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Aus der Stadt Neue Theorie: Raubmörder ist spielsüchtig
Hannover Aus der Stadt Neue Theorie: Raubmörder ist spielsüchtig
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10:15 13.12.2014
Mit Bildern aus der Überwachungskamera sucht die Polizei nach dem Todesschützen aus dem NP-Supermarkt in Stöcken.
Mit Bildern aus der Überwachungskamera sucht die Polizei nach dem Todesschützen aus dem NP-Supermarkt in Stöcken. Quelle: Polizei/ Montage
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Hannover

Die Ermittlungen zu dem Überfall auf den NP-Markt in Stöcken, bei dem der 21-jährige Joey K. ums Leben kam, sollen jetzt noch mehr Fahrt aufnehmen. Das Unternehmen Edeka Minden-Hannover GmbH, das die NP-Supermarktkette betreibt, hat eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt. Das Geld steht demjenigen zu, der den entscheidenden Hinweis zur Ergreifung des Täter geben kann. Der Gesuchte hatte den NP-Markt an der Weizenfeldstraße am Abend des 4. Dezember überfallen und dabei einen 21-jährigen Kunden erschossen sowie einen weiteren Mann (29
Jahre) schwer verletzt. Nur einen Tag später überfiel vermutlich derselbe Mann einen Supermarkt an der Weetzener Landstraße in Hemmingen.

Diese Tasche ließ der Täter in dem ausgeraubten NP-Markt in Stöcken liegen. Quelle: Polizei
Die Polizei sucht mit diesen Fotos nach dem Mann, der einen NP-Markt in Stöcken überfallen hat.

Der finanzielle Anreiz ist auch deswegen hilfreich, weil sich zwar bei der eigens nach der Tat gegründeten Ermittlungsgruppe „Discounter“ bis zum Freitag 160 Zeugen gemeldet haben. Doch eine heiße Spur zu dem Täter ist bislang nicht gefunden. Unterdessen werden immer mehr Raubüberfälle der jüngeren Vergangenheit identifiziert, für die der Gesuchte ebenfalls verantwortlich sein könnte. Inzwischen überprüfen die Polizisten 20 Taten in Niedersachsen und den angrenzenden Bundesländern, die nach ähnlichem Muster abgelaufen sind. Fehlgeschlagen ist dagegen die technische Aufarbeitung der Bilder aus den Überwachungskameras. „Das Grundmaterial war einfach zu schlecht, sodass die LKA- und BKA-Experten nichts mehr herausholen konnten“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge.

Will der Räuber seine Spielsucht finanzieren?

Inzwischen haben die Fahnder eine Theorie zum Motiv des Täters entwickelt. Sie halten es für möglich, dass der Mann spielsüchtig ist und durch die Überfälle seine Sucht finanziert. Für diese Theorie spricht, dass er einen Tag nach dem Raubmord in Stöcken, bei dem er ohne Beute flüchten musste, erneut zugeschlagen hat und einen Supermarkt in Hemmingen ausraubte. Aus diesem Grund bitten die Ermittler jetzt insbesondere die Betreiber und Mitarbeiter von Spielotheken, sich die Bilder der Überwachungskameras von dem Täter genauer anzusehen. Die Beamten haben die Hoffnung, dass sie den Gesuchten auf den Fotos und Videos wiedererkennen können.

Darüber hinaus suchen sie Zeugen, die am 4. Dezember in Stöcken und einen Tag später in Hemmingen einen Mann beobachtet haben, der ein Fahrrad in ein Fahrzeug eingeladen hat. Die Überfälle wurden an weit auseinanderliegenden Orten verübt. In aller Regel ist der Räuber aber zunächst immer mit einem Fahrrad vom Tatort geflüchtet. Er muss, so die Überlegungen der Ermittler, deshalb ziemlich mobil sein. „Theoretisch besteht natürlich die Möglichkeit, dass er vor jeder Tat ein Fahrrad entwendet hat“, sagt Klinge. Dabei würde er allerdings ein zusätzliches Risiko eingehen, erwischt zu werden, sodass die Behörden vermuten, dass er sein Fahrrad stets in einem Wagen von Ort zu Ort transportiert.

Am Freitag veröffentlichten die Ermittler zudem ein Foto von der Tasche, die der gesuchte Raubmörder in Stöcken für den Abtransport der Beute benutzen wollte. Zwar hatte die Kassiererin dem Mann das Geld aus der Kasse bereits übergeben, doch im anschließenden Handgemenge mit Joey K. ließ er die Tasche los und flüchtete schließlich ohne sie vom Tatort. Die Stofftasche ist ziemlich auffällig, sodass die Strafverfolger sich dazu Zeugenhinweise erhoffen.

Der mutmaßliche Raubmörder von Stöcken ist 40 bis 60 Jahre alt, etwa 1,65 bis 1,75 Meter groß, spricht deutsch mit osteuropäischem Akzent, ist korpulent und hat kurze blonde, leicht grau melierte Haare. Er gilt als sehr gefährlich. Die Polizei rät dringend davon ab, sich ihm zu nähern. Hinweise an die Kripo unter (05 11) 1 09 55 55.   

(mit: mic)

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