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Aus der Stadt 3500 Euro für viel heiße Luft
Hannover Aus der Stadt 3500 Euro für viel heiße Luft
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00:21 28.11.2014
Von Michael Zgoll
Auch Elk Dreier ist auf den Lockvogel-Trick der Partnervermittlung hereingefallen.
Auch Elk Dreier ist auf den Lockvogel-Trick der Partnervermittlung hereingefallen. Quelle: Zgoll
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Hannover

Elk Dreier sucht eine Freundin. Über eine private Zeitungsannonce entdeckte er vor zwei Jahren eine Frau, die ihm gefiel. Kurze Zeit später meldete sie sich bei ihm, wollte sich mit ihm treffen. Was der Schleswig-Holsteiner nicht ahnte: Die Dame war ein Lockvogel, unterwegs im Dienst eines professionellen Freundschaftsvermittlungsdienstes aus Hannover. Sie war sehr beredt, denn gleich am ersten Abend unterschrieb der Mann einen Vermittlungsvertrag. Kostenpunkt: 3500 Euro. Doch die versprochenen Partnerinnen fanden sich bis heute nicht ein. Jetzt klagt Elk Dreier vor dem Amtsgericht Hannover. Er hat den Vertrag widerrufen, will sein Geld zurück.

Der 43-Jährige ist nicht der einzige, der sich von der in Vinnhorst ansässigen Firma geprellt fühlt: Seit 2006 sind beim Amtsgericht rund 370 Zivilverfahren aufgelaufen. Das Unternehmen ist in ganz Deutschland aktiv, Gerichtsstandort ist Hannover.

Elk Dreier traf sich mit der Frau, die angeblich Interesse an ihm hatte, vor einem Hotel in Husum. Als man wenig später in der Lobby saß, offenbarte sie ihm, dass sie niemals die Seine werden könne. Doch es gebe Alternativen in Hülle und Fülle, „flotte Damen aus Hamburg“. Wenig später hatte der Schlosser, in geschäftlichen Dingen nicht allzu versiert, einen Vermittlungsvertrag unterschrieben. Passenderweise führte die Kontaktfrau ein Kartenlesegerät mit sich, sodass sie gleich 1000 Euro von seinem Konto abbuchen konnte. Der Rest war Ratenzahlung.

Elk Dreier hat ziemlich genaue Vorstellungen, wie seine künftige Partnerin aussehen soll. Brünett mit schulterlangen Haaren, dunkle Augen, 50 bis 60 Kilo schwer. Natürlich soll sie wirken, nicht überkandidelt sein. Fünf Vorschläge wurden ihm scheibchenweise übermittelt. Doch mal stimmte die Telefonnummer nicht, mal wurde er permanent abgewimmelt, dann offerierte man ihm eine blonde, kurzhaarige Frau, die 110 Kilogramm auf die Waage brachte. „Da waren einige untaugliche Vorschläge dabei“, konstatierte Amtsrichter Marcus Hettig in der gestrigen Verhandlung. Eine andere angebliche Interessentin aus Hamburg, die der Vermittler als Option ins Spiel gebracht hatte, wusste gar nicht, wie ihr geschah. Schon bei einem früheren Gerichtstermin hatte sie ausgesagt, sich nie in die Kartei der hannoverschen Firma eingetragen zu haben.

Die Kontaktfrau aus Husum, die als Zeugin befragt werden sollte, erschien zum wiederholten Male nicht im Amtsgericht. Gegen sie wurde ein Ordnungsgeld von 100 Euro verhängt. Ein Vergleichsangebot von 2000 Euro, das Richter Hettig vorschlug, lehnte Elk Dreier ab. Also geht der Prozess im Januar weiter. „Wir wollen, dass die Betroffenen dieser Abzocke den Mut finden, ihre Rechte geltend zu machen“, sagt Dreiers Anwalt Aslan Balci. Mit einem Vergleich würden die Machenschaften dieses unseriösen Freundschaftsvermittlers nur unter den Teppich gekehrt.

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