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Aus der Stadt Lehrer gehen bald wieder auf Klassenfahrt
Hannover Aus der Stadt Lehrer gehen bald wieder auf Klassenfahrt
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00:30 13.06.2015
Von Volker Wiedersheim
„Die Perspektiven sind gut“: Wie die meisten Schüler hoffen auch diese Sechst- und Siebtklässler der Lutherschule, dass sie bald wieder auf Klassenfahrt gehen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Das Ende des Klassenfahrtenboykotts scheint nach der Schlappe des Landes vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg nahe. Die Richter hatten am Dienstag entschieden, dass die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung um eine Stunde für Gymnasiallehrer im vergangenen Jahr unwirksam ist - jetzt hoffen Hannovers Schüler darauf, dass sie bald wieder auf Klassenfahrt gehen können. Horst Audritz, Landesvorsitzender des Philologenverbandes, macht ihnen Mut: Die Lehrer nähmen die Entscheidung zum Anlass, Klassenfahrten wieder zu machen, sagte er Mittwoch. Noch aber ist nicht klar, ob das Land noch Rechtsmittel gegen das Urteil einlegt.

Hans-Jörg Rümelin, Sprecher der Personalräte für die Region Hannover und selbst Lehrervertreter an der Bismarckschule, ist ebenfalls optimistisch, wenn auch vorsichtiger: „Die Perspektiven sind gut, dass es bald in niedersächsischen Gymnasien auch wieder Klassenfahrten geben wird.“ Sobald das Land die Mehrarbeit eindeutig zurücknehme, würden die Personalräte zeitnah - „möglichst noch vor den Sommerferien“ - eine entsprechende Entscheidung treffen. „Der Ball liegt aber jetzt im Spielfeld der Landesregierung“, sagte Rümelin. Es sei zu hoffen, dass Rot-Grün auf Rechtsmittel verzichte und die Mehrarbeit schnell zurücknehme. Man sei zuletzt zu häufig von gebrochenen Zusagen enttäuscht worden.

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Die Schulen entscheiden selbst

Jede einzelne Schule entscheidet auf einer Personalversammlung, die von den Personalräten einberufen werden muss, für sich, ob sie den Klassenfahrtenboykott zurücknimmt oder nicht. Da Klassenfahrten eine freiwillige Leistung des jeweiligen Lehrers sind und niemand dazu gezwungen werden kann, darf auch die Schulleitung keine Klassenfahrten anordnen. Kein Pädagoge habe gern auf Klassenfahrten verzichtet, sagt Beate Günther, Direktorin der Schillerschule und Sprecherin der hannoverschen Gymnasien. Sie gehörten zum pädagogischen Ethos dazu.

Durch den Klassenfahrtenboykott hätten die Lehrer die Chance gehabt, öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Belange zu bekommen, sagt Joachim Wendorf, Lehrer an der Goetheschule. „Anders wären wir gar nicht gehört worden.“ Aber es sei bedauerlich, dass die Lehrer ihr Recht erst hätten einklagen müssen. „Das OVG-Urteil bringt Klarheit“, sagt Dieter Wignanek, Leiter der Ricarda-Huch-Schule: „Jetzt können wir uns wieder um unsere pädagogische Arbeit kümmern.“

Zunächst einmal jedoch kommt auf Gymnasien viel organisatorische Arbeit zu. Neue Stundenpläne müssen erarbeitet, neue Kollegen eingestellt werden. Die Landesschulbehörde hat gestern erst mal alle Neueinstellungen auf Eis gelegt, um zunächst den Bedarf noch einmal grundsätzlich auszurechnen. Gestern Abend entschied die Landesregierung, 740 neue Lehrerstellen in einem Nachtragshaushalt zu verankern, der im Juli eingebracht werden soll. Dies könnte auch eine Chance für Nachwuchskräfte sein, die zuletzt leer ausgingen.

Erleichterung bei Jugendherbergen

„Der Boykott war eine enorme Belastung“, sagt Thorsten Richter, Geschäftsführer im Jugendherbergswerk Niedersachsen-Nordwest. Allein bei den 32 Jugendherbergen, die bei ihm organisiert sind, seien rund 12.000 Übernachtungen entfallen, „das entspricht der Kapazität einer ganzen Jugendherberge.“ In ganz Niedersachsen könnten es etwa doppelt so viele gewesen sein. Daher sei die Erleichterung über das absehbare Ende des Boykotts jetzt groß. Richter weist darauf hin, dass kurzfristig noch Fahrten für das nächste Schulhalbjahr gebucht werden können. „Der September ist unser stärkster Monat, aber im Oktober und November gibt es noch freie Kapazitäten.“

med

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