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Aus der Stadt Per Kanu durch Hannover
Hannover Aus der Stadt Per Kanu durch Hannover
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11:33 24.07.2010
Von Rüdiger Meise
„Loretta’s Biergarten“ sieht von der Leine aus gesehen zwar einladend aus, es gibt jedoch keinen Anleger. Um das Idyll mit der Kamera einfangen zu können, musste der Fotograf dennoch an Land gesetzt werden. Quelle: Rainer Surrey

Ein Wechsel der Perspektive soll ja von Zeit zu Zeit sinnvoll sein. Und so brechen der Fotograf und der Autor dieses Textes an einem der heißen Tage dieses Jahres auf, um zu erleben, wie Enten Hannover sehen. Wir haben die Vermutung, dass uns eine Paddeltour auf der Leine völlig neue Eindrücke von der Stadt vermittelt. Um es gleich vorwegzunehmen: Wir wurden nicht enttäuscht.

Am Bootshaus des Hannoverschen Kanu-Clubs (HKC) zwischen Maschsee und Leine setzen wir den roten Kanadier ins Wasser, den uns der HKC netterweise geliehen hat. Kanadier – das ist die Art Kanu, die man aus Indianerfilmen kennt. Gepaddelt wird mit einem Stechpaddel. Nicht zu verwechseln mit der anderen Kanu-Art, dem Kajak. Der wird mit einem Doppelpaddel gefahren und ist entsprechend schneller.

Der Fotograf ist eigentlich ein begeisterter Kajakfahrer, und so werde ich mir die ganze Tour anhören müssen, wie viel schneller wir mit seinem Boot sein würden. Immerhin verstummen seine Klagen über die Hitze des Tages, sobald wir auf dem Fluss sind: Auf dem Wasser ist es spürbar kühler als in den Straßen der aufgeheizten Großstadt.

Hannover aus der Entenperspektive: Eine runde Tour mit überraschenden
 Begegnungen, 
spannenden Aussichten und entspannenden Getränkepausen – zum Auftakt der
 neuen HAZ-Serie „Stadt am Fluss“.

Wir paddeln flussabwärts in Richtung Norden, lassen nach 100 Metern das alte Wasserkraftwerk am Wehr links liegen und fahren stadteinwärts, vorbei am Bundesleistungszentrum, dem Stadionbad, dem Courtyardhotel.

Schnell verlieren wir den Überblick, wo wir sind. Die Perspektive ist ungewohnt, der Fotograf erkennt die Internationale Schule nicht, obwohl er hier zigmal fotografiert hat. Der Rhythmus, mit dem die Großstadt pulsiert, ist auf der Leine nicht zu spüren. Kein Autoverkehr, keine Stadtbahn, kein Fahrradfahrer erinnert an die übliche Lebensgeschwindigkeit. Wir treiben mit der seichten Strömung des Flusses im Schatten der Uferbäume. Durchatmen.

Rechts, am Ufer über uns, liegt „Loretta’s Biergarten“, aber an ein Einkehren ist (noch) nicht zu denken, ein Aussteigen ist hier nicht möglich. Zu steil und zu schlammig ist das Ufer in diesem Abschnitt. Es riecht modrig.

Unter einer Brücke liegt Hermann und liest Tolstoi. Hermann ist obdachlos und lebt seit drei Jahren unter dieser Brücke, erzählt er. Wie auf einem Regal stehen seine Bücher aufgereiht am Brückenpfeiler, daneben Lebensmitteldosen, eine Ketchupflasche, eine Feuerstelle. Seit den Siebzigern lebt er in Hannover, sagt er. Nicht immer hat die Stadt ihm Glück gebracht. In einem halben Jahr bekommt er Rente, sagt er. Dann geht’s ab in Richtung Süden. Zu hart sind die Winter unter der Brücke am Fluss.

Wir verabschieden uns von Hermann und fahren weiter Richtung Norden. Bis zu einer Leine über der Leine. Daran hängt ein weißes Schild: „Lebensgefahr“. Ein paar Meter vor uns rauschen die Autos über den Friedrichswall, dahinter rauscht das Leinewasser das Wehr am Landtag hinab.

Wir ziehen das Boot aus dem Wasser und sind froh, einen Bootswagen dabeizuhaben, auf dem wir den Kanadier durch die Unterführung rollen können. Bis vor einigen Wochen konnten Paddler ihre Boote noch direkt unterhalb des Wehrs am Leineschloss wieder einsetzen, aber die Zeiten sind vorbei: Weil das Gestein am Abstieg marode ist, musste die Stadt den Anleger verlegen.

Mehrere Hundert Meter müssen wir das Boot am Hohen Ufer entlangziehen, bis wir es gegenüber dem Historischen Museum in Sichtweite des Schwimmpontons der „Leinesuite“ wieder einsetzen. Puh. Jetzt haben wir uns ein Getränk verdient. Daniel, Kellner der „Leinesuite“, erzählt, dass vor uns noch nie Kanuten den Schwimmponton geentert haben. Was uns wundert. Allerdings reiche er regelmäßig kalte Getränke in Boote hinab. Was uns nicht wundert. Wir gönnen uns noch eins, während unser angebundener Kanadier beschaulich in der Strömung schlingert.

Wieder im Boot wundern wir uns erneut: Auf dem Fluss wirken die Fahrgeräusche des Innenstadtrings merkwürdig gedämpft und fern, obwohl wir direkt neben dem achtspurigen Leibnizufer paddeln. Und die beiden Brücken, unter denen die Leine die Brühlstraße unterquert (ja, es sind tatsächlich zwei), sehen geradezu malerisch aus. Nun folgt der wohl idyllischste Teil der Tour: die Calenberger Neustadt.

Wie Mangroven lassen Weiden ihre Äste in den Fluss hängen, Boote liegen an kleinen hölzernen Stegen, Stille liegt über dem Flussarm. Die Brücken sind wahre Kunstwerke, und das Großstadtleben scheint fern und muss doch überall um uns herum stattfinden. Wir verlieren schon wieder die Orientierung. Was ist das da vorn? Gewerkschaftshaus? Freikirche? Studentenwerk?

Rechts von uns verläuft der Bremer Damm, wir passieren den Bootsanleger der Rudergemeinschaft Angaria – und hören plötzlich entspannte Musik. Zwischen den Bäumen tauchen links die roten Sonnenschirme des „Strandlebens“ auf. Mädchen in Sommerkleidern und Jungs mit coolen Sonnenbrillen sitzen im Sand und halten ihre Füße ins Wasser. Eine halbe Stunde nach der „Leinesuite“ ist es wieder Zeit für einen Drink, finden wir. Und machen unser Boot an der großen Birke fest, dort, wo sich Leine und Ihme treffen.

Gestärkt mit einem alkoholfreien Weizenbier gehen wir den anstrengenden Teil der Tour an: die Ihme flussaufwärts. Gegen die Strömung. Der Fotograf im Bug gibt vor, Bilder machen zu müssen – vom Ufer, vom Ihme-Zentrum, vom Neubau der Benno-Ohnesorg-Brücke am Schwarzen Bären – und lässt den Autoren im Heck allein paddeln. Erste Spannungen im Boot.

Auf der Ihme herrscht plötzlich Verkehr. Das Fahrgastschiff „Wappen von Hannover“ überholt uns, prall gefüllt mit Ausflugsgästen, und ein Rudervierer ruft uns zu: „Rechts fahren!“ Ist ja gut, machen wir. Dann will ein Ruderzweier überholen. „Schaut euch um!“, müssen wir uns anhören. „Schaut ihr euch doch um!“, geben wir zurück. Der Verdrängungswettbewerb hat den Fluss erreicht. Dabei ist auf der Ihme Platz für alle. 30 Meter breit ist der Fluss hier. Das ist gut für die Kollegen im Ruderboot, aber wir Kanuten wünschen uns zurück in die Calenberger Neustadt. Auch, weil die Strömung stärker wird.

An der Jugendherberge biegen wir links ab in den Schnellen Graben, die Ihme fließt geradeaus als kleiner Bach weiter in Richtung Ricklinger Kiesteiche.

Je näher wir dem Wehr am Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg kommen, desto mehr müssen wir „bergauf“ paddeln. Was heißt eigentlich wir? Der Fotograf macht Bilder vom Wehr, der Autor paddelt. Das Wasser hat am Wehr eine beachtliche Fallhöhe. Wir legen links vom Wehr an, tragen das Boot die Böschung hinauf und setzen es 50 Meter weiter wieder in die Leine.

Kurz vor Tourende wird es jetzt noch mal spannend: Ein Schwanenpaar mit drei Jungtieren hat es sich an einem Engpass bequem gemacht. Wird Papa Schwan uns unbehelligt an seinem Nachwuchs vorbeilassen? Wir versuchen, einen friedlichen Eindruck zu machen, und bleiben unbehelligt. 150 Meter weiter legen wir am Steg des HKC an.

Die Sonne steht bereits tief am Himmel. Was für ein schöner Tag.

Mehr männliche Erzieher in die Kindergärten? Unter den Kita-Trägern in Hannover findet der Vorstoß von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder breite Zustimmung. „Ich wünsche mir in jeder Kita mindestens einen Mann“, sagt Thea Heusler, Abteilungsleiterin Kinder und Familie bei der Caritas.

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Familie Körner aus dem Waldwinkel in Misburg ist dieser Tage vom Abfallwirtschaftsbetrieb aha auf ein spezielles Problem gestoßen worden: In dem Haushalt mit fünf Personen fällt zu wenig Restmüll an. Jedenfalls gemäß der Satzung über die Abfallentsorgung.

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