetzt sichtbar werden“. Er werde im Ministerium „Gerechtigkeit anmahnen“. Die CDU-Parlamentarierin Rita Pawelski hatte kürzlich am Rande einer Landesgruppensitzung Staatssekretär Kossendey auf die hannoverschen Sorgen angesprochen – und von ihm eine Zusage für ein Gespräch am 4. November in Hannover erhalten. Eigentlich hatte es nur um die Zukunft der Wehrbereichsverwaltung gehen sollen. „Sie können sicher sein, dass jetzt auch die mögliche Verlagerung des Stabs der 1. Panzerdivision besprochen wird“, sagte ein Mitarbeiter Pawelskis am Dienstag.

Während es offenbar beschlossene Sache ist, dass der Stab der 1. Panzerdivision Hannover verlässt, ist über die Zukunft der anderen Standorte noch nichts bekannt.

Emmich-Cambrai-Kaserne: Dort nahm im vergangenen Jahr die Schule für Feldjäger und Stabsdienst ihren Betrieb auf. Das Kasernengelände wurde zuvor für rund 80 Millionen Euro saniert. Aus Berlin verlautet, dass die Schule erhalten bleibt.

Scharnhorst-Kaserne: Dort ist das Feldjägerbataillon 152 untergebracht. Ob das Bataillon bestehen bleibt und seinen Sitz auch zukünftig in Hannover haben wird, gilt als unsicher. Die Scharnhorst-Kaserne beheimatet auch das Heeresmusikkorps 1. Es wird zukünftig nicht mehr zur 1. Panzerdivision, sondern zur Streitkräftebasis gehören. Das aber muss nicht heißen, dass die Musiker ihren Standort in Hannover aufgeben.

Kurt-Schumacher-Kaserne: Dort ist neben dem Stab der 1. Panzerdivision auch das Landeskommando Niedersachsen untergebracht. Es wird seinen Sitz auch nach der Reform weiterhin in der Landeshauptstadt haben.

Zentrum für Nachwuchsgewinnung: Es gilt als wahrscheinlich, dass eines von bundesweit acht Karriereberatungszentren das Zentrum für Nachwuchsgewinnung in Hannover ersetzen wird.

Wehrbereichsverwaltung Nord: Die Behörde wird aufgelöst, rund 780 Mitarbeiter wissen derzeit nicht, wo sie in Zukunft arbeiten werden. Jörg Herzog, Vorsitzender des Personalrats, hofft, dass in Hannover ein Kompetenzzentrum für Baumanagement entsteht, dort könnten etwa 100 Mitarbeiter der Wehrbereichsverwaltung beschäftigt werden. „Es gibt außerdem Signale, dass rund 300 Mitarbeiter von der Dienstortregelung profitieren könnten“, sagt Herzog. Sie würden in Zukunft zwar für eine andere Behörde – etwa mit Sitz in Bonn – arbeiten, allerdings weiterhin von Hannover aus. „Es bleiben rund 300 Leute, von denen wir nicht wissen, wie sie unterkommen können“, sagte Herzog.

Kreiswehrersatzamt: Die Auflösung ist beschlossene Sache, vermutlich könnte ein Teil der 162 hannoverschen Mitarbeiter Aufgaben im neuen Karriereberatungszentrum übernehmen – vorausgesetzt, Hannover bekommt ein solches Zentrum.

Wilhelmstein-Kaserne Luttmersen: Dort hat das Panzerbataillon 33 seinen Sitz, das Teil der 1. Panzerdivision ist. Ob der Standort überlebt, ist ungewiss.

Fliegerhorst Wunstorf: Der Standort gilt als sicher. Das Verteidigungsministerium investiert derzeit 300 Millionen Euro in den Ausbau des Flugplatzes. Ab 2015 sollen dort die ersten Transportmaschinen vom Typ A 400 M in die Lüfte steigen.

Vivien-Marie Drews und Conrad von Meding

12.10.2011
Tobias Morchner 12.10.2011