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Aus der Stadt Ist der Raschplatz falsch geplant?
Hannover Aus der Stadt Ist der Raschplatz falsch geplant?
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00:26 24.05.2015
Von Andreas Schinkel
Es könnte so schön sein: Weite Fläche, hochwertiges Pflaster, Panoramatreppen – doch Veranstaltungen hat es seit der Eröffnung vor fünf Jahren nicht gegeben. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Eine „Entertainmentfläche“ sollte er sein, gar eine „Arena“ für Freilichtveranstaltungen. Doch die hochgesteckten Ziele, die die Stadt und die Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG) für den Raschplatz direkt hinter dem Hauptbahnhof hatten, waren offenbar von vornherein zum Scheitern verurteilt. Denn wie die HRG jetzt auf Nachfrage mitgeteilt hat, darf sie von den rund 6000 Quadratmetern nur knapp 300 mit Veranstaltungen bespielen – aus Sicherheitsgründen. Weil Flucht- und Rettungswege frei gehalten werden müssen, schrumpft der Spielraum für Konzerte und andere Darbietungen erheblich. Wie es scheint, ist den Planern bei der Konzeption des Platzes ein Lapsus unterlaufen: Veranstaltungen hat es seit dem Eröffnungsfest vor fünf Jahren nicht gegeben.

Heute betont die Stadt Hannover, dass der Raschplatz nicht als Veranstaltungsplatz konzipiert wurde, im Gegensatz zur Goseriede und zum Trammplatz. „Vielmehr hat der Raschplatz die Funktion, den Hauptbahnhof mit den Zugängen zur U-Bahn, zu den umliegenden Geschäften, Kinos, Bars, zum Parkhaus und zur Lister Meile zu erschließen“, sagt Stadtsprecher Alexis Demos. Der rege Publikumsverkehr belege diese Funktion täglich. Die strengen Sicherheitsauflagen seien in der „besonderen Bedeutung“ des Hauptbahnhofs, der U-Bahn und der Geschäftslagen begründet.

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Der Traum vom „neuen Raschplatz-Gefühl“

Vor einigen Jahren hörte sich das noch anders an. Für die HRG und den damaligen Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) bedeutete der kostspielige Raschplatzumbau mehr, als nur eine Verbindungsstrecke zu schaffen. 15 Millionen Euro investierte die Sparkassen- und Üstra-Tochter HRG in die Neugestaltung, 4 Millionen Euro steuerte die Stadt bei. Die Entwürfe stammten vom renommierten Architektenbüro Koch/Panse. Der Raschplatz sollte mit seinen Freitreppen und den schwarz-weißen Bodenfliesen mediterranes Flair verbreiten. Stephan Weil sprach damals begeistert von einer „Arena“ und einem „neuen Raschplatz-Gefühl“, das hinter dem Bahnhof entstehe. Die HRG schwärmte von einer „Entertainmentfläche“. „Der Platz ist viel zu gut gelungen, um ihn nicht für Freiluftveranstaltungen zu nutzen“, hieß es.

Aber der neue Charme, den die Platzumgestaltung dem Areal einhauchen sollte, ist bisher nicht auszumachen. Stattdessen hat sich eine Trinkerszene auf dem Platz festgesetzt, die nicht wenige Passanten beunruhigt.
Aus der Ratspolitik kommt jetzt der Vorschlag, noch einmal neu über den Raschplatz nachzudenken. „Der Platz hat von Anfang an nicht funktioniert“, sagt CDU-Fraktionschef Jens Seidel. Eigentlich habe man eine bessere Aufenthaltsqualität schaffen wollen, doch letztlich säßen auf den breiten Freitreppen vor allem Trinker. „Wir brauchen eine neue Debatte über den Raschplatz“, fordert Seidel. Dabei müsse man auch ein Alkoholverbot erwägen. 

Jetzt will sich die HRG zu Funktion und Nutzen des Platzes nicht äußern. „Die Trinkerszene haben wir im Blick“, betont HRG-Geschäftsführer Thomas Heinemann. Bei Ordnungsverstößen, etwa Belästigung von Passanten, seien die Sicherheitskräfte angewiesen, sofort einzugreifen. Regelmäßig patrouillierten Mitarbeiter der Firma Protec auf dem Raschplatz.

Kommentar: Viel Platz, wenig Nutzen

Der neue Raschplatz sollte den krönenden Abschluss der Niki-Passage bilden und damit die Zeiten einer schmuddeligen Passarelle vergessen lassen. Doch der millionenschwere Umbau des Platzes entpuppt sich als Fehlplanung: Viel Geld ist aus Steuermitteln geflossen, um zwischen Spielkasino und Sparkasse eine Veranstaltungsarena zu bauen. Doch aufgrund der strengen Fluchtwegebestimmungen kann nur ein Bruchteil des Platzes für Feste genutzt werden. Das hätte den Planern auffallen müssen. Die Stadt kehrt die Argumentation jetzt einfach um: Der Platz solle lediglich eine Verbindung zur List und einen Zugang zur U-Bahn schaffen. Das aber hätte man deutlich günstiger haben können. Eine kostenbewusste Renovierung der Passarelle hätte es auch getan. Nun gibt es zwar eine Arena mit schönen Fliesen – aber die Hannoveraner haben nicht viel davon.

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