Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Patent-Streit zwischen Mario Barth und ffn eskaliert
Hannover Aus der Stadt Patent-Streit zwischen Mario Barth und ffn eskaliert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
15:14 22.02.2011
Witz mit Bart(h): Der Radiokomiker Dietmar Wischmeyer und Comedian Mario Barth (Bild) streiten um ein Patent. Quelle: Frank Wilde
Anzeige

Der Fall klingt nach einem Radiocomedybeitrag, ist aber ernst gemeint. Der bekannte und streitbare Comedian Mario Barth hat sich im vergangenen Jahr den Spruch „Nichts reimt sich auf Uschi“ als Marke schützen lassen. Nach dem deutschen Patentrecht darf nur noch Barth den Slogan auf T-Shirts, Bettwäsche und Handtücher drucken lassen und verkaufen. Wer gegen das Markenrecht verstößt, kann abgemahnt werden. Der Haken daran: Der Spruch ist fast 20 Jahre alt und wurde schon Anfang der neunziger Jahre von Radiokomikern der ffn-Sendung „Frühstyxradio“ wie Oliver Kalkofe und Dietmar Wischmeyer verwendet. Nachdem Barth einen T-Shirt-Händler abmahnen ließ, eskaliert der Streit nun. Der Radiosender hat einen Löschantrag für den Slogan beim Patentamt gestellt. Der Sender nennt die Aktion „Free Uschi!“

Fast genau 20 Jahre ist es her, dass das „Frühstyxradio“-Team um Oliver Kalkofe und Dietmar Wischmeyer die aufkommende Mode der Sprüche-T-Shirts persiflieren wollte. Hörer sollten dem Sender Vorschläge für möglichst dämliche Sprüche schicken. Der dümmste sollte auf ein T-Shirt gedruckt werden – der damals gängige Uschi-Spruch setzte sich durch und wurde öffentlich im hannoverschen Waterloo-Biergarten als T-Shirt-Druck vorgestellt. Wischmeyer und Kalkofe gestalteten dazu eine „Nichts reimt sich auf Uschi“-Radiosendung und gingen unter dem Motto 1991 und 1992 auf Tour.

Anzeige

Im vergangenen Jahr hat sich nun Barth den Spruch patentieren lassen und verkauft das entsprechende T-Shirt bis heute auf seiner Internetseite. Bisher hielten sich die Radiobetreiber von ffn und das Duo Kalkofe und Wischmeyer bei der Diskussion um das Patent zurück. Sie ließen nur mitteilen, dass man noch kistenweise alte Witze für bedürftige Komiker gelagert habe. Doch die von Barth betriebene Abmahnung eines T-Shirt-Händlers aus dem beschaulichen Seevetal im nördlichen Niedersachsen zu 1780,20 Euro für ein „Uschi“-Leibchen im Dezember scheint nun zumindest für die Senderverantwortlichen das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben.

Der Radiosender ffn hat rechtliche Schritte gegen Barth eingeleitet. Und die Pressemitteilung dazu klingt nach einer heroischen Befreiungsaktion. Unter dem Motto „Free Uschi!“ habe der Sender einen Löschantrag für den Spruch beim Deutschen Markenamt gestellt. „Wir wollen erreichen, dass der Satz als freies Gedankengut anerkannt wird, vergleichbar mit Sprüchen wie ,Keine Macht den Drogen’ oder ,Atomkraft? Nein Danke!’“, sagt ffn-Programmdirektorin Ina Tenz. „Es ist schon dreist, dass ein Spruch als Marke angemeldet wird, der nahezu auf jedem Schulklo steht“, sagt sie. Ein Anwalt hat den Fall geprüft. „Der Spruch ist nicht schutzwürdig und hätte nicht eingetragen werden dürfen“, lautet das Urteil von Dennis Bauer. Nun muss das Markenamt entscheiden.

Wischmeyer kommentierte den ffn-Vorstoß am Montag gewohnt lakonisch: „Dieser Streit wird auch im Sinne von Barth geführt, denn auch er soll sich das T-Shirt so oft nachdrucken dürfen, wie er möchte – ohne dass ihn jemand verklagt.“

Von Mario Barths Seite gab es am Dienstag keinen Kommentar. „Wir äußern uns dazu nicht“, sagte der Sprecher des Comedians in Hamburg. [*]

Jan Sedelies/dpa

[*] Abschnitt wurde aktualisiert.

Anzeige