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Aus der Stadt Polizei: "Es war eine Attacke mit einer Joghurt-Torte"
Hannover Aus der Stadt Polizei: "Es war eine Attacke mit einer Joghurt-Torte"
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21:25 23.09.2010
Jürgen Trittin wird von einer Joghurt-Torte getroffen.

Jürgen Trittin selbst wollte zum dem Vorgang am Donnerstag keine Stellung nehmen. Fraktionssprecher Michael Schroeren sagte am Donnerstag, dass Trittin nach der Wurfattacke auf juristische Schritte verzichte. Da die Polizei ohnehin Ermittlungen eingeleitet habe, habe Trittin selber keine Anzeige erstattet.

Der Fraktionschef der Grünen war am Mittwochabend gegen 19.20 Uhr bei einer Podiumsdiskussion von einem Unbekannten angegriffen worden. Der Joghurt sollte eigentlich von der Polizei analysiert werden, um festzustellen, ob auch andere Inhaltsstoffe enthalten sind. Dies war aber nicht möglich: Als die Beamten am Tatort eintrafen, waren alle Überreste schon vom Veranstalter weggewischt worden. Nach Befragungen von Zeugen stand für die Polizei aber fest: Es handelte es sich um eine Joghurt-Torte. Strafanzeige gegen den unbekannten Mann will Trittin bisher nicht stellen.

Für die Justiz bedeutet dies: Sollte der zuständige Staatsanwalt kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung feststellen, kann er das Verfahren einstellen. Sollte Trittin Anzeige stellen, geht dies nicht. Die Ermittler haben keine Spur von dem Mann. Er konnte nach der Attacke unerkannt entkommen. Nach seiner Auskunft ist der Grünenpolitiker eine der Personen des öffentlichen Lebens, die keinen gesonderten Personenschutz in Anspruch nehmen. Die Polizei sei daher nur im Rahmen der üblichen Streifenfahrten vor Ort gewesen. Der kulturpolitische Sprecher der CDU im Rat der Stadt Hannover hat am Mittwoch den sofortigen Abbruch der Kunstaktion auf dem Ballhofplatz gefordert. "Bevor die Situation entgleitet, sollte geräumt werden. Alles hat seine Grenzen", sagte Busse. "Ich fordere die Verantwortlichen auf, einzuschreiten."

Nach dem Anschlag hatte Trittins Diskussionspartnerin, die selbsternannte Vollzeitaktivistin und Autorin Hanna Poddig, es abgelehnt, sich von der Attacke zu distanzieren und bezeichnete die Attacke als „gut“. Der Grünen-Politiker brach die Diskussion daraufhin ab und verließ unverletzt, aber beschmiert die Bühne. „Körperliche Gewalt kann keine Basis einer Diskussion sein und ich kann mit niemandem diskutieren, der körperliche Gewalt gegen mich gut findet“, sagte Trittin. Trittins Sprecher Michael Schroeren rügte „die wirren Versuche, die Aktion zu rechtfertigen“. Über Poddig bemerkte er: „Das intellektuelle Niveau dieser Argumentation eines Menschen, der sich selbst als Berufsrevolutionärin bezeichnet, ist beleidigend für jeden intelligenten Revolutionär. Nebenbei bemerkt ist Poddig wahrscheinlich die erste Berufsrevolutionärin, die nichts dabei findet, auf einer Veranstaltung aufzutreten, die mit staatlichen Geldern finanziert wird.“

Das Schauspiel Hannover als Veranstalter hat sich noch in der Nacht zu Donnerstag von dem Vorfall distanziert. "Nicht nur vor dem Hintergrund unseres Projektes ist diese Art der Auseinandersetzung in keiner Weise hinnehmbar. Es ist uns vollkommen unverständlich, dass es Hanna Poddig als Gesprächspartnerin auf dem Podium abgelehnt hat, sich von dieser Attacke zu distanzieren", sagte eine Sprecherin. Zudem sei ausgeschlossen, dass der Täter zu den Teilnehmern des Projekts gehöre.

Auch die teilnehmenden Jugendlichen, die auf dem Ballhof ein eigenes Pressebüro errichtet haben, distanzierten sich am Donnerstag von dem Vorfall. "In den vergangenen Tagen hat sich die Republik freies Wendland in Form von kreativen und vielfaeltigen Aktionen gewaltfrei mit Atomkraft auseinandergesetzt, viele Menschen erreicht und für das Thema sensibilisiert", heißt es in ihrer Stellungnahme. „Wir waren interessiert an einem friedlichen Meinungsaustausch und bedauern, dass die Diskussion nicht stattfinden konnte“, sagte Lara Janssen von der Schülerschaft des Wendlandprojektes. „Wir distanzieren uns von diesem Vorfall und hoffen, dass er kein schlechtes Licht auf unsere Veranstaltung wirft.“ Das Hüttendorf sei friedlich, betonte auch der Regisseur Florian Fiedler, der das Theaterprojekt gemeinsam mit dem Dramaturgen Aljoscha Bergrich leitet.

Beim Plenum im Wendland-Dorf war am Donnerstagmorgen war den meisten Bewohnern des Hüttendorfes anzumerken, dass sie immer noch geschockt sind von dem, was am Mittwochabend auf der großen Theaterbühne des Dorfes geschehen war. Einig war man sich darin, dass Tortenwürfe und ähnliche tätliche Angriffe kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein sollten. Herrschte am Morgen noch gedrückte Stimme und eine gewisse Niedergeschlagenheit im Dorf, konnte man gegen Mittag schon wieder Witze machen.

Auf die Frage, was denn beim „Politischen Kochstudio“ am Abend serviert werden solle, sagt Wam Kat, der Mitbegründer des niederländischen Kochkollektivs „Rampenplan“, der die Bewohner des Hüttendorfes bekocht: „Torte oder Joghurt.“ Dann lacht er und sagt „Kürbissuppe.“ Natürlich wird vegan gekocht. Wam Kat, der schon auf dm Greenpeace Schiff „Rainbow Warrior“ und viel für die Aktivisten im Wendland gekocht hat, ist für das Projekt vom Theater engagiert. „Als Künstler“, sagt er, nicht als Koch“.

Auch Hannah Poddig, die Aktivisten, war vom Theater in die reaktivierte Republik freies Wendland eingeladen worden. Sie sollte hier Jonglierworkshops geben. Damit ist aber vorerst Schluss. Das Theater hat den Vertrag mit ihr am Mittwoch noch gelöst. Hanna Poddig war bisher noch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Eine Sprecherin teilte mit, dass es ihr nicht gut gehe.

Das Projekt "Republik freies Wendland" wird am Donnerstag um 18.30 Uhr wie geplant mit der Aufführung des Theaterstücks "Little Boy - Big Tafoon" fortgesetzt. Um 20 Uhr ist der Demonstrationskoch Wam Kat mit seiner Crew zu Gast. Der Angreifer soll zwischen 17 und 25 Jahre alt sowie 1,75 bis 1,80 Meter groß sein und eine schlanke Statur haben. Wer nähere Angaben zu dem Unbekannten machen kann, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer (0511) 109-5555 zu melden.

Jan Sedelies, Dany Schrader, Tobias Morchner, Ronald Meyer-Arlt, dpa

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