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Aus der Stadt Pfleger stiehlt alter Frau Schmerzpflaster
Hannover Aus der Stadt Pfleger stiehlt alter Frau Schmerzpflaster
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21:01 29.10.2017
Von Gunnar Menkens
Quelle: dpa/Symbolbild
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Hannover

„Sie haben nicht an die hochbetagte, hilfsbedürftige und gebrechliche Frau gedacht, sondern nur an die eigene Sucht. Das ist eine sehr schlimme Sache.“ Die Vorsitzende Richterin des Schöffengerichts richtete nach dem Urteil noch einmal klare Worte an Panayot L., 32 Jahre alt und gebürtig aus Bulgarien. In 17 Fällen, die das Gericht für nachweisbar hielt, löste er vom Schulterblatt einer alten Frau Schmerzpflaster und ersetzte sie durch Gebrauchte. Der Angeklagte brauchte das enthaltene Opiat für seine eigene Medikamentenabhängigkeit.

Als sich die über 90-Jährige im letzten Fall weigerte und zu schreien drohte, - sie hatte inzwischen erfahren, dass der Auszubildende keine Befugnis besaß, um Pflaster zu wechseln -, hielt Panayot L. ihr den Mund, riss das Pflaster ab und flüchtete. Wegen Raubes, Diebstahl und weil sich der Assistent in Ausbildung Betäubungsmittel verschaffte, verurteilte ihn das Gericht jetzt zu 18 Monaten Haft, ausgesetzt für drei Jahre zur Bewährung.

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In gutem Deutsch erzählte der Bulgare, dass er ein Jurastudium ohne Examen abbrach und seit 2014 als Pfleger arbeitete, zuerst in einem Heim in Wunstorf, dann in einem Haus in Langenhagen. Aus Stress habe er begonnen, verschreibungspflichtige Medikamente zu nehmen und sei abhängig geworden, „wie viele Kollegen“. Er habe das Fentanyl im Pflaster über die Mundschleimhaut aufgenommen, erklärte Verteidiger Selcuk Bulut, also mit der Zunge, „das muss man sich mal vorstellen“. Der alten Dame schickte L. später einen Präsentkorb mit einer Entschuldigung, die sie akzeptiert habe. „Ich schäme mich“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Es war nicht sein erstes Vergehen. Schon in Wunstorf stahl er einem dementen Patienten das Schmerzpflaster. Er wurde entlassen und vom Amtsgericht Neustadt zu einer Geldstrafe verurteilt. Jetzt kommt die Bewährungsstrafe hinzu.

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