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Aus der Stadt „Klima der Willkür“ bei der Polizei?
Hannover Aus der Stadt „Klima der Willkür“ bei der Polizei?
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00:15 15.04.2015
Foto: In seiner kurzen Amtszeit hat Andreas Alder das Polizeikommissariat Langenhagen schon mächtig durchgewirbelt.
In seiner kurzen Amtszeit hat Andreas Alder das Polizeikommissariat Langenhagen schon mächtig durchgewirbelt. Quelle: Archiv
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Langenhagen

Die Beweggründe und die Ziele dieser durch den neuen Leiter der Wache Andreas Alder vorgenommenen, drastischen Umsetzung liegen im Dunklen. Selbst die rund 90 betroffenen Beamte und Angestellte wurden bislang offiziell nicht über die Hintergründe informiert. Die Behördenleitung in Hannover will lediglich bestätigen, dass es die Wechsel in Langenhagen gegeben hat. Darüberhinaus möchte sie sich allerdings nicht zu den überaus ungewöhnlichen Vorgängen äußern.

Nach HAZ-Informationen sollen die von den Personalentscheidungen betroffenen Führungsbeamte ihre Posten in Langenhagen alle gegen ihren Willen geräumt haben. Inzwischen haben sich einige von ihnen zusammen geschlossen, um rechtliche Schritte zu prüfen. Das umstrittenen Vorgehen von Kommissariatsleiter Alder hat zu großem Unmut innerhalb der Dienststelle geführt. In einem Schreiben an die Redaktion der HAZ ist von einem „Klima der Willkür“ die Rede. Die Situation in der Dienststelle sei „so nicht mehr zu ertragen.“

Alder dreht das Personalkarussell

Kriminaloberrat Andreas Alder hatte vor gut einem Jahr seinen Job als Leiter des wegen seiner Zuständigkeit für den Flughafen so bedeutenden Kommissariats Langenhagen angetreten. Zunächst verlief seine Dienstzeit unauffällig. Im November jedoch setzte der heute 49-Jährige ein vermutlich einzigartiges Personalkarussell in Gang. Neben den Leitern des Kriminal- und Ermittlungsdienstes (KED) sowie des Einsatz- und Streifendienstes (ESD) wurden in kürzester Zeit drei Dienstschichtleiter und zum Teil auch deren Stellvertreter „umgesetzt“, wie es im Behördenjargon heißt. Allesamt Führungspersonal. Besonders skurril: Offenbar wurden alle nun umgesetzten Beamten zuvor noch durchweg positiv beurteilt.

PK-Leiter Alder soll die Umsetzungen intern mit zum Teil fadenscheinigen Argumenten verteidigt haben. Im Fall des ESD-Chefs sollen vom Dienststellenleiter gesundheitliche Gründe ins Feld geführt worden sein. Nach Informationen dieser Zeitung soll es sich allerdings lediglich um eine Lungenentzündung gehandelt haben. Der ehemalige Langenhagener ESD-Leiter versieht derzeit in einer anderen Polizeiinspektion seinen Dienst. In gleicher Funktion. Allerdings gilt seine neue Dienststelle mit Blick auf das Einsatzgeschehen eher als Brennpunkt und als arbeitsintensiv. Vor diesem Hintergrund erscheint die Umsetzung des Beamten „aus gesundheitlichen Gründen“ als fragwürdig.

Umstrittene Umsetzung am Flughafen

Ungereimtheiten gibt es offenbar auch in einer anderen umstrittenen Personalentscheidung - der Umsetzung des bisherigen Kontaktbeamten am Flughafen. Der Schritt sollte eigentlich eine berufliche Beförderung zur Folge haben. Allerdings war in der neuen Dienststelle in Lehrte kein entsprechend höherwertiger Posten für den ehemaligen Kontaktbeamten frei. Diese personelle Entscheidung soll sogar Flughafenchef Raoul Hille auf den Plan gerufen haben. Er soll wegen der umstrittenen Entscheidung Kontakt zur Behördenleitung in Hannover aufgenommen haben soll.

Durch sein rigoroses Auftreten in Langenhagen möchte sich PK-Chef Alder möglicherweise selbst für eine angebliche Umstrukturierung der Behörde in Stellung bringen. Hartnäckig halten sich die Vermutungen, die Polizeidirektion soll im Rahmen der vom Innenministerium ausgegebenen sogenannten „Strategie 2020“ verkleinert werden. Die Rede ist von einer Reduzierung von derzeit sechs auf dann nur noch vier Polizeiinspektionen für Stadt und Umland. Immerhin verfolgt der Modernisierungsprozess laut Ministerium das Ziel „die Polizei Niedersachsen unter Berücksichtigung ihrer regionalen Gegebenheiten für die Herausforderungen der Zukunft aufzustellen.“

Von Sven Warnecke und Tobias Morchner

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