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Aus der Stadt Die Verzweiflung am Flughafen wächst
Hannover Aus der Stadt Die Verzweiflung am Flughafen wächst
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00:15 04.04.2014
Von Conrad von Meding
Tausende Fluggäste leiden allein in Hannover unter dem dreitägigen Streik der Piloten von Lufthansa und Tochtergesellschaft Germanwings.
Tausende Fluggäste leiden allein in Hannover unter dem dreitägigen Streik der Piloten von Lufthansa und Tochtergesellschaft Germanwings. Quelle: Schledding
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Hannover

Diesen Ferienbeginn hatten sich viele Hannoveraner anders vorgestellt. „Eine Frechheit ist der Service hier“, sagt Olga Maxymovskykh aus Garbsen, während sie Stunde um Stunde am Schalter der Fluggesellschaft Germanwings wartet. Auf eine Mailanfrage hin hatte das Unternehmen ihr mitgeteilt, dass ihr Flug nach Mallorca nicht per Internet umzubuchen sei, sondern nur am Schalter im Flughafen. Aber niemand hatte erwähnt, dass der Schalter erst nachmittags öffnet. Und so wartet sie – und ist nicht alleine. Tausende Fluggäste leiden allein in Hannover unter dem dreitägigen Streik der Piloten von Lufthansa und Tochtergesellschaft Germanwings. Mehr als 50 Flüge fallen aus. Betroffen sind sowohl Geschäftsreisende als auch Urlauber – und das in den ersten Tagen der Osterferien.

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Diese Rechte haben Fluggäste bei Streik

Friederun Busse-Niemeyer aus der Wedemark fliegt mit Freundinnen nach Venedig – oder zumindest hatte sie das vor, bis die Streiknachricht kam. „Erst schien alles in Ordnung – jetzt ist gar nichts mehr klar“, sagt sie, während sie mit ihren Mann in der Warteschlange am Lufthansa-Schalter steht. Neben ihr kocht Ingenieur Jens Kickler aus der List innerlich vor Wut. „Meine Frau sitzt in Petersburg fest, und es gibt keinerlei Informationen darüber, wie sie zurückkommt“, sagt Kickler. Für den Streik der Piloten hat er wenig Verständnis. „Die haben im Gegensatz zu Akademikern nur eine dreijährige Ausbildung und verdienen schon als Einstiegsgehalt mehr als Ingenieure – warum müssen die jetzt noch streiken?“, fragt er in die Runde und gibt sich selbst die Antwort: „Wenn es trotz der hohen Lufthansa-Preise keine Verlässlichkeit mehr gibt, dann werden solche Streiks für viele Kunden ein Ausweichen auf die Billigflieger zur Folge haben.“

Schlechter Telefonservice, nicht funktionierende Internetseiten, lange Wartezeiten am Serviceschalter im Flughafen – manchem Kunden platzte am Dienstag der Kragen. „Der Streik ist das eine, wie man damit umgeht ist das andere“, sagt der hannoversche Malermeister Thomas Hinze.

Am Donnerstag wollte er mit seiner Familie über Frankfurt zum Familienurlaub nach Malaga fliegen. „Bis nachts um 2 Uhr hat meine Frau in der Lufthansa-Warteschleife gehangen, morgens ab 4 habe ich mich ans Telefon gesetzt, bis ich irgendwann zur Arbeit musste – kein Ergebnis.“ Jetzt steht er am Serviceschalter am Flughafen – „35 Leute, jedes Gespräch ist intensive Beratung und dauert 30 Minuten, und die haben hier nur drei Schalter besetzt.“

Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber kann sich das gar nicht erklären. „Hier in Berlin-Tegel sind alle Schalter besetzt“, sagt er. Auch in den Callcentern seien alle Kräfte mobilisiert. „Aber einen Streik mit solchen Folgen haben wir noch nie erlebt“, sagt Weber. 3800 Flüge sind gestrichen.

Die in Hannover wartenden Kunden mutmaßen, dass die Lufthansa ihr Personal auf die Drehkreuze in Frankfurt, Berlin und München konzentriert und kleinere Flughäfen wie Hanover vernachlässigt. Doch auch, als Malermeister Hinze sich lautstark beschwert, kommt kein zusätzliches Personal – „der einzige Schlipsträger hier hat sich schnell verzogen“, erzählt Hinze später. Immerhin: Er bekommt schließlich einen Ersatzflug, über Brüssel zwar und einen Tag verspätet, aber immerhin.

Auch Martina Liehr, die mit zwei Freundinnen und drei Töchtern nach Ibiza fliegen will, bekommt bei Garmanwings Karten für eine Bahnfahrt nach Stuttgart. Um den Anschlussflug zu bekommen, muss sie aber bereits am Vorabend aus Hannover abfahren. Lehrerin Christiane Boemke aus Salzgitter wird am Spätnachmittag beim Verlassen des Serviceschalters erstaunt feststellen, dass die Lufthansa ihren New-York-Flug tatsächlich auf British Airways umgebucht hat. „Damit hätte ich nach all dem Ärger nicht gerechnet“, sagt sie.

Was können Fluggäste tun?

Germanwings und Lufthansa bieten für annullierte Flüge kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen an. Außerdem können Fluggäste auf alternative Verkehrsmittel wie die Bahn umsteigen. Die notwendigen Fahrkarten gibt es an den Ticketschaltern in den Abflug-Flughäfen.Detaillierte Hinweise zu Umbuchungen und Stornierungen und entsprechende Formulare stehen auf den Internetseiten www.lufthansa.com und www.germanwings.com.

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