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Aus der Stadt Physiker fiebern Nobelpreisverkündung entgegen
Hannover Aus der Stadt Physiker fiebern Nobelpreisverkündung entgegen
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00:15 05.10.2017
Von Bärbel Hilbig
Großes Interesse an der Wissenschaft: Bei einem Tag der offenen Tür wollten Hunderte Besucher den Gravitationswellen-Detektor Geo600 sehen.
Großes Interesse an der Wissenschaft: Bei einem Tag der offenen Tür wollten Hunderte Besucher den Gravitationswellen-Detektor Geo600 sehen. Quelle: Heusel
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Hannover

Der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften sind deutsche Feiertage herzlich egal. Deshalb wird sie am Dienstag, am Tag der Deutschen Einheit, gegen Mittag das Geheimnis lüften, wem sie dieses Jahr den Nobelpreis für Physik zuspricht. Geht ein Teil des Ruhms womöglich auch nach Hannover? Sollte das Nobelpreiskomitee den spektakulären Nachweis von Gravitationswellen am 14. September 2015 würdigen, dürfen Wissenschaftler am hannoverschen Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) sich auf jeden Fall mitgeehrt fühlen.

Die beiden Detektoren namens Advanced LIGO, die als erste Signale von Schwerkraftwellen aufzeichneten, stehen zwar in den USA. In Hannover laufen aber seit Jahrzehnten am Gravitationswellen-Observatorium GEO600 wichtige Arbeiten zur Entwicklung der Lasermesstechnik. Dort und am Laserzentrum Hannover ist die Technik für die USA entwickelt und permanent verbessert worden. Die Analyse der aufgefangenen Signale läuft in einem weltweiten Forscherverbund - davon zu beträchtlichen Teilen in Hannover.

Die hannoverschen Physiker wollen den Moment der Verkündung deshalb auf keinen Fall verpassen. Mit Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic und befreundeten Forschern verfolgen sie in ihrem Institut an der Nordstädter Callinstraße am Bildschirm live die Verlesung der Preisträger.

Dass die Schwerkraftwellen preiswürdig sind, steht für Karsten Danzmann, Leiter des Instituts für Gravitationsphysik der Leibniz-Uni und Direktor am Albert-Einstein-Institut, außer Frage. Albert Einstein hatte ihre Existenz in seiner Relativitätstheorie vorausgesetzt. Die inzwischen mehrfach gelungenen Messungen sind der letzte ausstehende Beleg seiner Thesen. „In der Physik ist das die bedeutendste Entdeckung des vergangenen Jahres“, glaubt Danzmann. Aber das Nobelpreiskomitee tickt nach seinem eigenen Takt. „Kann sein, dass den Mitgliedern irgendein Ding aus den Siebzigerjahren einfällt. Sie haben eine lange Liste von Leuten, die eigentlich seit 30 Jahren dran wären.“

Zahlreiche Ehrungen

Danzmann selbst ist für seine Leistung inzwischen vielfach geehrt worden. Zuletzt mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft, der manchen als Indikator für einen späteren Nobelpreis gilt. Wahrscheinlicher ist aber, dass ältere Pioniere der Gravitationswellenforschung wie die US-Amerikaner Rainer Weiss und Kip Thorne den Preis bekommen. Die jungen und älteren Physiker in Hannover, die aus unterschiedlichen Weltgegenden kommen, würden auch das auf jeden Fall feiern. „Der Nobelpreis wäre gut für das ganze Forschungsfeld, denn er öffnet Türen“, betont Danzmann. Tatsächlich fußt die Entdeckung der Schwerkraftwellen auf einem beeindruckenden internationalen Teamwork: An dem eingereichten Forschungspapier waren rund 1000 Forscher namentlich beteiligt.

Wellen als Archiv des Weltalls

Jede Bewegung von Masse im Kosmos – vom einzelnen Gasmolekül bis zur Sternenexplosion – löst laut Einstein eine Gravitationswelle aus. So ähnlich wie ein Stein auf der Wasseroberfläche, wenn er in einen Teich plumpst. Allerdings kräuseln Gravitationswellen nicht den See, sondern stauchen und verzerren Raum und Zeit, während sie sich mit Lichtgeschwindigkeit im All ausbreiten.

Anders als die Wasserwelle verliert die Gravitationswelle nie ihre Energie und pflanzt sich theoretisch unendlich fort. Das heißt: Alle jemals erzeugten Wellen laufen noch durchs All. Werden sie vermessen, lässt sich darauf schließen, was sie ausgelöst hat, bis hin zum Urknall. Die ersten gemessenen Schwerkraftwellen gaben Aufschluss über das Verschmelzen zweier Schwarzer Löcher.

Was sind Gravitationswellen? 

Hier finden Sie unsere große Übersicht mit Fragen und Antworten zu Gravitationswellen.

So gelang den Wissenschaftlern aus Hannover die Entdeckung

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