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Aus der Stadt Plötzlich gibt es 50 neue Jobs bei Primark
Hannover Aus der Stadt Plötzlich gibt es 50 neue Jobs bei Primark
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00:15 11.03.2015
Foto: Die Primark-Filiale in der Osterstraße ist die größte in Deutschland.
Die Primark-Filiale in der Osterstraße ist die größte in Deutschland. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Die zuständige Gewerkschaft Verdi kritisiert diese Personalpolitik scharf. Die Arbeitsagentur, die am Freitag für Primark einen Bewerbertag ausgerichtet hat und Arbeitslose zum Annehmen der Stellen motiviert, weist darauf hin, dass das Vorgehen legal ist.

„Statt im Januar Personal abzubauen, darunter allein erziehende Mütter und Väter, hätte Primark diese Jobs erhalten müssen“, sagt Verdi-Sekretärin Juliane Fuchs. Die Neueinstellungen, für die jetzt Personal gesucht werde, seien schon im Januar geplant gewesen - darauf deuteten Einladungen für den Bewerbertag hin. Fuchs kritisiert, Primark habe im Januar Mitarbeiter rausgeworfen, „um auf dem Rücken der Beschäftigten ein paar Wochen lang Lohnkosten zu sparen“.

Die Primark-Filiale in der Osterstraße ist die größte in Deutschland. Das irische Unternehmen sucht aktuell wieder rund 50 Mitarbeiter. 30 Stellen befristet für die Dauer des Ostergeschäftes, 20 weitere Arbeitsplätze sind nach Konzernangaben Teilzeitjobs. „Damit wollen wir Menschen eine Chance geben, die Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden“, erklärt eine Sprecherin. Die Bedingungen: Spätschichten, 9,64 Euro Stundenlohn, Arbeitsbeginn sofort. Bei seiner Präsentation gestern stellte sich Primark als Unternehmen vor, das Arbeitsrechte einhalte und nach ethischen Normen produziere. Man könne Kunden günstige Preise anbieten, weil man bei Herstellern große Mengen einkaufe. Rund 70 Arbeitslose kamen auf Bitten der Arbeitsagentur mit einem „Vermittlungsvorschlag“ zu der Veranstaltung.

Überraschend erschienen dort auch Mitglieder des Primark-Betriebsrats. Dort wusste man nach eigenen Angaben nichts davon, dass der Konzern seit Langem plane, neue Beschäftigte einzustellen. Gewerkschafter sehen darin einen Verstoß gegen die Mitbestimmungspflicht. Geprüft werde nun, juristisch gegen das Unternehmen vorzugehen. Verdi-Sekretärin Fuchs sagt, sei entsetzt, wie Primark versuche, als verantwortungsvoller Arbeitgeber aufzutreten, um dann seine Pflichten zu ignorieren.

Die Primark-Sprecherin wies diese Vorwürfe zurück. Man habe das Thema in der ersten Februarwoche „beim Betriebsrat platziert und seither mehrfach besprochen“. Dabei seien auch Ausschreibungen über die Arbeitsagentur thematisiert worden mit dem Ziel, Arbeitslast in Frühschichten zu verringern.

Die Agentur für Arbeit bietet Unternehmen öfters Gelegenheit, sich Arbeitsuchenden vorzustellen, so auch Primark ungeachtet seines Rufs. „Wir können nicht davon ausgehen, dass dort gesundheitsschädliche Jobs angeboten werden“, sagte Sprecher Holger Habenicht. Arbeitslosen, die sich nicht beim hannoverschen Discounter bewerben, drohten jedoch keine Sanktionen.

Hannovers Primark machte zuletzt nicht nur durch die rigide Personalpolitik von sich reden, sondern auch durch Videoüberwachung der Mitarbeiter und durch Berichte von Beschäftigten, die über Kopfschmerzen, Hautausschläge und schimmelige Waren berichteten. Das Textilunternehmen zitierte dagegen gestern aus einer hausinternen Umfrage. Dabei hätten 83 Prozent „der Befragten“ erklärt, sie würden Primark als Arbeitgeber Freunden weiter empfehlen.

Von Gunnar Menkens

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