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Aus der Stadt Politiker fühlen sich von Drevermann getäuscht
Hannover Aus der Stadt Politiker fühlen sich von Drevermann getäuscht
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22:11 04.10.2009
Kulturdezernentin Marlis Drevermann Quelle: Nico Herzog

Die Opposition im hannoverschen Rat übt vor allem scharfe Kritik an der zögerlichen Informationspolitik von Kulturdezernentin Marlis Drevermann. „Ich empfinde es als Skandal, dass eine städtische Mitarbeiterin Ratsmitgliedern Informationen vorsätzlich verweigert“, sagt Friedrich-Wilhelm Busse, kulturpolitischer Sprecher der CDU. „Die Kommunikationsstrategie der Kulturdezernentin verstehe, wer will“, meint FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. „Monatelang fordern wir die Offenlegung der Verkaufszahlen, und am Ende bekommt die Presse die Informationen, aber wir nicht.“

Am vergangenen Donnerstag hatte Drevermann erst auf Drängen von Oberbürgermeister Stephan Weil bekannt gegeben, dass rund 35 Prozent der Besucher der Festwochen Freikarten erhalten haben. Zur Begründung, warum es bis zur Beantwortung der Anfragen so lange gedauert habe, ließ das Kulturdezernat am Freitag mitteilen, es sei Usus, bei solchen Veranstaltungen Freikarten zu verteilen „und nicht groß darüber zu reden“. Die Karten seien an Verlosungsaktionen, in Künstler- und Pressekontingente sowie an Medien- und Kooperationspartner gegangen. Insider gehen unterdessen davon aus, dass die Zahl wesentlich höher liegt als 35 Prozent. Im Rathaus kursieren Mutmaßungen, mehr als die Hälfte der Karten könnte verschenkt worden sein.

Derweil ist CDU-Mann Busse der Ansicht, dass die Dezernentin von vornherein nicht mit offenen Karten gespielt hat. Schon vor Beginn der Festwochen habe seine Fraktion nach dem Stand des Vorverkaufs gefragt und zur Antwort bekommen, Zahlen ließen sich erst nach Ende der Veranstaltung nennen. „Das ist vollkommen unglaubwürdig, Frau Drevermann hat Geheimniskrämerei betrieben“, sagt Busse. Experten bestätigen den Verdacht Busses. Da der Kartenvorverkauf nicht über externe Vorverkaufsstellen, sondern das Künstlerhaus abgewickelt werde, seien die Zahlen jederzeit überprüfbar.

Darüber hinaus entspricht die hohe Zahl der verschenkten Karten offenbar nicht der gängigen Praxis bei vergleichbaren Veranstaltungen. „Unser Freikartenkontingent liegt unter zehn Prozent“, sagt Carmen Hermeling, Leiterin der privaten Agentur Pro Musica, die rund 20 klassische Konzerte pro Jahr in Hannover organisiert. Zwar kenne auch sie die Methode, Karten zu verschenken, wenn sich abzeichnet, dass die Ränge leer bleiben, aber sinnvoller sei es, in Werbung zu investieren. Bei den renommierten Niedersächsischen Musiktagen erhalten 20 Prozent der Besucher Freikarten, aber nur für die Eröffnungs- und Abschlusskonzerte. „Werden zu viele Freikarten verteilt, ist das für die Vollzahler sehr ärgerlich“, sagt Sprecherin Martina Fragge. Dennoch könne sie verstehen, dass in Herrenhausen die Plätze durch Freikarten gefüllt wurden. „Nichts ist für die Künstler schlimmer, als vor leeren Rängen zu spielen.“

Beim Bremer Musikfest ist man rigoroser. „Wir verteilen überhaupt keine Freikarten, Qualität hat schließlich ihren Preis“, ist Intendant Thomas Albert überzeugt. Außerdem könne er es vor dem Rechnungshof nicht verantworten, „großzügig mit Steuergeld zu hantieren“.

Alles in allem, so meint der CDU-Kulturpolitiker Busse, habe die Dezernentin „die Stadt Hannover der Lächerlichkeit preisgegeben“, indem sie ihr „miserables Kulturmanagement“ durch das Verschenken von Karten habe ausgleichen müssen. Die FDP spricht von einem „grandiosen Scheitern“ des Konzepts von Drevermann und ihrer Intendantin Elisabeth Schweeger.

von Andreas Schinkel und Felix Harbart

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