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Aus der Stadt Pharmazeut soll Rezepte gefälscht haben
Hannover Aus der Stadt Pharmazeut soll Rezepte gefälscht haben
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16:14 03.03.2012
Foto: Die Polizei durchsuchte im Auftrag der Staatsanwaltschaft vier Apotheken in Linden, Ronnenberg und Springe.
Die Polizei durchsuchte im Auftrag der Staatsanwaltschaft vier Apotheken in Linden, Ronnenberg und Springe. Quelle: Symbolfoto
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Hannover

Die Ermittler haben Mohammed B., der zwei der Geschäfte betreibt und die anderen beiden bis vor kurzem betrieben hat, im Verdacht, in großem Stil Rezepte verfälscht zu haben. Die Rede ist von 176 Fällen seit Februar 2009, durch die er rund 200.000 Euro eingestrichen haben soll. Die Vorwürfe im Durchsuchungsbeschluss lauten auf Urkundenfälschung und gewerbsmäßige Veruntreuung. „Wir haben zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt, die derzeit ausgewertet werden“, sagte Oberstaatsanwalt Manfred Knothe.

Der verdächtige Apotheker hat offenbar immer dann zugelangt, wenn ein niedergelassener Arzt zu ihm kam, der seinen Sprechstundenbedarf an Medikamenten auffüllen wollte. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die in allen Praxen für Notfälle zu Verfügung stehen müssen – beispielsweise Salben, Tropfen, Impfstoff, Verbandsmaterial oder Narkosemittel. Welche Mittel genau vorrätig gehalten werden dürfen, regelt die Vereinbarung über die Verordnung von Sprechstundenbedarf, die von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und den Krankenkassen getroffen worden ist.

Mohammed B. soll die Rezepte der Ärzte, die Mittel für ihren Sprechstundenbedarf bestellten, eingescannt und manipuliert haben, in dem er die darauf vermerkte Anzahl der benötigten Medikamente deutlich nach oben korrigierte. Dieses manipulierte Rezept habe er dann bei den Krankenkassen eingereicht und den vollen Betrag erstattet bekommen, hieß es. Der Mediziner habe allerdings nur die bestellte Menge an Arzneimitteln erhalten; er konnte somit keinen Verdacht schöpfen.

Das System von Mohammed B. flog nur auf, weil die Krankenkassen, die sich die Kosten für den Sprechstundenbedarf teilen, im Fall eines niedergelassenen Arztes misstrauisch geworden waren. Sie beschwerten sich bei ihm über den übermäßig hohen Verbrauch an Medikamenten während seiner Sprechstunden. Der Arzt wiederum sah seine Unterlagen durch, stellte fest, dass er sich nichts zu Schulden hatte kommen lassen und zeigte den Apotheker an.

Der betreffende Pharmazeut gilt unter Kollegen als „eifriger Apothekentauscher“. Er habe die Geschäfte gewechselt „wie andere Leute ihre Unterwäsche“, sagt ein Kenner der Szene. Der Verdächtige war auch einer der ersten, die sich der Kette „DocMorris“ anschlossen. Seit Ende 2011 sei er jedoch kein Markenpartner mehr, hieß es.

Der Fall ruft auch die Apothekerkammer Niedersachsen auf den Plan, die Verstöße gegen die Berufsordnung verfolgen muss. „Bei Betrug prüfen wir grundsätzlich den Entzug der Approbation“, sagte die Präsidentin Magdalene Linz. In den vergangenen Jahren habe man in knapp einem Dutzend Fällen zu diesem letzten Mittel gegriffen.

Tobias Morchner und Jens Heitmann

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