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Aus der Stadt Partneragentur aus Hannover betrügt Kunden
Hannover Aus der Stadt Partneragentur aus Hannover betrügt Kunden
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00:15 25.02.2015
Von Michael Zgoll
Unterm Strich hat dem Ankläger die Suche nach einer neuen Freundin nur zweierlei eingebrockt: eine Menge Ärger und ein Minus von knapp 2000 Euro. Quelle: Symbolbild
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Hannover

Der Gang vor Gericht hat sich für Elk Dreier indes nur in Teilen gelohnt: er erhält von der in Vinnhorst beheimateten Firma 1650 Euro zurück. Der Schleswig-Holsteiner könnte nicht gerichtsfest beweisen, dass die Agentur mit Lockvögeln auf Männerfang geht, um den Interessenten gleich beim ersten Treffen teure Verträge aufzuschwatzen. Beim Amtsgericht Hannover sind seit 2006 bereits 370 Zivilverfahren gegen das Unternehmen aufgelaufen.

Per Zeitungsannonce war Dreier Ende 2012 auf eine Frau aus Hamburg gestoßen, die - so dachte er - einen netten Mann kennenlernen wollte. Einem kurzen Briefwechsel folgte ein Treffen in einem Husumer Hotel. Doch schon nach kurzer Zeit musste der 43-Jährige feststellen, dass ihm keineswegs die Frau seiner Träume, sondern die professionelle Außendienstmitarbeiterin eines Freundschaftsservices gegenübersaß. Sie behauptete, ihm Damen ganz nach seinen Wünschen vermitteln zu können, ein Kartenlesegerät hatte sie praktischerweise auch dabei. Die ersten 1000 Euro wurden gleich vor Ort abgebucht, der Rest war Ratenzahlung.

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Elk Dreier träumte von einer Brünetten mit schulterlangen Haaren, 50 bis 60 Kilo schwer, Mitte 30 und von natürlichem Wesen. Doch die Vorschläge, die ihm die Agentur nach und nach übermittelte, waren allesamt untauglich. Mal sollte er sich mit einer 110 Kilo schweren Blondine mit Kurzhaarschnitt treffen, mal wurde er am Telefon fortdauernd abgewimmelt oder bekam keinen Anschluss unter der offerierten Nummer. Dreier telefonierte sogar mit einer Frau, die wider ihren Willen in der Kartei der hannoverschen Partnerschaftsvermittlung gelandet war.

Beim jüngsten Verhandlungstermin saß die Frau aus Husum, die Amtsrichter Marcus Hettig zum wiederholten Male geladen hatte, endlich auf dem Zeugenstuhl. Sie habe nie behauptet, die potenzielle Partnerin aus der Annonce zu sein, sagte die 48-Jährige. Auch sei sie nicht für die Partnerschaftsvorschläge der Agentur verantwortlich, das regele die Zentrale. Und im Übrigen arbeite sie gar nicht mehr bei der Firma aus Vinnhorst.

Wie Richter Hettig sagte, könne der Kläger letztendlich nicht beweisen, dass die Zeugin das Hotel unter Vortäuschung falscher Tatsachen aufgesucht habe. Auch ließen sich die vorgeblich ungeeigneten Kontaktangebote des Freundschaftsservices nicht in jedem Fall zweifelsfrei nachvollziehen. Die Konsequenz: Hettig stellte eine Vergleichssumme von 1650 Euro in den Raum. Die Firma akzeptierte, und auch Elk Dreier folgte diesem Vorschlag nach längerer Bedenkzeit - zähneknirschend. Unter dem Strich hat ihm diese Suche nach einer neuen Freundin nur zweierlei eingebrockt: eine Menge Ärger und ein Minus von knapp 2000 Euro.

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