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Aus der Stadt Pferde-Herpes beunruhigt Hannovers Stallbesitzer
Hannover Aus der Stadt Pferde-Herpes beunruhigt Hannovers Stallbesitzer
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00:32 27.09.2015
Der Pferdesportverband Hannover warnt vor einer "Panikmache" angesichts des Herpesvirus.
Der Pferdesportverband Hannover warnt vor einer "Panikmache" angesichts des Herpesvirus. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover/Peine

Ein kursierender Herpesvirus sorgt für Sorgen in den Reitställen der Region Hannover. Das Reitergut Köthenwald gab diese Woche bekannt, dass bereits zwei Pferde von dem extrem ansteckenden Virus getötet wurden. Zwei weitere befinden sich derzeit in Behandlung. Auch auf einem Hof im nur 20 Kilometer entfernten Solschen (Landkreis Peine) wurden nun zwei Erkrankungen bekannt. Die beiden Tiere befinden sich aber bereits auf dem Weg der Besserung. Auf dem Reitergut Köthenwald geht man dennoch auf Nummer sicher und hat alle Turniere und Reitlehrgänge in den kommenden drei Wochen abgesagt.

Auch die erste Vorsitzende der Reit- und Voltigierschule Hannover-Bemerode, Cinzia Napoleoni, hat ihren Stall vorsorglich in Bemerode sperren lassen. „Zwar ist bei uns kein Pferd an dem Virus bisher erkrankt, dennoch werden wir den Turnierbetrieb in den nächsten zwei Wochen einstellen und auch keine fremden Tiere in den Stall aufnehmen.“ Schmiede und Tierärzte werden außerdem nur noch in Schutzkleidung auf das Gelände gelassen.

Der Herpes-Virus, mit dem Fieber, Schnupfen und Husten symptomatisch einhergehen, verbreitet sich über die Tröpfcheninfektion. Er ist extrem ansteckend und kann bei Pferden trotz Impfung tödlich verlaufen. Aus diesem Grund empfiehlt Professor Karsten Feige von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover (TiHo) eine totale Kontaktsperre zwischen den Pferden, um die Möglichkeit einer Ausbreitung zu minimieren.

„Wichtig ist aber, Ruhe zu bewahren“

Vor einer „Panikmache“ warnt jedoch Erika Putensen vom Pferdesportverband Hannover. Die Nachricht von dem ausgebrochenen Virus in Köthenwald hat sich in den sozialen Medien, vor allem auf Facebook, rasant verbreitet – zum Teil seien sogar Falschmeldungen im Umlauf. Aus diesem Grund soll am Freitag ein Merkblatt auf der Internetseite des Pferdesportverbands gestellt werden, um Pferdebesitzer über die Infektion zu informieren. „Wichtig ist aber, Ruhe zu bewahren“, sagt Putensen.

Auch Gudrun Fett von der Lister Ponyschule sieht den Wirbel um den Herpesvirus gelassen. Sie werde wahrscheinlich den Rat ihres langjährigen Tierarztes befolgen und weiterhin auf Turniere fahren. „Momentan bin ich noch etwas unschlüssig. Wir sind schließlich nur ein kleiner Stall, in dem keine große Fluktuation herrscht. Und acht Kinder heulen zu sehen, die sich ein halbes Jahr lang auf einen Wettkampf vorbereitet haben, möchte ich nicht“, sagt sie.

Auch auf der Pferderennbahn auf der Neuen Bult in Langenhagen, wo am Sonntag der vorletzte Renntag des Jahres stattfindet, ist man nicht sonderlich beunruhigt. „Bei unseren Rennen gehen ausschließlich Galopprennpferde an den Start“, sagt Susanne Born vom Hannoverscher Rennverein. „Die Tiere werden alle sechs Monate durchgeimpft und medizinisch durchgecheckt.“ Zudem würden die Boxen der Tiere ohnehin nach jedem Rennen gesäubert und desinfiziert. Das für Sonntag geplante Trabrennen wurde dennoch kurzfristig abgesagt, damit die 96 Galopprennpferde nicht mit anderen Tieren in Kontakt kommen. Statt wie geplant im Sulky hinter einem Vierbeiner Platz zu nehmen, müssen der Fack-ju-Göhte-Star Max von der Groeben und die Moderatorin Verena Kerth sich nun im Schubkarrenrennen messen.

von Sarah Seitz und Jörn Kießler

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